Kunst-Werk

Arnsberg: Kreativszene am Rande des Ruhrgebiets

Arnsberg sollte seine Nähe zum Ruhrgebiet stärker nutzen, um junge Kreative anzuziehen, meint Fotograf Christoph Meinschäfer.

Arnsberg sollte seine Nähe zum Ruhrgebiet stärker nutzen, um junge Kreative anzuziehen, meint Fotograf Christoph Meinschäfer.

Foto: Ralf Rottmann

Neheim.   Fotograf Christoph Meinschäfer aus Neheim wirbt für Arnsberg als Standort einer neuen Industriekultur-Szene und betont die Nähe zum Ruhrpott.

Musik, Kunst, Tanz und mehr gibt es bei der siebten „Übernacht“ im Kunst-Werk. Mitorganisator Christoph Meinschäfer, der sein Fotostudio im ehemaligen Fabrikgebäude an der Möhnestraße hat, spricht im Interview über die Arnsberger Kulturszene, Großstadtcharakter am Rande des Ruhrgebiets und die Frage, wie der Standort zur festen Adresse für Kreative werden kann.

Warum ist die „Übernacht“ eine „Übernacht“ und kein „Übertag“?

Christoph Meinschäfer: Wir arbeiten sehr viel mit dem Thema Licht, dafür brauchen wir die Dunkelheit. Außerdem geht die Veranstaltung immer in eine Party über, das wäre tagsüber doof. (lacht) Mittlerweile ist die „Übernacht“ ein richtiger Treffpunkt geworden, viele Leute sehen sich nach langer Zeit dort wieder.

Was ist neu in diesem Jahr?

Neu am Konzept ist, dass die Ausstellung über die „Übernacht“ selbst hinausgeht. Und noch mehr Nachhaltigkeit wollen wir mit unserem neuen Verein schaffen, über den wir im Kunst-Werk Kreativworkshops anbieten, um junge Leute für kreative Berufe zu begeistern. Wir haben ja alles im Haus: Fotografie, Video, digitale Medien, Kunst, Musik.

Was ist das Ziel der „Bewohner“ des Kunst-Werks?

Wir wollen uns gemeinsam mit dem Kaiserhaus als Adresse etablieren und hier das Thema Industriekultur ansiedeln. Medienkunst in Verbindung mit Licht ist eine Szene – warum sollte man das nicht hier machen? Es muss nicht Berlin oder Köln sein. Aber wir müssen ein Netzwerk schaffen, sonst haben wir keine Chance. Deshalb wäre auch eine verstärkte Kooperation von Lichtforum, Digitalem Forum, Designforum, Leuchtenmuseum, Kunst-Werk und anderen wünschenswert. Ich glaube, so eine Kreativgeschichte tut der Stadt ganz gut. Was hier passiert, das hat schon Großstadtcharakter, würde ich sagen. Es geht uns um die Vielfalt und dass Leute sich verwirklichen können.

Wie groß ist die Magnetwirkung des Kunst-Werks schon?

Zumindest so groß, dass alle jungen Leute, die hier ein Praktikum machen, auch bleiben wollen. Sogar, wenn sie selbst aus Köln oder zum Beispiel Duisburg kommen, sehen sie die Möglichkeiten, die es hier gibt. Ich mag das Sauerland sehr, aber ich sehe uns vor allem auch als Randgebiet des Ruhrgebiets, das bietet viele Möglichkeiten. Aber den jungen Leuten, die zu uns kommen, müssen wir auch ein Nachtleben bieten können.

Wie sehen Sie die Rolle des Kunst-Werks in der örtlichen Kulturszene?

Alle Kreativen aus der Stadt sind eingeladen, mitzumachen und Ideen einzubringen. Es ist kein Gegeneinander, das hoffe ich zumindest. Wir sind Arnsberg. Diese Unterscheidung von Kultur in Alt-Arnsberg, Einkaufen in Neheim ist für Außenstehende überhaupt nicht ersichtlich.

Was sollte ersichtlich sein?

Wir sind die Leuchtenstadt. Das steht an der Autobahn auf einem Schild, aber sobald man abfährt, ist gar nicht mehr so viel davon sichtbar. Wenn es nach mir ginge, würde es mehr sein. Es könnte zum Beispiel eine Art Leitsystem geben, das zu Orten der Industriekultur im Stadtgebiet führt.

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