Schullandschaft

Hommage zum Abschied für das Gymnasium in Medebach

Der Gymnasialstandort Medebach ist Geschichte. Nach den Sommerferien nutzt die Sekundarschule das Gebäude.

Der Gymnasialstandort Medebach ist Geschichte. Nach den Sommerferien nutzt die Sekundarschule das Gebäude.

Foto: Rita Maurer

115 Jahre lang wurde hier gelacht, getuschelt, gelernt. Nach den Sommerferien geht es für Schüler und Gebäude anderweitig weiter.

Medebach. „Alte Schule, altes Haus, du siehst heute anders aus. Und ich geh zum letzten Mal durch deine Tür...“. Dieses Lied von Rolf Zuckowski, rührt normalerweise Schüler zu Tränen, die auf eine weiterführende Schule wechseln.

In Medebach musste sich jedoch am Freitag eine ganze Stadt von ihrem Gymnasium verabschieden.

Bereits vor zehn Jahren wurde das Städtische Gymnasium Medebach aufgelöst und zusammen mit dem Gymnasium Winterberg in das Geschwister-Scholl-Gymnasium Winterberg Medebach überführt. Dieser Schritt diente der Sicherung der beiden Gymnasialstandorte.

Gebäude wird weiter genutzt

Vor drei Jahren wurde dann die Schließung des Standortes Medebach beschlossen und der Hansestadt der Hauptstandort einer Sekundarschule zugesprochen. Seit zwei Jahren werden die Fünftklässler deshalb schon in Winterberg eingeschult, so dass nun zwei neunte, zwei achte und eine siebte Klasse von Gymnasiasten den Schulschlüssel hinter sich umdrehen, um nach den Ferien in Winterberg oder an anderen Schulen ihre Schullaufbahn fortzusetzen.

Das Gebäude bleibt erhalten und wird nach den Sommerferien komplett von der Sekundarschule genutzt. Für viele Eltern ist es ein doppelter Abschied, denn nicht nur für ihre Kinder endet die Schulzeit in Medebach, auch sie selber sind früher hier zur Schule gegangen und erinnern sich gerne an ihre Schulzeit.

Gründer hatten zwei Ziele

Sicherlich geht auch mit der Schule ein Stück Geschichte zu Ende. Ein Blick in die Gründungszeit des Gymnasiums zeigt, dass die Gründungsväter zwei Ziele vor Augen hatten: Sie wollten Kindern in abgelegener ländlicher Region eine Möglichkeit bieten, wenigstens die ersten Jahre einer höheren Schule zu besuchen.

Diesen vorausschauenden Männern war auch klar, dass Wachstum und Attraktivität ihrer Heimatstadt in hohem Maße von einem guten Schulangebot und der Anhebung des Bildungsniveaus abhängig sind.

Eine Schule, viele Namen

Seit 115 Jahren rannten Schüler tuschelnd, lachend, singend, flirtend und manchmal auch weinend durch die Höhere Schule der Stadt Medebach.

Ein Blick zurück in die Geschichte: 1904 wurde nach mehreren vergeblichen Anläufen die Rektoratsschule gegründet, die aufgrund knapper finanzieller Mitteln und geringer Schülerzahlen auf wackeligen Beinen stand. Einige engagierte Lehrkräfte, allen voran Rektor Josef Bauer, sicherten den Lehrbetrieb.

Im Lauf der folgenden Jahrzehnte entwickelte sich die Rektoratsschule über die Oberschule für Jungen, das Neusprachliche Progymnasium und das Gymnasium der Stadt Medebach, Sekundarstufe I zum Geschwister-Scholl-Gymnasium. In diesem Zeitraum haben viele Lehrer und Lehrerinnen, in Zusammenarbeit mit Eltern und Schülern, ihren pädagogischen Auftrag in vorbildlicher Weise erfüllt.

Am Freitag läutete zum letzten Mal die Schulglocke im Gymnasium. Und vielleicht hatte der eine oder andere Medebacher dabei die letzte Strophe von Rolf Zuckowski im Ohr: „Neue Schule, neues Glück und es führt kein Weg zurück. Alte Schule, altes Haus – ich danke dir.“

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