Gericht

Sauerländer soll seine Tochter sexuell missbraucht haben

Der Angeklagte Olsberger (links) mit seinem Pflichtverteidiger Sascha Gruhl. Der Angeklagte zeigt in der Verhandlung nur wenig Regung und hält den Blick gesenkt bei geschlossenen Augen.

Der Angeklagte Olsberger (links) mit seinem Pflichtverteidiger Sascha Gruhl. Der Angeklagte zeigt in der Verhandlung nur wenig Regung und hält den Blick gesenkt bei geschlossenen Augen.

Foto: Kevin Kretzler / WP

Winterberg/Arnsberg.  Vor dem Landgericht Arnsberg muss sich ein Mann wegen Missbrauchs an seiner heute achtjährigen Tochter verantworten. Er bestreitet einen Aspekt.

Das T-Shirt ist strahlend weiß, der graue Kapuzenpulli um den Hals gewickelt. Ein unauffälliges Erscheinungsbild eines Mannes mittleren Alters - wären da nicht die Handschellen und die zwei Justizvollzugsbeamten, die ihn in den Gerichtssaal führen.

Die Miene des Mannes ist stoisch. Der Blick bleibt nach unten gerichtet, die Augen schließen sich, als er Platz genommen hat. Auch als Staatsanwältin Sabine Krippendorf die schweren Vorwürfe gegen ihn laut vorliest, bleibt der 50-Jährige ruhig. Wenn sie eine Regung in ihm hervorrufen, er unterdrückt sie, lässt sie nicht erkennen und bleibt die ganze Zeit über regungslos.

Missbrauch Zuhause und im Urlaub

Im Zeitraum von Juni 2016 bis Februar 2019 soll der Angeklagte mehrfach sexuelle Handlungen an seiner heute achtjährigen Tochter vorgenommen haben. Auch zum Beischlaf soll es in mindestens einem Fall gekommen sein. Die Taten sollen sich im Bett des Kindes und des Ehepaares sowie in einer Ferienwohnung während eines gemeinsamen Urlaubes zugetragen haben.

Dazu wirft die Staatsanwaltschaft dem Familienvater zweier Kinder vor, dass er die Taten digital festgehalten haben soll und demnach im Besitz von kinderpornografischem Material gewesen sei.

Durchsuchung durch das BKA

Aufgrund einer Verdachtsmeldung im Bezug auf pornografische Bilder kam es im Dezember 2018 zu einer Hausdurchsuchung in den vier Wänden des Angeklagten durch das BKA; dabei wurden die Beamten auch fündig. Neben einem Notebook, USB-Sticks und Festplatten konfiszierten sie auch das Handy des Angeklagten. Dieser gab laut Angaben der Staatsanwältin zu dem Zeitpunkt zu, im Besitz von kompromittierendem Bildmaterial zu sein. Jedoch habe er damals behauptet, keine sexuellen Handlungen vorgenommen zu haben.

Als die Spezialisten sich die Bilder näher ansahen, erhärtete sich ein Missbrauchsverdacht, weswegen der Angeklagte umgehend festgenommen wurde und seit Februar diesen Jahres in Untersuchungshaft in der JVA in Hamm untergebracht ist.

Zweites Kind wohl nicht missbraucht worden

Ob es weitere Missbrauchsfälle gab, die Bilder zum Verkauf standen oder anderweitig verbreitet wurden, steht derzeit laut Staatsanwaltschaft nicht fest: „Es ist schwierig zu sagen, weil die Auswertungen noch immer laufen. Wir wissen es nicht genau, aber wir befürchten es.“ Hinweise auf einen Missbrauch des Sohnes gäbe es allerdings nicht. Der Angeklagte wisse aber schon seit einigen Jahren von seiner pädophilen Neigung.

An diesem ersten Verhandlungstag beschränkte sich das Programm zunächst auf das Verlesen der Anklageschrift, da ein Sachverständiger der LWL-Klinik nicht anwesend sein konnte, um das Verhalten des Angeklagten auch unter diesen Umständen einordnen zu können.

Angeklagter streitet Beischlaf ab

In einem Rechtsgespräch zwischen der Strafkammer, der Staatsanwältin und Pflichtverteidiger Sascha Gruhl erklärte Letzterer, dass der Angeklagte bereit sei, Angaben zu den Vorwürfen zu machen und auch ein Teilgeständnis abzulegen. Der Aspekt des vollzogenen Beischlafs hingegen sei aber ein Streitpunkt, der anhand der Fotobeweise geklärt werden müsse. Auch das Strafmaß war ein Thema in diesem Gespräch. Wie der Vorsitzende Richter Daniel Langesberg aber erklärte, lagen die Vorstellungen von Staatsanwaltschaft und Verteidigung in diesem Punkt weit auseinander.

Die Kammer hofft, dass eine Einlassung des 50-Jährigen dazu beiträgt, der Tochter eine Befragung zu ersparen.

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