Justiz

Letzter Coup in Winterberg: Pkw-Diebesbande muss in Haft

In diesen Fällen hatte der Dietrich beim Autodiebstahl ausgedient, denn die Langfinger bauten auf digitale Hilfsmittel. Für den Bandendiebstahl bekam ein Quartett jetzt die Quittung vom Landgericht Bielefeld.

In diesen Fällen hatte der Dietrich beim Autodiebstahl ausgedient, denn die Langfinger bauten auf digitale Hilfsmittel. Für den Bandendiebstahl bekam ein Quartett jetzt die Quittung vom Landgericht Bielefeld.

Foto: Kai Remmers / dpa-tmn

Winterberg/Bielefeld.  Weil sie Autos im Wert von einer Million Euro gestohlen hatten, müssen Mitglieder einer Bande, darunter zwei Arnsberger, teils für Jahre in Haft.

Sie hatten es auf Autos mit neuester Technik abgesehen - weil sie leicht zu stehlen sind. Für eine ganze Reihe von Pkw-Diebstählen schickt das Landgericht Bielefeld jetzt eine vierköpfige Bande hinter Gitter. Die Polen hatten vorwiegend im Sauerland und in Ostwestfalen-Lippe zugeschlagen. Aber Winterberg werden sie in schlechter Erinnerung behalten.

Funkschlüssel geknackt

Fahrzeugbesitzer können ihr Auto mittlerweile ganz bequem per Funkschlüssel öffnen und starten. Ebenso bequem können Autodiebe diese Funksignale mittels spezieller Geräte auffangen und verlängern, so dass sie ohne den richtigen Schlüssel trotzdem mit dem Wagen wegfahren können. Fast eine Million Euro wert waren die 30 Autos, die der Bande von August bis Dezember vergangenen Jahres in die Hände fielen und die sie schließlich auf die Anklagebank im Landgericht Bielefeld brachten.

Seit Mitte Juni mussten sich die vier Männer im Alter von 30 bis 39 Jahren, zwei von ihnen mit Wohnsitz in Arnsberg und Hamburg, vor der 21. Großen Strafkammer des Landgerichts Bielefeld verantworten – wegen schweren Bandendiebstahls. Die Polizei hatte sie kurz vor Weihnachten nach längeren Ermittlungen „eingekreist“ und im Sauerland auf frischer Tat gestellt.

Beute im Wert von einer Million Euro

Ein in Arnsberg wohnender 33-Jähriger hatte sich mit einem Lexus auf den Weg nach Polen gemacht, den die Bande mit ihrer bewährten Masche an der Astenstraße in Winterberg in Bewegung gesetzt hatte. Der Luxus-Japaner gehörte einem Besitzer einer Autowaschanlage und hatte einen Wert von 40000 Euro. In Cölbe bei Marburg erwies sich der alte böse Spruch „Kaum gestohlen, schon in Polen“ als Märchen: Ein Sondereinsatzkommando der Polizei stellte den Fahrer, als er gerade –vermeintlich unbeobachtet – holländische Kennzeichen an das Auto schrauben wollte.

Etwa zeitgleich nahm die Polizei die drei anderen Täter in Meschede fest. Die Staatsanwaltschaft geht von einer noch höheren Zahl von Taten aus, die jedoch nicht zur Anklage gebracht wurden. Die Pkw landeten fast alle in Polen, wurden dort entweder zerlegt und in Einzelteilen zu Geld gemacht oder weiterverkauft. Als zentraler „Umschlagplatz“ diente ein Parkplatz am Möhnesee: Dorthin wurden die Fahrzeuge direkt nach dem Diebstahl gefahren, spätestens dort mit fremden Kennzeichen versehen, und nach Polen weiter verschoben – mit permanent laufenden Motoren, die sich nämlich ohne den zum Fahrzeug gehörenden Schlüssel nicht mehr starten lassen.

Geständnis war strafmildernd

In dem fünftägigen Prozess machten alle vier Angeklagte von der Gelegenheit Gebrauch, bei einem Geständnis einen Strafnachlass zu bekommen: ein Entgegenkommen des Gerichts, weil sich so die Verfahrensdauer erheblich abkürzen ließ. Wo die über 14.000 Euro gelandet waren, die er aus den Diebstählen erlöst hatte, erklärte der in Hamburg lebende Angeklagte: Er hatte seiner Frau den Aufbau eines Kosmetikstudios und eines Kebab-Imbisses in seiner polnischen Heimatstadt finanziert.

Nachdem er geschnappt worden war und weitere „Finanzspritzen“ nicht mehr hatte leisten können, sei seine Ehe in die Brüche gegangen. Die ausgeurteilten Haftstrafen liegen je nach Anzahl der einzelnen zugeordneten Tathäufigkeiten zwischen vier Jahren bzw. drei Jahren und neun Monaten für die beiden Haupttäter sowie dreieinhalb Jahren und 27 Monaten für die beiden aus Polen eingereisten Bandenmitglieder.

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