Kirche

Einkehr und die richtigen Worte in Medebach

Feierlich und von vielen Besuchern angeschaut, so zog die Prozession durch den Ort.

Feierlich und von vielen Besuchern angeschaut, so zog die Prozession durch den Ort.

Foto: Kerstin Neumann-Schnurbus

Medebach.   Medbacher und Hillershäuser feiern gemeinsam das Hochfest. Tausende Menschen begehen Tradition.

Auch der Discounter machte mit, nahm den Wunsch der Medebacher an und so konnten am Samstag Hunderte von Gläubigen das Gelobte Fest in gewohnter Form als Tag der Einkehr (und nicht des Einkaufs) miterleben und so, wie einst gelobt, als einen Tag ohne alltägliche Betriebsamkeit und weltliche lärmende Feierlichkeit begehen.

Medebacher und Hillershäuser, die ein ähnlich hartes Schicksal im 30-jährigen Krieg erlitten hatten, feierten gemeinsam andächtig das Hochfest, das mit der Heiligen Messe begann. Gleich fünf Geistliche zelebrierten die Festmesse: der Medebacher Pfarrer Dr. Achim Funder, der Korbacher Dechant Bernd Conze, der Hallenberger Pfarrer Matthias Kamphans, Vikar Jijo Pidiyath und Pfarrer Josef Sauerwald.

Ein besonders bewegender Moment war es wieder einmal als Bürgermeister Thomas Grosche das Gelübde, welches Hermannus Schmidt vor mehr als 380 Jahren gemeinsam mit dem Rat und Pastor Hermannus Volmershausen schriftlich festgehalten hatte, verlas. Da konnte man im bis auf den letzten Platz gefüllten Gotteshaus eine Stecknadel fallen hören. Für den Medebacher Männergesangverein war es Ehrensache, dass er den Gottesdienst gekonnt musikalisch mitgestaltete.

Sehr ansprechende Predigt

Bei seiner Predigt gewann Pfarrer Dr. Achim Funder viele Sympathien, denn er hatte genau die richtigen Worte gefunden. Er griff aktuelle politische Themen auf und rief die Festgemeinde zu festem Glauben in Zeiten drohender Krisen auf. Er fragte: „ Wie werden wir mit einer Krise umgehen? Welche mentalen und geistigen Kräfte haben wir noch? Was hilft weiter und stiftet Sinn und geht über unser großes Konsumieren hinaus?“ Als Antwort zeigte er auf, wie wesentlich der Glaube an Ideale und der Mut, diese auch gemeinsam zu leben, für die Gesellschaft sind. Dieser Glaube, gelebt im Gebet und in sozialem Engagement, helfe dabei Krisen zu bestehen und gebe Halt. Abschließend rief er dazu auf wachsam zu sein, genau hinzuschauen, beherzt entgegen zu treten und Andere in ihrer Meinung wertzuschätzen. Spontan brandete im Gotteshaus im Anschluss an die mitreißende Predigt begeisterter Applaus auf- das ist im Gottesdienst eher unüblich.

Vor Samstag hatte es eine kurze Debatte über die Ladenöffnungszeiten gegeben: Bundesweit ist der verkaufsoffene Sonntag offenbar beliebt: 57,5 Prozent nutzen ihn zumindest gelegentlich zum Einkauf. Die Liste von Argumenten dafür und dagegen ist lang. Doch in einem ist sich die Mehrheit einig, dass an hohen kirchlichen Festen wie Weihnachten und Ostern Geschäfte geschlossen bleiben. In Medebach hat das „Gelobte Fest“ den gleichen Status wie Weihnachten und Ostern. Und deshalb bleiben da auch seit Jahrhunderten die Läden geschlossen. Als in diesem Jahr der Discounter Aldi mit dieser Tradition brechen wollte, regte sich großer Widerstand unter den Medebachern. (WP berichtete) Letztendlich lenkte der Riesen-Discounter ein und so blieben die Türen des Aldimarktes, wie in allen anderen Medebacher Geschäften in der Kernstadt, am Samstag geschlossen.

Eindrucksvolle Prozession

Der Duft von Weihrauch lag in der Luft, weiß-gelbe Festfahnen flatterten am Kirchturm und kleine Glocken läuteten während der eindrucksvollen Prozession. Die Priester, 40 Messdiener, die Erstkommunionkinder, etliche Fahnenabordnungen von Vereinen und Bruderschaften, der Musikzug Medebach und unzählige Medebacher und Hillershäuser erneuerten ihr Gelübde singend und betend dabei. „Das Gelobe Fest ist für mich ein einzigartiges und generationenübergreifendes Fest mit einer eigenständigen Tradition, das die Geschichte Medebachs mit der Gegenwart und ihren aktuellen Themen verbindet“, so Daniela Schlechter, Lehrerinn an der Hansegrundschule und geborene Hillershäuserin.

Vom Kirchplatz aus bewegte sich die lange Menschenschlange über die Markt-, Öster-, Kapellen- und Kirchstr bis es für den Schlusssegen zurück zur St. Peter und Paul Pfarrkirche ging. So knüpften Tausende von Medebachern an ihre immer noch zeitgemäße Tradition an und zeigten, dass das Gelobte Fest auch heute noch Bestand hat und - in der Gemeinschaft gefeiert - bewegt und Kraft gibt.

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