Über 3000 Kinder geholt

Hebamme aus Sundern: „Beruf, der viel fordert und gibt“

Cornelia Freiburg: Hebamme im Karolinenhospital Hüsten im Klinikum Hochsauerland.

Cornelia Freiburg: Hebamme im Karolinenhospital Hüsten im Klinikum Hochsauerland.

Foto: Martin Haselhorst

Hüsten.  Hebamme Cornelia Freiburg vom Karolinenhospital Hüsten über ihren Beruf, die Geburt im Stall zu Bethlehem und die Einzigartigkeit jedes Kindes.

Schon mehr als 3000 Kinder hat Cornelia Freiburg aus Sundern auf die Welt geholt. Die 58-Jährige ist Hebamme auf der Geburtsstation des Karolinenhospitals Hüsten im Klinikum Hochsauerland. Unsere Zeitung sprach mit ihr vor der Heiligen Nacht über die Faszination der Geburt und ihres Berufes.

Sie haben gerade bei der 1600. Geburt im Klinikum Hochsauerland in diesem Jahr geholfen und selber seit Beginn des Jahres mehr als 150 Kinder geholt. Bleibt da jede Geburt noch etwas Besonderes?

Cornelia Freiburg: Ja, es ist immer noch einzigartig. Da wird eine Familie geboren - das ist immer etwas Neues. Ich habe inzwischen über 3000 Kinder auf die Welt geholt. Als Hebamme funktioniert man da zwar auch schon automatisch, doch müssen wir uns immer wieder neu auf die Frau einstellen. Bei jeder Frau ist es anders, jede Frau möchte etwas anderes.

Warum sind Hebammen für die Frauen so wichtig?

Alle Frauen brauchen bei der Geburt einen Coach. Sie sind in einer existenziellen Lage und brauchen Hilfe. Auch eine Hebamme braucht eine Hebamme, wenn sie selbst ein Kind auf die Welt bringt. Der Körper ist der Geburt hilflos ausgeliefert. Die Hebamme bringt die Frau in diesen Stunden durch die stürmische See und unterstützt sie dabei, ihren Weg gehen zu können. Die Frauen brauchen Hilfe - und da ist übrigens auch der Mann ganz wichtig.

Hebamme ist ihr Traumberuf. Wie kam es dazu?

Als ich Abi gemacht habe, wusste ich noch nicht genau, was ich machen sollte. Dann habe ich einen amerikanischen Film über eine Hebamme gesehen, über die Geburtsvorbereitung und das empathische Begleiten der Geburt. Das war der Auslöser. Mir war klar: Das ist es.

Die Geburt Jesu Christi ist der Mittelpunkt der Weihnachtsgeschichte. Ist eine Geburt eines Kindes unter solchen Umständen heute noch denkbar?

Wenn alles gut läuft, kann eine Frau auch alleine im Wald ein Kind bekommen. Aber nur, wenn es gut läuft, ansonsten ist immer die Gefahr da, dass Mutter oder Kind oder gar beide auch sterben können. Oft sage ich nach einer erfolgreichen Geburt zu den Eltern, dass wir jetzt eine Gedenkminute für Millionen von Frauen halten sollten, die auch heute noch unter Umständen wie in Bethlehems Stall Kinder zur Welt bringen müssen.

Wie hat sich der Beruf der Hebamme verändert?

Hebamme ist der wohl älteste Beruf der Welt. Es gab immer und in allen Kulturen Frauen, die den gebärenden Frauen bei der Geburt beistanden. Die Hebamme ist emotionaler Beistand, aber auch medizinische Fachfrau. Wir Hebammen dürfen ja auch alleine Kinder auf die Welt holen, ein Arzt darf das nur im Notfall. Ich schätze aber die Sicherheit hier im Klinikum und das große medizinische Backup für den Notfall. Getragen ist meine Arbeit aber von dem Glauben, dass jede Frau gebären kann. Wir haben hier auch nur eine Quote von rund 20 Prozent Kaiserschnitten.

Nicht immer geht eine Geburt glücklich aus. Wie geht eine Hebamme damit um?

Natürlich gibt es auch traurige Situationen im Berufsleben zum Beispiel bei Still- oder Fehlgeburten. So etwas geht nie spurlos an einem vorbei. Dann ist es aber umso wichtiger, dennoch für die Mütter dagewesen zu sein. Eine Supervision haben wir nicht.

Ist der Beruf der Hebamme belastend?

Ja. Die Arbeit ist anstrengend - körperlich und emotional. Schicht- und Wochenenddienst gehören dazu, und doch ist dieser Beruf auch mit der Familie vereinbar. Wir arbeiten hier im Klinikum auf Augenhöhe mit den Ärzten. Ich habe noch nie so viel, aber auch noch nie so gerne gearbeitet.

Was war das Rekordbaby, das sie auf die Welt geholt haben?

Der schwerste Brocken als mein XXL-Kind wog 5300 Gramm, war 60 Zentimeter groß und hatte 40 Zentimeter Kopfumfang. Das Kind wurde normal geboren. Damals arbeitete ich noch in Olpe.

Was bewegt Sie in ihrem Beruf?

Ich bin manchmal ganz ergriffen, wenn sich Eltern nach einer Geburt so unglaublich und außergewöhnlich freuen. Das lässt mich dann nicht kalt. Es passieren auch immer wieder kuriose Dinge: Manchmal haben Eltern noch keinen Namen für ihr Kind. Da habe ich auch schon einmal schnell einen Namen ausgesucht und das Kind hieß dann auch so. Hebamme ist und bleibt mein Traumberuf. Ich würde es immer noch genau so machen wollen. Es ist ein schöner Beruf, der viel fordert und ganz viel gibt.

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