Ballonunfall

Gericht weist Klage nach Ballon-Unfall bei Westheim ab

Bei einer Fahrt mit einem Heißluftballon ist im August ein Mann schwer verletzt worden. Jetzt hat das Zivilgericht ein Urteil gesprochen.

Bei einer Fahrt mit einem Heißluftballon ist im August ein Mann schwer verletzt worden. Jetzt hat das Zivilgericht ein Urteil gesprochen.

Foto: Uwe Nutsch / WP

Arnsberg/Westheim.  Im Zivilverfahren um eine folgenschwere Landung mit dem Heißluftballon hat das Gericht die Klage gegen den Piloten und den Betreiber abgewiesen.

Der Landeort sei durchaus geeignet gewesen, die harte Landung nicht auf einen Fahrfehler zurückzuführen, die Windscherung habe man nicht vorhersehen können. Das Gericht benutzt das Wort „schicksalhaft“. Daher liege weder beim Ballonführer noch beim Veranstalter - beide aus Ostwestfalen - ein schuldhaftes Verhalten vor. Dieses Urteil hat die Erste Zivilkammer des Landgerichts Arnsberg unter Vorsitz von Richterin Frau Dr. Christine Rienhöfer am Donnerstag verkündet.

Vorgeschichte

Zur Vorgeschichte: Am 1. August 2015 löst ein Universitäts-Professor aus Salzkotten sein Geschenk ein, das er zum 75. Geburtstag bekommen hat: eine Fahrt mit dem Heißluftballon. An einem Flugplatz bei Paderborn beginnt die Tour mit vier weiteren Passagieren und dem Piloten. „Es war eine schöne Fahrt, gut 70 Minuten lang. Es gab nichts auszusetzen“, sagt der Mann im Februar 2019 im Interview mit unserer Zeitung. Da sitzt er bereits seit mehr als drei Jahren im Rollstuhl. Denn die damalige Landung des Ballons im Raum Marsberg-Westheim war hart. So hart, dass bei dem Pensionär die Halswirbelsäule brach. Der Mann war von da an querschnittsgelähmt; im April ist er verstorben.

Strafrechtlich Verfahren eingestellt

Sein Rechtsbeistand Marc O. Melzer, spezialisierter Fachanwalt für Medizin- und Versicherungsrecht aus Bad Lippspringe, sagte im Februar gegenüber unserer Zeitung: „Bei den Windverhältnissen war es relativ klar, dass der Ballon nach etwa einer Stunde Fahrt in einem schlechten Landegebiet mit Wäldern aufsetzen würde.“ Außerdem habe es keine Sicherheitseinweisung vor dem Start gegeben.

Ein Mitfahrer habe dies bestätigt. Strafrechtlich war der Ballonunfall schon im Dezember 2015 ad acta gelegt worden. Oberstaatsanwalt Thomas Poggel auf Nachfrage unserer Zeitung: „Das Verfahren wegen fahrlässiger Körperverletzung wurde mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt.“ Problem laut Anwalt Melzer: Die Polizei habe es versäumt, den Ballon zu beschlagnahmen, was die Rekonstruktion des Unfallhergangs erschwere.

Schadensersatzforderungen

Vor dem Zivilgericht ging es nun um Schadensersatzforderungen. Das Unfallopfer hatte den Piloten und den Chef des Ballonfahrt-Unternehmens aus Ostwestfalen verklagt. Streitwert: knapp 1 Million Euro. Mehrere hunderttausend Euro hatten der 78-Jährige und seine Frau für Umbauten im Haus investiert. Die Anwälte der Haftpflichtversicherung des beklagten Piloten und seines Chefs hatten den gerichtlichen Streitwert in Höhe von knapp 1 Million Euro abgelehnt. Das Zivilgericht hat die Klage gegen Ballonführer und Veranstalter mit seinem Urteil abgewiesen.

Luftverkehrsgesetz greift

Über das Luftverkehrsgesetz, so Gerichtssprecher Dr. Johannes Kamp, sei aber der sogenannte Grundtatbestand der Gefährdungshaftung aus Sicht der Kammer erfüllt. Daher muss der Veranstalter – unabhängig von der Schuldfrage - einen Betrag von 58.326,96 Euro zahlen. Das Gericht habe aber vom Grundsatz her durchaus ein Schmerzensgeld in Höhe von 250.000 Euro als angemessen erachtet. Der krumme Betrag entsteht, weil das Luftfahrtgesetz 113.000 Rechnungseinheiten als maximale Schadens-Deckelung vorsieht – das entspricht am Tag der Urteilsverkündung rund 138.000 Euro, von denen laut Gericht rund 80.000 Euro bereits gezahlt wurden.

Revision möglich

Der Anwalt des Unfallopfers - nach dessen Tod wurde das Verfahren im Namen der Ehefrau fortgeführt – wolle erst nach Zustellung des Urteils eine Stellungnahme abgeben. Binnen einer Vier-Wochen-Frist besteht die Möglichkeit der Revision beim OLG in Hamm.

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