Flughafen

Hinter den Kulissen am Flughafen Paderborn/Lippstadt

Auch per Privatmaschine lässt es sich vom Flughafen in Paderborn abheben. Das kostet aber 10.000 Euro.

Auch per Privatmaschine lässt es sich vom Flughafen in Paderborn abheben. Das kostet aber 10.000 Euro.

Foto: Georg Giannakis

Büren-Ahden.  Ob Privatmaschinen oder große Flieger: 18 Westfalenpost-Leser gewannen einzigartige Einblicke in den Flughafen Paderborn-Lippstadt.

Kerosin-Geruch zieht durch die Nasenlöcher. Selbst im kleinen Omnibus, in welchem die 18 glücklichen Gewinner unseres WP-Gewinnspiels sitzen und von einer fachkundigen Dame über das Innengelände des Flughafens Paderborn/Lippstadt kutschiert werden, liegen die von den Flugzeugen ausgestoßenen Treibstoffausdunstungen überall in der Luft.

„Sie haben es vielleicht schon längst bemerkt. Es duftet so herrlich nach Flughafen“, erklärt Marion Heinrichs, langjährige Schichtleiterin und Sicherheitsmitarbeiterin am General Aviation Termin (GAT), in flachsiger Art und Weise. Überhaupt ist der quirligen Dame, die quasi nur einen „Katzensprung“ vom Flughafen entfernt im benachbarten Büren beheimatet ist, die Leidenschaft, mit welcher sie tagtäglich ihrer Arbeit am beschaulichen „Heimat-Airport“ nachgeht, deutlich im Gesichtsausdruck abzulesen.

Immer ein Lächeln auf den Lippen, immer höflich und zuvorkommend und während sie mit interessierten Besuchern zur besagten Führungstour über das Areal aufbricht, präferiert sie die lockere und mit der ein oder anderen Anekdote verpackten Vortragsweise – so auch diesmal.

Erster Stopp an der Sicherheitskontrolle

Die exklusive Führung wird für die Schar an treuen und langjährigen WP-Lesern vollends zu einem ganz besonderen Erlebnis welches sie so schnell nicht mehr vergessen werden. Wie vor einem herkömmlichen Reiseabflug üblich, muss sich auch diese Gruppe einer echten Sicherheitskontrolle unterziehen.

Handtaschen, Fotoapparate und alle anderen zur Führung mitgebrachten persönlichen Gegenstände werden am Kontrollschalter, an dem sonst nur Geschäftsreisende, Bordcrew-Mitglieder und Flughafenmitarbeiter gecheckt werden, per Röntgengerät durchgeleuchtet. Erst anschließend geht es per fahrbarem Untersatz auf Entdeckungsreise zwischen Start-/Landebahn und geparkten Großfliegern.

Tempo am Flughafen

Marion Heinrichs drückt ein wenig intensiver auf’s Gaspedal. „Oh, jetzt gleich landet ja schon die A320 aus Antalya. Das will ich Ihnen unbedingt zeigen“, kündigt sie an und lenkt das Mehrpersonenfahrzeug zügig in Richtung Landebahn, um von einem geeigneten Halteplatz aus und aus sicherer Entfernung Jung und Alt den majestätischen Einflug des großen Freebird-Fliegers zu präsentieren. „Oh nein,…da ist sie auch schon gelandet. Wir waren eine Minute zu langsam“, kommentiert die Fachfrau die verpasste Darbietung.

Doch unglücklich darüber sind Klein und Groß nur kurzweilig. Das nahe des Rollfelds erlaubte Aussteigen aus dem Omnibus und die von einigen Lesern gemachten Bildaufnahmen von dem in Richtung Parkposition zurollenden Flugzeug sind Entschädigung genug. Und derweil Fotoapparate klicken und Handykameras die ersten Eindrücke aus einer für die Besucher völlig neuen und für sie sonst nicht zugänglichen Perspektive einfangen, bereichert Marion Heinrichs die Gruppe mit interessanten Informationen und Eckdaten rund um den kleinen Airport.

Viel Arbeit mit nur 250 Mitarbeitern

„Bei uns ist hier alles ganz gemütlich. Im Vergleich zu großen Flughäfen arbeiten hier „nur“ 250 Mitarbeiter. Aber diese haben 24 Stunden lang und an 365 Tagen sogleich einiges an Arbeit zu leisten, damit alles reibungslos funktioniert. Mit „alles“ meine ich, sowohl das Einchecken der Passagiere als auch die Arbeiten, die während der kurzen Verweilzeit der Maschinen an den selbigen vorgenommen werden müssen.

„Was glauben Sie wohl, wie viel Zeit das Personal dafür hat, um alle Sitze in so einem A320-Flugzeug zu säubern, den Müll zu entsorgen und so weiter…? „Eine Stunde“, ruft einer dazwischen, „45 Minuten“, meint ein andere WP-Leserin. Doch Marion Heinrichs schüttelt den Kopf: „Nö. Knapp daneben“, wirft sie lapidar ein und gibt schließlich des Rätsels Lösung bekannt: „14 Minuten. Mehr nicht“, betont sie und ergänzt: „So ein Flieger hat 31 Reihen, mit 6 Plätzen pro Reihe. Das muss man sich mal ausmalen, wie kurz das ist.“

Privatflug für 10.000 Euro

Unter dem Motto „von Paderborn in die ganze Welt“ versteht sich der kleine, schmucke Flughafen Paderborn/Lippstadt dennoch als global agierender Lokal-Airport. Nicht nur europäische Ziele unter anderem in der Türkei, in Griechenland und in Spanien werden von Büren-Ahden aus angeflogen, sondern auch deutsche Urlaubsinseln, wie etwa Sylt. „Sie können eine Privatmaschine buchen und mit ein paar Leuten nach Sylt fliegen. Das ist kein Problem. Und das Gute: In 35 Minuten sind sie da. Der Spaß hat aber seinen Preis: Es wird mal eben fünfstellig. Aber wenn sie zehn Leute zusammentrommeln, ist nur noch mit einem 1000er pro Nase zu rechnen. Naja, wer es hat und es möchte, gerne“, schmunzelt Heinrichs und zeigt der Gruppe sogleich einen derartigen Privatjet, der viele Millionen Euro wert ist.

Den Heimatflughafen lieben und leben

Unter den Flügeln eines solchen Luxus-Jets sammelt sie die 18-köpfige Leserschaft zum abschließenden Foto, bevor sie im Anschluss daran noch den Start der Freebird A320 nach Antalya hautnah beobachten darf. Ein ereignisreicher Tag geht für Groß und Klein zu Ende. Nur Marion Heinrichs muss noch ein paar Arbeitsstunden dranhängen. Aber diese bewerkstelligt sie mit ebenso viel Elan und Freude, wie ihre arrangierten Besucherführungen. Viel Herzblut ist da eben mit Spiel, oder wie sagt es sogleich Marion Heinrichs: „Wir lieben und leben unseren Heimatflughafen.“

Den richtigen Standesbeamten im Flieger

Heiraten über den Wolken? Hochzeit im Flieger? Der Flughafen Paderborn/Lippstadt erfüllt derartigen Wünsche von Brautpaaren gerne. In einem Privatflugzeug können sich Paare hoch zu Luft das Ja-Wort geben. Einzig und allein ein paar rechtliche Rahmenbedingungen müssen dabei berücksichtigt werden.

Was und warum verrät Flughafenbesucher-Führerin Marion Heinrichs: „Wer beispielsweise einen Standesbeamten aus Büren mitnimmt, muss beachten, dass er nur im Luftraum über dem Stadtgebiet Büren das Brautpaar trauen darf. Es hat Paare gegeben, die eine solche Trauung im Flieger buchten und ein bestimmtes Ziel außerhalb des Luftraums Büren anfliegen wollten. Da muss sich der Standesbeamte dann halt ein bisschen beeilen. Sonst ist alles für die Katz.

Hat der Flieger beispielsweise den Luftraum über Soest erreicht, dann darf auch nur ein Standesbeamter des Stadt Soest die Trauung vornehmen. Wäre ja echt unglücklich, wenn das große Glück kurzerhand daran scheitern würde“, erklärt Marion Heinrichs mit einem zwinkerndem Auge.

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