Kommunales

Das Ende der „Hallenberger Verhältnisse“ in der Politik

Seit 25 Jahren in Hallenberg im Rat:  Alfred Mörchen, Joachim Huft, Alfons Dielenhein, Michael Kronauge und Rita Schnorbusch (von links)

Seit 25 Jahren in Hallenberg im Rat: Alfred Mörchen, Joachim Huft, Alfons Dielenhein, Michael Kronauge und Rita Schnorbusch (von links)

Foto: Rita Maurer

Hallenberg.  Mit neuen Gesichtern zogen auch neue Umgangsformen in den Rat der Stadt Hallenberg. 25 Jahre ist das jetzt her.

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Seit 25 Jahren ist es ruhig geworden im Rat Hallenberg – keine Skandale, keine Schlagzeilen mehr. Für Außenstehende mag es seltsam klingen, aber genau das war im Jahr 1994 das Ziel von Michael Kronauge, Rita Schnorbusch, Alfons Dielenhein, Joachim Huft und Alfred Mörchen, die am 12. November 1994 in den Stadtrat einzogen. Deshalb wurden sie am Mittwochabend für ihr silbernes Ratsjubiläum geehrt wurden.

Dass die fünf Jubilare überhaupt kandidierten, war damals eine Entscheidung aus Frust: Die „Hallenberger Verhältnisse“ im Stadtrat waren Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre weit über die Region hinaus berüchtigt. Die damalige CDU-Fraktion war so zerstritten, dass zehn Mitglieder austraten und die „Bürgerliste“ gründeten. Der verbliebene Rest tat sich zu einer GroKo mit der SPD zusammen und hatte fortan elf Stimmen. Die Folge: Die privaten Querelen wurden öffentlich im Rat ausgetragen und jede Abstimmung abgeschmettert. So wurde z.B. der Firma Kusch fast ein Jahr lang keine Zufahrt zu ihrem neu erbauten Werk im Gewerbegebiet genehmigt.

Als Gebrüll und Chaos die Politik bestimmten

In bis in die Nacht dauernden Ratssitzungen gab es regelmäßig Gebrüll und wüste Beschimpfungen. Flugblätter mit Unterstellungen bis hin zu einer vermeintlichen Mitgliedschaft bei den Republikanern wurden im Ort verteilt, so dass schließlich sogar die Staatsanwaltschaft ermittelte und die Kripo eine Razzia im Rathaus vornahm. Selbst Fernsehen, Stern und Bildzeitung berichteten über den „Politterror“ in Hallenberg, während die Bürger ohnmächtig zusehen mussten.

Landrat Dr. Karl Schneider erinnerte sich in seiner Laudatio daran, dass im Kreistag seinerzeit ein Abgeordneter darum gebeten habe, ihm die Hintergründe für das Rats-Chaos in Hallenberg zu erklären – er wohne weit weg und könne das somit nicht verstehen. Friedrich Merz soll daraufhin geantwortet haben: „Das versteht man auch nicht, wenn man direkt nebenan wohnt!“

„So kann es nicht weitergehen“

„So kann das nicht weitergehen“, sagten sich damals Michael Kronauge, Rita Schnorbusch, Alfons Dielenhein, Joachim Huft und Alfred Mörchen, allesamt kommunalpolitisch noch völlig unterfahren. Sie organisierten die CDU neu und zogen 1994 auf Anhieb mit 15 frischen Kandidaten in den Rat ein – darunter erstmals auch drei Frauen. Keiner von ihnen hatte anfangs Ahnung davon, was ein Haushalts- oder Bebauungsplan war, so dass diese Kenntnisse schnellstens nachgeholt werden mussten. Die erste Amtshandlung: ein Rauch- und Alkoholverbot in den Sitzungen!

„Wir wollten nur mitarbeiten und waren plötzlich in der Verantwortung“, erinnerte sich Michael Kronauge. Zu dieser Verantwortung gehörte auch, den anfangs noch ehrenamtlichen Bürgermeister zu stellen. Der Stadtdirektor in der damals üblichen Doppelspitze beschrieb das Aufgabengebiet so: „Du musst nur auf Schützenfest und Muttergottestag hinter der Stadtfahne hergehen und die Ratssitzungen leiten, alles andere mache ich.“ Gesagt, getan.

Unkündbare Stelle für die Politik aufgegeben

Ganz so entspannt war die Tätigkeit jedoch nicht, so Kronauge: „Ab da war ich keinen Abend mehr zuhause.“ Als 1998 der Bürgermeister hauptamtlich wurde, ging er ein hohes Risiko ein: Er gab seine unkündbare Führungsposition bei der DAK für die Leitung der Stadt Hallenberg auf. Wäre er ein Jahr später bei den Kommunalwahlen nicht wieder gewählt worden, hätte ihm quasi Arbeitslosigkeit gedroht. Schlagartig kehrte nun Ruhe im Stadtrat ein, es wurde fortan konstruktiv diskutiert und an der Zukunft von Hallenberg gearbeitet.

Nach nur einem Jahr konnte z.B. Aldi davon überzeugt werden, eine Filiale in der Nuhne-Stadt zu eröffnen.

Meilensteine waren auch die Ansiedlung weiterer Betriebe im Gewerbegebiet Lehmbach, die Sanierung von Kump, Naturbad und Rathaus nach dessen Brand oder die Einrichtung des ersten Ruhewalds im HSK.

Ein Vierteljahrhundert Ratsarbeit – das bedeutet rund 1000 Rats-, Fraktions- und Ausschusssitzungen neben unzähligen zusätzlichen Terminen, die Michael Kronauge Rita Schnorbusch, Alfons Dielenhein, Joachim Huft und Alfred Mörchen in dieser Zeit geleistet haben. Stadt und Verwaltung ehrten sie mit persönlichen Worten und Geschenken: „Danke für Deinen Einsatz für unsere Stadt!“

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