Bundesschützenfest

Mit Klappstühlen und Sekt zum Festzug in Medebach

Das Bundeskönigspaar Daniela Kotewitsch und ihr Mann Matthias, Bildmitte. Foto: Ralf Rottmann/ Funke Foto Services

Das Bundeskönigspaar Daniela Kotewitsch und ihr Mann Matthias, Bildmitte. Foto: Ralf Rottmann/ Funke Foto Services

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Medebach.  Es war ein gigantisches Fest: 12.000 Teilnehmer zogen beim Bundesschützenfest durch Medebach. Wichtig: gutes Schuhwerk, ein Klappstuhl und Sekt.

Sie winkt, sie lächelt, strahlt, repräsentiert: Die neue Bundesschützenkönigin Daniela Kotewitsch hat gemeinsam mit ihrem Ehemann und König Matthias auf der Ehrentribüne in Medebach ihren Platz eingenommen. Rund 12.000 Festzug-Teilnehmer ziehen an ihnen vorbei. Fast vier Stunden lang. Da ist jede Menge majestätische Standhaftigkeit gefragt. Durchhaltevermögen, gutes Schuhwerk und die ein oder andere Flüssignahrung brauchen natürlich auch alle, die mitmarschieren oder an der 2,5 Kilometer langen Strecke jubeln und feiern.

Auf das richtige Schuhwerk kommt es an

Viele Festzugteilnehmer sind schon seit morgens unterwegs - so wie Kirsten Wagner-Sasse aus Lennestadt-Kirchhundem, die mit den anderen Hofstaatdamen auf dem Weg zum Antreteplatz ist. Sie hat sich gut gerüstet für den langen Marsch: Lachend zeigt sie ihr Schuhwerk, das sich unterm langen Kleid versteckt: Schwarze Espadrilles mit Rosenmuster kommen zum Vorschein. „Sonst trage ich eigentlich Pumps mit hohen Absätzen. Aber heute geht das nicht. Nur leider ist das Kleid jetzt etwas zu lang.“

Bundesschützenfest Medebach

Singend zieht eine Offiziers-Abordnung an ihr vorbei, während überall Frauen versuchen, die Kleider nach der Busfahrt wieder in Form zu bringen. Sitzt die Frisur? Wo ist der Lippenstift? Und ganz wichtig: „Wo können wir nochmal auf die Toilette, bevor es losgeht?“ Die Schlange vor dem WC auf dem Antreteplatz spricht für sich. Jede Gruppe hat auf dem riesigen Gelände ihren Platz, bewegt sich nach einem akribisch erstellten Ablaufplan vorwärts.

Super Idee: Sektgläschen im Blumenstrauß

Dort wartet auch die Delegation aus Möhnesee-Wamel, dem Heimatort der ersten Frau, die sich beim Bundesschützenfest als Regentin präsentiert. Die Hofstaatfrauen sind begeistert, dass einer Frau aus ihren Reihen der entscheidende Treffer gelungen ist: „Wir haben uns alle sehr gefreut.“ Und ein gut gelaunter männlicher Teilnehmer der Wameler-Truppe ergänzt: „Sie muss winken, wir übernehmen das Trinken.“ Apropos trinken. Der Festzug ist lang und ist es ist sommerlich warm. Dementsprechend haben viele Teilnehmer vorgesorgt. Manche ziehen einen Bollerwagen hinter sich her oder einen kleinen Kühlcontainer, einige Hofstaatdamen führen ein Sektgläschen im Blumenstrauß mit.

Auch viele der Festzugbesucher, die es sich entlang der Strecke bequem gemacht haben, sind bestens versorgt. So einige sind in ganzen Gruppen angereist, haben Klappstühle und Kühltaschen mitgebracht oder sich frühzeitig in einem gastronomischen Betrieb einen guten Platz gesichert.

Heimvorteil für die Anwohner

Steffi Giesen zum Beispiel ist mit einer lustigen Truppe aus Arnsberg-Holzen angereist. Sie haben einen guten Platz direkt gegenüber der Ehrentribühne ergattert und jede Menge Stärkung mitgebracht: Ein Sektchen, kleine Schnitzelspieker, Käsewürfel, Paprika-Streifen. Die Getränke kommen aus der Kühlung. Dann geht es los: Das Bundeskönigspaar naht. „Fertigmachen zum Jubeln.“ Präsentiermarsch.

Einen besonderen Heimvorteil haben natürlich die Medebacher Anwohner. Auch sie haben es sich entlang der Strecke gemütlich gemacht, Stühle und Bänke aufgestellt oder verfolgen das Geschehen aus dem Fenster. Immer wieder brandet Beifall auf, werden bekannte Gesichter, die vorbeimarschieren, begrüßt. Über 250 Schützenbruderschaften und -vereine aus den insgesamt sieben Bezirken des Sauerländer Schützenbundes haben sich für den Umzug angemeldet, plus 50 Musiken-Gruppen. Fast vier Stunden lang ziehen sie in einem riesigen Lindwurm durch die Hansestadt. Deutlich wird dabei eine unglaubliche Vielfalt an Schützenuniformen, einige ganz schlicht, andere mit großem Federschmuck und Dekorationen versehen. Und ganz wichtig natürlich: die Kleider!

Akute Blasengefahr

Und an den Füßen akute Blasengefahr. Nur, wer drauf achtet, sieht unter den prächtigen Kleidern Turnschuhe und bequeme Sandalen hervorlugen. Toll: Jede Gruppe bringt ihre ganz eigene Noten in das bunte Festzuggeschehen ein: Einige Hofdamen legen kleine tänzerische Einlagen ein, andere winken und eine Gruppe schießt eine Konfetti-Kanone für die Königin ab. Eine Meer von Grün und Weiß erwartet die Festzugteilnehmer bei ihrer Ankunft am Festplatz. Manch einem gewichtigen Fahnenträger steht, endlich oben angekommen, der Schweiß auf der Stirn. Während hier schon die ersten feiern und sich nach dem langen Marsch stärken, sind noch viele Zugteilnehmer lange unterwegs.

Freude über erste Bundeskönigin

Und was sagen die Zuschauer dazu, dass es mit Daniela Kotewitsch erstmals eine Bundesschützenkönig gibt? Kerstin Balkenhol und Karin Schröder aus Medebach sind sich da absolut einig: „Wir finden das super, fast schon revolutionär.“ Auch die Vorstandsfrauen aus Halberbracht, die gerade ihre Delegation bejubeln, freuen sich: „Wir finden das sehr gut und sind da bei uns sowieso sehr fortschrittlich eingestellt. Die erste Königin im Schützenkreis Olpe kam nämlich auch aus Halberbracht.“ Begeistert sind auch die Vorstandsfrauen aus Bigge, die es sich am Wegesrand gemütlich gemacht haben: „Wir sind total begeistert. Die Männer haben halt nicht richtig getroffen - nur die einzige Frau.“

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