FAMILIE

Balves Hebamme: „Väter werden mehr einbezogen“

Beate Krause arbeitet seit 25 Jahren in Balve als Hebamme.

Beate Krause arbeitet seit 25 Jahren in Balve als Hebamme.

Foto: Solveig Flörke / WP

Balve.  Beate Krause hat in Balve Familienanschluss. Kein Wunder, die 56-Jährige ist Hebamme. Im Hönnetal ist sie seit 25 Jahren. Ein Gespräch.

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Seit 25 Jahren arbeitet Beate Krause als Hebamme in Balve. Für eine Fahrt zwischen Wohnung und Einsatzort braucht die Breckerfelderin eine Stunde. Das stört die 56-Jährige nicht. Dafür hat sie gute Gründe.

Gibt es noch echte Balver?

Beate Krause Selten. Wann hat wir die letzen Hausgeburten? Letztes Jahr? Ja, letztes Jahr. Da hatten wir zwei Hausgeburten.

Wie arbeiten Sie?

Hauptsächlich freiberuflich, vor der Geburt und nach der Geburt. Ich habe aber noch einen Mini-Job in der Klinik in Lüdenscheid, vier Dienste.

Erstgebärende sind heutzutage im Durchschnitt älter als früher. Ändern sich damit die Fragen der Frauen?

Ja, das ist tatsächlich so. Je älter eine schwangere Frau ist, desto intensiver erlebt sie die Schwangerschaft. Dadurch kommen Fragen auf, die eine 20-Jährige nicht hat. Junge Frauen denken meist: Wird schon alles gut gehen.

Welche Themen interessieren ganz junge Mütter?

Junge Frauen stellen sich oft die Frage: Wie kriege ich meinen Freiraum für mich wieder zurück? Das interessiert ältere Mütter meist nicht so. Die sagen sich: Ich hatte meinen Freiraum schon.

Bei jungen Frauen geht es auch schon mal um soziale Beratung.

Wenn sie unter 18 sind, mache ich das zusammen mit dem Jugendamt. Je nach Hintergrund ist das Jugendamt auch dabei, wenn die jungen Mütter über 18 sind. In einer normalen familiären Situation kann man hoffen, dass die Großeltern auch mal einspringen.

Geburtshilfe leisten Sie in Lüdenscheid. Sind auch Balverinnen dort?

Selten. Früher – das kann ich heute aus familiären Gründen nicht mehr – habe ich Balverinnen auf dem Weg in die Klinik begleitet. Dann sind Balverinnen auch nach Lüdenscheid gekommen. Den meisten Balverinnen ist es zu weit – zumal Hüsten eine sehr gute Klinik ist. Warum sollte man weiter fahren als nötig?

Wenn ein Kind zur Welt kommt, werden Partnerschaft oder Ehe oft aufgemischt. Landen diese Probleme bei Ihnen?

Ja, auf jeden Fall. Manchmal sage ich: Ihr müsst Euch zusammensetzen, vielleicht mit Partnerberatung. Manchmal reicht aber das Darübersprechen aus. Dann hat sich der Konflikt erledigt, wenn man einfach mal sein Herz ausschütten dürfte: Dazu sind Hebammen ja auch da.

Gibt es auch Väter, die Ihre Dienste in Anspruch nehmen?

Zeitweilig ist das so. Diese Gespräche sind wichtig, um ihnen zu vermitteln, was geht gerade im Kopf der Frau vor; sie sind ja in einer Ausnahme-Situation. Dann ich sage: Das Verhalten ist okay, das normalisiert sich auch wieder.

Gibt es heutzutage mehr Väter, die nachts die Flasche warm machen?

Ja, aber eigentlich sind wir mehr fürs Stillen. Aber ja, Väter werden mehr einbezogen als früher. Das ist auch richtig so. Viele Dinge kann der Papa genauso leisten wie die Mama.

Wie sind sie als Breckerfelderin nach Balve gekommen?

Über Gynäkologin Frau Dr. Krie-
geskotte. Sie hat mir zusammen in der Lüdenscheid in der Klinik zusammengearbeitet. Sie hat sich in Balve niedergelassen und eine Hebamme gesucht, die Kurse veranstaltet, einen Tag die Woche.

Einen Tag die Woche...

Das war am Anfang so. Dann kam die Frage nach der Nachsorge. Heute sind es sieben Tage die Woche.

Haben Sie schon mit mehreren Generationen von Balverinnen gearbeitet?

Ja, inzwischen ist es die zweite. Die erste Generation, die ich betreut habe, ist jetzt selbst im Eltern-Alter. Das ist das Schöne. Ich komme gern hierhin, weil die Balver einfach ein ganzes nettes Völkchen sind.

INFO

Beate Krause wollte schon als Kind Hebamme werden. Ihre Lehrer(innen) wunderten sich darüber. Dabei folgte die Breckerfelderin nur dem Vorbild ihrer Mutter. Bereut hat sie ihre Berufswahl nicht: „Ich würde es wieder tun.“

Die Verärgerung ihrer Berufskolleginnen versteht sie. Der Büro-Anteil ihrer Arbeit wächst. Nur ein Beispiel: Qualitätsmanagement bedeutet für Beate Krause, Dokumente in einem feuersicheren Schrank aufzubewahren.

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