Beziehungstat

Opfer nimmt Täter nach Körperverletzung in Brilon in Schutz

Foto: David Ebener / dpa

Brilon.  Mit den Worten „Du kleine Bitch, ich bring dich um“ bedrohte ein Mann in Brilon seine 20-jährige Freundin. Sie verharmlost den Fall vor Gericht.

Die letzte Strafe von sieben Monate hatte der 31-Jährige gerade abgesessen, da kassierte ihn eine Polizeistreife auf offener Straße in Brilon wieder ein und brachte ihn zurück in die Justizvollzugsanstalt. Grund: ein neuer Haftbefehl wegen Fluchtgefahr. Den hatte sich der Mann eingehandelt, weil er im Juli -gerade einmal zwei Wochen nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis - seine Freundin (20) mit einem Taschenmesser bedroht und ihr ein Handy an den Kopf gehauen haben sollte. Das stellte sich in der Verhandlung vor dem Amtsgericht Brilon am Montag allerdings weniger dramatisch dar.

Tatwaffen: Taschenmesser und Handy

Hatte die in jener Nacht von einer Nachbarin wegen des lautstarken Streits zwischen den beiden alarmierte Polizei noch notiert, dass der 31-Jährige seine Freundin aus etwa 20 cm Entfernung mit den Worten „Du kleine Bitch (Nutte, Anm. d. Red.), ich bring’ dich um“ bedroht haben sollte, so sagte die 20-Jährige jetzt, dass der Mann mehr als eine Armlänge entfernt gewesen sei. Und aus dem Schlag mit dem Smartphone wurde ein Zufallstreffer nach einem Wurf aus - so die übereinstimmende Aussage - mehreren Metern Entfernung. Das Handy, so sagte der Angeklagte, habe er bei der Auseinandersetzung einfach „aus Wut“ auf sie gepfeffert.

Zahlreiche Vorstrafen

Überhaupt: Er sei zwar „echt kein leichter Fall“, meinte die junge Frau, aber: „Es steckt viel Gutes in ihm. Ich glaube an ihn.“ Das Vorstrafenregister lässt das nicht gerade vermuten. Selbst sein Verteidiger, Michael Babilon, sagte, dass sein Mandant einmal „ein ganz böser Bube“ gewesen sein, der „alles, was das Strafgesetzbuch hergibt“, auf dem Kerbholz habe.

Zwischen 2003 und 2011 hatte sich in der Tat einiges angesammelt: Körperverletzung der unterschiedlichsten Art, Diebstahl, räuberische Erpressung, Fahren ohne Fahrerlaubnis, verbotener Waffenbesitz, Rauschgift - unterm Strich brachte das dem Mann alles in allem über fünf Jahre hinter Gittern ein. Wegen gefährlichen Umgangs mit Schwarzpulver kamen im vergangenen Jahr noch drei Monate hinzu.

Opfer zeigte „kein gesteigertes Strafverfolgungsinteresse“

Und weil er Auflagen der Führungsaufsicht nicht nachkam, kassierte der 31-jährige fünf weitere Monate Haft. Die saß er bis Anfang Juli ab. Dann der erneute Ausraster. Weil der sich allerdings in der Verhandlung nach Angaben des Opfers als nicht so gravierend wie vermutet herausstellte und die junge Frau, so Richter Härtel, auch „kein gesteigertes Strafverfolgungsinteresse gezeigt“ habe, sahen sowohl Staatsanwältin Subat wie auch Richter Härtel in dem Handy-Wurf lediglich einen minderschweren Fall von gefährlicher Körperverletzung.

Hinzu kam die Bedrohung mit dem Messer. Mit dem Strafantrag der Staatsanwältin - insgesamt fünf Monate Freiheitsstrafe auf Bewährung - konnte sich auch Verteidiger Babilon anfreunden.

Bewährungszeit vier lange Jahre

Die verhängte Richter Härtel dann auch, wobei er betonte, dass eine derartige Körperverletzung in einer Paar-Beziehung anders zu bewerten sei, als wenn jemand in gleicher Weise „auf offener Straße“ in Erscheinung trete. Strafmildernd kam hinzu, dass die schweren Verfehlungen des Angeklagten, der sich bislang ohne Arbeit durchs Leben schlägt, schon etliche Jahre zurück liegen.

Allerdings knüpfte Richter Härtel die Strafe an eine happige Auflage: Die Bewährungszeit beträgt vier lange Jahre. Sollte sich der 31-Jährigen in dieser Zeit wieder etwas zu Schulden kommen lassen, geht es erneut in die JVA. Zudem muss der 31-Jährige 100 Sozialstunden leisten. Das Urteil ist rechtskräftig.

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