Stolpersteine

Am Kortländer war ihnen kein friedliches Leben vergönnt

Drei neue Stolpersteine liegen jetzt am Kortländer: Für (v.l.) Jonas, Jack und Robert Weil sowie für Daniel Grundwerk ist dies ein emotionaler Tag.

Drei neue Stolpersteine liegen jetzt am Kortländer: Für (v.l.) Jonas, Jack und Robert Weil sowie für Daniel Grundwerk ist dies ein emotionaler Tag.

Foto: Svenja Hanusch / FUNKE Foto Services

Bochum-Innenstadt.  Vor 81 Jahren wurde die jüdische Familie Flaumenhaft im Zuge der „Polenaktion“ zwangsdeportiert. Jetzt erinnern Stolpersteine an ihr Schicksal.

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Sie hießen Chaim Salomon und Chana Anna Flaumenhaft, betrieben ein kleines Textilgeschäft und wohnten mit ihren beiden Töchtern am Kortländer. Um 1900 herum war das Viertel als „Klein-Warschau“ bekannt, weil es hier polnische Banken, Schulen und sogar eine polnische Zeitung gab. Die Flaumenhafts lebten hier ab 1916, sie waren polnische Juden, und genau dieser Umstand wurde ihnen vor fast genau 81 Jahren zum Verhängnis.

Ende Oktober 1938 wurden die Eltern sowie eine Tochter im Zuge der sogenannten „Polenaktion“ von den Nazis gemeinsam mit 17.000 anderen Juden nach Polen deportiert, wo sie schließlich starben. Die zweite, damals schwangere Tochter konnte fliehen. Erst nach Dänemark, später nach Schweden, wo sie in einem Kibbuz lebte und zwei Söhne bekam: Jack (heute 80) und Robert Weil (70). „Sie ist extra weit in den Norden Schwedens gezogen, um möglichst weit weg zu sein von dem, was hier passierte“, erzählt Robert Weil.

Stolpersteine werden seit 15 Jahren verlegt

Jetzt erinnern drei Stolpersteine an das Schicksal der Familie Flaumenhaft, der in Bochum kein friedliches Leben vergönnt war. Am Montagmittag wurden die kleinen Gedenktafeln, die seit 15 Jahren auf Initiative des Kölner Künstlers Gunter Demnig in Bochum verlegt werden, direkt vor ihrem ehemaligen Wohnhaus Am Kortländer 8 in den Bürgersteig eingelassen. Für Jack ist das ein besonderer Moment: „Ich freue mich darüber, dass unsere Großeltern auf diese Weise in Ehren gehalten werden“, sagt der Innenarchitekt, der in Schweden und Israel lebt und mit seinem Sohn Jonas, seinem Neffen Daniel und dem Bruder extra zur Verlegung der Stolpersteine nach Bochum gereist ist. „Man darf es nicht vergessen.“

Der Kontakt kam über das Kunstmuseum zustande, denn beide Brüder sind begeisterte Kunstsammler. „So habe ich sie bei einer Reise in Israel kennengelernt“, erzählt Museumschef Hans Günter Golinski. Über das Stadtarchiv konnte schließlich die ehemalige Adresse der Flaumenhafts ermittelt werden.

Gunter Demnig hat bisher 247 Stolpersteine an 130 Orten in Bochum verlegt. Gestern kamen noch einige hinzu: an der Grabenstraße (Pauluskirche), Hattinger Straße 63, Stolzestraße 1, Laerstraße 66, Hochstraße 24 und Wibbeltstraße 18. Die Verlegung am Mühlental 11 musste verschoben werden.

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