Sauerland-Herbst

Weltweite Brass-Elite kommt wieder ins Sauerland

Eines von vielen Highlights im Sauerland-Herbst: "The Coryband" live im Autohaus Witteler in Brilon.

Eines von vielen Highlights im Sauerland-Herbst: "The Coryband" live im Autohaus Witteler in Brilon.

Foto: Thomas Winterberg / WP

Hochsauerland.  Das Blechbläserfestival Sauerland-Herbst wird 20 Jahre. Die Elite der Brass-Szene gibt sich auch in diesem Jahr ein Stelldichein im HSK.

Alles, was in der Blechbläser-Szene Rang und Namen hat, war hier: Und einige, die hier waren, hatten später in der Szene Rang und Namen. Das Brass-Festival „Sauerland-Herbst“ feiert vom 3. Oktober bis 3. November sein 20-jähriges Bestehen.

Es war Schauplatz für die ganz Großen, Sprungbrett für die Talentierten und Arena für Musikmacher und Musikhörer. Bemerkenswert ist vor allem, dass das Festival trotzdem keine pure Aneinanderreihung von Konzerten war und ist, sondern stets auf Nachhaltigkeit setzte und setzt. Bei Workshops gab es den Gedankenaustausch nach Noten. Viele haben dabei ihr Können verbessert, sich den einen oder anderen Kniff abgeguckt oder einen ganz neuen Zugang zu ihrem Instrument gefunden.

Die Workshops

Sportler haben berichtet, wie die Sekunden vor dem Start in einer Bobbahn sind – gar nicht mal so anders als die lampenfiebrigen Sekunden des Musikers kurz vor seinem Auftritt. Musik und Physiotherapie sind in diesem Jahr ein Thema. Jeder, der ein Instrument spielt, weiß, wie schnell man sich eine falsche Haltung angewöhnt und Rückenprobleme bekommt. Die Workshops können noch gebucht werden. Es gibt derer vier: u. a. einen Brass- und einen Brassband-Workshop und einen für Jagdhornbläser. Sie laufen im Musikbildungszentrum Südwestfalen in Bad Fredeburg.

Die Atmosphäre

Bei den Anfängen des Festivals experimentierten die Veranstalter mit den „Ks“ von Konzert und Küche. An ungewöhnlichen Spielstätten gab es erstklassige Musik und dazu in der Pause ein ebenso exquisites Essen. Mittlerweile wurden die Gourmet-Parts mehr und mehr gestrichen. Einige wenige sind geblieben. Geändertes Publikumsverhalten. Dabei hatte es schon eine besondere Atmosphäre, z.B. seine Knödel mit Rotkohl im Busbahnhof der RLG in Medebach auf einem Teller zu balancieren oder Fingerfood zwischen den Aufzügen der Firma Siepe in Hallenberg zu mümmeln. Aber man passt sich an: auch bei den Spielterminen. Der Sonntagabend ist inzwischen ein No-Go: Da läuft der Tatort im Fernsehen.

In den 20 Jahren sind wirklich unvergessene Ensembles in die Region gekommen. Die Musikkomödianten von „Mnozil Brass“ sind so eine Gruppe, die dank des Sauerland-Herbstes richtig Auftrieb bekommen haben. Im Nu waren Konzerte bei Witteler in Brilon oder in der Hallenberger Schützenhalle ausverkauft. Mit „Pershing’s One“ kamen die Bläser des US-Präsidenten nach Madfeld zur Firma Voss; sie spielen sonst bei Staatsempfängen. Blechprofis trafen dort auf Blechprofis.

Persönliche Favoriten

Jeder Besucher hat seine Favoriten und seine Lieblinge. Meine ganz persönlichen Favoriten kommen aber u.a. aus Norwegen, aus Australien, England, aus Schweden und aus Wales. Die Konzerte mit dem Star-Trompeter Ole Edvard Antonsen bleiben im Ohr. Selten haben Zuschauer eine solch innige Beziehung zwischen Künstler und Flügelhorn oder Trompete erlebt wie bei dem Multi-Instrumentalisten James Morrison aus Down Under.

Die „Black Dyke Band“ aus England hat 22 Mal die nationalen Meisterschaften gewonnen und schon die Besucher der Carnegie Hall verzaubert. Ihr Konzert in Schmallenberg bleibt unvergessen. Nils Landgren war mit der NDR Big Band hier und mit der „Cory Band“ aus Wales kamen echte Weltmeister eigens für ein Konzert nach Brilon über den Teich. Der Olsberger Frederik Köster gehört in die Aufzählung ebenso wie die Hagener Philharmoniker als Residenzorchester des Festivals.

Manche Gruppen überzeugten durch unglaublich technisches Können, andere durch ihre Begeisterung und Liebe zur Musik. Die Paarung aus beidem bescherte eine Vielzahl an unvergesslichen Konzertabenden. Die Spitzenqualitäten einiger Ensembles und das technische Niveau musste sich das Ohr erst erarbeiten; manche haben ihm sofort geschmeichelt. All das gehört zur Auseinandersetzung mit dem Thema Musik. Und wie weltverbindend sie sein kann, zeigte zum Beispiel die Unterbiberger Hofmusik mit ihrem Crossover aus Welt- und Blasmusik.

Den Hut ziehen muss man aber auch vor den vielen, vielen Musikschülern, die mit hochrotem Kopf und voller Lampenfieber die Eröffnungsfanfaren spielen mussten und dafür immer mit sehr viel Wohlwollen und herzlichem Applaus belohnt wurden.

Die öffentliche Wahrnehmung

Der Sauerland-Herbst hat einen Hauch der großen weiten Welt ins Sauerland gebracht und den Namen Sauerland in die weite Welt getragen. Und entgegen manchem Festival, das in einer Großstadt eines von vielen ist, wurde diese Reihe sehr bewusst in der Öffentlichkeit wahrgenommen.

„Ein ganz großes Dankeschön verbunden mit einem ehrenden Andenken gebührt dem Gründungsvater des Sauerland-Herbstes, Georg Scheuerlein. Er verstand es, ,seinem‘ Festival das Wichtigste mitzugeben: Wurzeln und Flügel“, sagt der künstlerische Leiter Prof. Thomas Clamor. Und damit bringt er auf den Punkt, was der Sauerland-Herbst Jahr für Jahr geschafft hat.

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