Wilde Müllkippen

Abfallkontrolleure spüren immer mehr Umweltsünder auf

Dieser elf Tonnen schwere Müllhaufen wurde am 20. August 2019 auf der A448 entdeckt.

Dieser elf Tonnen schwere Müllhaufen wurde am 20. August 2019 auf der A448 entdeckt.

Foto: Straßen-NRW

Bochum.  Seit Jahresbeginn spüren vier Abfallkontrolleure wilde Müllkippen auf. Die Fallzahl ist enorm gestiegen. Viele Verursacher mussten zahlen.

Alte Dachpappen, Batterien, Altöl, Bauschutt, Tapetenreste, Möbelschrott – solchen Müll und vielen anderen finden die vier Abfallkontrolleure des USB täglich in Grünstreifen, an Waldrändern, in uneinsehbaren Hausecken, an Straßenrändern, zuletzt sogar auf dem Standstreifen der A 448. Aber die Umweltsünder müssen aufpassen, denn sie werden immer öfter erwischt und zur Kasse gebeten.

Im ganzen vergangenen Jahr wurde 3400 wilde Müllkippen in Bochum entdeckt. Seitdem aber mit Beginn des Jahres 2019 die vier Abfallkontrolleure überall in der Stadt unterwegs sind, ist die Anzahl sprunghaft angestiegen. Allein im ersten Halbjahr 2019 wurden 2825 Stellen aufgespürt, an denen Umweltfrevler, meist im Schutze der Dunkelheit, ihren Dreck abgekippt hatten.

„Wir müssen nicht warten, bis Greta hier herkommt“

Die Kosten zur Entsorgung zahlt die Allgemeinheit über die Müllgebühren: rund zwei Millionen Euro kostet es den USB jährlich, wilde Müllkippen zu finden und zu beseitigen. Unterwegs sind die Abfallkontrolleure Tag und Nacht. „Wir sind auch zu unattraktiven Zeiten da“, sagt USB-Geschäftsführer Christian Kley. Die Mitarbeiter legen sich an Stellen, an denen immer wieder illegal entsorgt wird, auf die Lauer. Auch mit Nachtsichtbrillen. Die Bürger seien eine unsaubere Stadt satt, so Kley. „Wir müssen nicht warten, bis Greta hier herkommt.“

Verursacher reagieren „dreist und frech bis peinlich berührt“

Spätestens drei Tage nach Entdeckung einer wilden Müllkippe wird sie beseitigt, so der USB. Zusammen mit der Stadt versucht er auch, die Verursacher aufzuspüren. Bei 488 der in diesem Jahr bereit entdeckten 2825 Müllkippen haben die Abfallkontrolleure Hinweise auf sie gefunden: zum Beispiel über Rechnungen, Lieferscheine, Adressen, alte Reisepässe, Kfz-Scheine, Kontoauszüge, die zwischen dem Müll lagen (382 Fälle). Außerdem wurden die Verdächtigen am Ort des Müllabladens observiert (94 Fälle). Oder sie sind bei Kontrollen von Sperrmüllterminen aufgefallen (zwölf Fälle). Werden die Verursacher direkt vor Ort erwischt, reagieren sie meist „dreist und frech bis peinlich berührt“, wie Oberbürgermeister Thomas Eiskirch sagt.

Weil aber nicht alle Verdachtsfälle so beweissicher waren, dass sie einem gerichtlichen Verfahren standhalten könnten, wurden von den 488 Fällen in diesem Jahr nur 293 zur Anzeige gebracht – aber 150 mehr als im ganzen Vorjahr. Von den 293 Anzeigen sind bereits 185 rechtskräftig abgeschlossen. Die Täter mussten ein Bußgeld bezahlen. Das kann bis 5000 Euro gehen. „Bleib sauber, sonst wird’s teuer“, steht auf einem Handzettel der Stadt, auf dem Preise für die jeweiligen Vergehen stehen.

„Die Abfallkontrolleure tun alles dafür, sich überflüssig zu machen, sind aber noch weit davon entfernt“

„An Containerstandorten abgelagerter Müll – bis zu 510 Euro“, heißt es dort zum Beispiel. Containerplätze sind ein Problem. Immer wieder beobachtet der USB, dass gewerbliche Betriebe massenhaft Verpackungen in die Schlitze stecken und sie damit verstopfen. Folglich stellen andere Bürger ihren Müll neben die Container und verschmutzen den Platz.

Kleinbetriebe werden auch in vielen Fällen als Verursacher ermittelt, die offenbar nach Feierabend ihren Müll in die Botanik schleudern. 2000 leere kleine Plastikpflanztopfe wurden an nur einer Stelle gefunden.

Die Abfallkontrollen und Sanktionen sollen potenzielle und regelmäßige Müll-Sünder auch abschrecken. Eiskirch: „Die Abfallkontrolleure tun alles dafür, sich überflüssig zu machen, sind aber noch weit davon entfernt.“

Der Abschreckungseffekt ist hier und da schon eingetreten. Zum Beispiel an den Depotcontainerplätzen an der Gahlenschen Straße oder der Industriestraße: häufig genutzte Orte für illegale Ablagerungen. Nach zahlreichen Observierungen sind die Fallzahlen dort deutlich zurückgegangen.

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