Goethe-Schule

Bochum: Nach 39 Jahren Abschied von der Goethe-Schule

Berthold Jäger arbeitete fast 39 Jahre als Lehrer und stellvertretender Rektor an der Goetheschule in Bochum. In einer Woche verabschiedet er sich.

Berthold Jäger arbeitete fast 39 Jahre als Lehrer und stellvertretender Rektor an der Goetheschule in Bochum. In einer Woche verabschiedet er sich.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum-Innenstadt.  Der stellvertretende Schulleiter Berthold Jäger geht in den Ruhestand. Er machte das Einrad an dem Gymnasiumin Bochum zum sportlichen Renner.

Mittlerweile ist sein Schreibtisch recht übersichtlich. „Ich habe das meiste bereits abgearbeitet“, sagt Berthold Jäger. Der stellvertretende Schulleiter der Goethe-Schule geht am nächsten Freitag (31.) nach fast 39 Jahren an diesem Bochumer Gymnasium in den Ruhestand. Im März wird er 66 Jahre alt. Vorerst bleibt seine Stelle vakant.

Denn bislang wurde kein Nachfolger gefunden. Nicht, dass es an Bewerbern mangelte: Die Position ist seit den letzten Herbstferien ausgeschrieben, doch gab es in Arnsberg Verzögerungen bei der Sichtung der Unterlagen potenzieller Konrektoren, darunter einige aus anderen Bundesländern, aber auch aus dem eigenen Hause.

Streitschlichter bei Mobbing-Fällen

So hat Jäger seine Aufgaben an eine Reihe von Kollegen verteilt. „Es sind überwiegend Verwaltungstätigkeiten, Stundenpläne, Abrechnungen, Fortbildungen“, sagt Jäger. Er berät Lehrer und unterrichtet auch, in den Fächern Englisch und Sozialwissenschaften.

Überdies ist er seit Jahren als Mediator für Schüler tätig. Vor 15 Jahren hat er die Streitschlichtung, etwa bei Mobbingfällen, an der Goethe-Schule ins Leben gerufen. Dabei werden auch Schüler selbst zu Vermittlern ausgebildet. „Wenn’s klappt, funktioniert es besser, als wenn ein Lehrer eingreift. Die Jugendlichen sind noch näher dran.“

„Lehrern geht es doch gut“

Klar gibt es für ihn nach 41 Jahren im Schuldienst – inklusive Referendarzeit – Situationen, die ihn nerven. Doch überwiegt bis heute der Spaß an der Arbeit, betont der künftige Pensionär. „Die Zusammenarbeit mit den Kollegen schätze ich sehr, ebenso die Unterstützung der Schüler. Menschen sind mir wichtig.“ Lehrern, so findet er, geht es gut, sie werden gut bezahlt, und sollten ihren Beruf achten.

Sein Referendariat absolvierte der gebürtige Essener in Münster. Dann bewarb er sich als Lehrer für die Sekundarstufe II. Am 7. September 1981 kam er an die Goethe-Schule „in ein System, das mich gar nicht vorsah“. Denn dass ein Lehrer ausschließlich ältere Schüler unterrichten sollte, war in Bochum nicht mehr Standard. So wandte sich Jäger eben auch den Jüngeren zu.

Vier Schulleiter erlebt

2006 übernahm Jäger die Stelle des stellvertretenden Schulleiter kommissarisch, ein Jahr später folgte er Titel. Im Laufe seiner Tätigkeit an der Goethe-Schule erlebte er vier Rektoren.

Aus ganz anderen als pädagogischen Gründen aber wird sein Name auf Dauer an der Goethe-Schule zudem in aller Munde bleiben: Berthold Jäger hat das Einrad dort eingeführt. „Vor 25 Jahren schenkten mir meine Geschwister ein Einrad. Ich war sofort angetan. Doch leicht war es nicht, als 40-Jähriger einzusteigen.“ Geübt wurde auf einem Schulhof an seinem Wohnort in Langendreer.

Einradfahren im Rittersaal geübt

Nach den Ferien gründete er mit einer Schülerin, die zufällig selbst privat Einrad fuhr, eine AG. Als ein Ausflug mit 120 Gymnasiasten in eine Jugendherberge anstand und verschiedene sportliche Angebote zur Auswahl standen, brachte Jäger das Einradfahren mit ein. „Ich hatte im Vorfeld zehn Räder geliehen. Damit wurde im Rittersaal trainiert.“

Viel Zeit verstrich nicht, bis der neue Einrad-Fan einen Verein gründete, „The Flying Circus“. Die kleinen Kinder von Grundschulen treten ein, um den Sport auszuüben, Ältere gehen in die AG. Auch der Zirkus Ratz-Fatz an der Goethe-Schule ist heute ohne Einräder gar nicht mehr vorstellbar. Geübt wird in den Turnhallen der Goethe-Schule, am Ostring. In der Graf-Engelbert-Schule wird Einrad-Hockey betrieben.

Ärger um den Mensa-Bau

Zu den Projekten, die einen scheidenden Konrektor noch auf die Palme bringen können, gehört das Gezerre um die seit 2012 geplante Schulmensa. Damals sollte an der Goethe-Schule zeitgleich mit der Schiller-Schule ein Mensa-Bau verwirklicht werden. Und während an der Königsallee bereits seit Jahren die Küche die Schüler versorgt, dreht sich am Goethe-Platz seither alles im Kreis. „Die Stadt ist nicht in der Lage, bei uns eine Mensa zu bauen“, ärgert sich Berthold Jäger. Ende des Jahres soll die Brandschutzsanierung beginnen, die sehr umfänglich wird.

Es gab erste Konzepte, wechselnde Standorte, bis feststand: Der Bau würde den Kostenrahmen übersteigen. Also wurden die Pläne zurückgestellt. „Die mögliche Mensa wanderte dann, vom neuen Schulhof hin zum alten. Aktueller Stand ist, sie in der Pausenhalle zu bauen – das war eine der ersten Entwürfe vor acht Jahren, die dann verworfen wurde.“ Ihn selbst muss das ab Freitag nicht mehr tangieren: Gegessen wird ab sofort zu Hause.

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