Bogestra Netz 2020

Bochum: Schulleiter spricht von skandalöser Bogestra-Planung

Tim Wolfgram links, und Ben Wenschuch stehen an der Bushaltestelle Scharpenseelstraße in Oberdahlhausen. Für die beiden Schüler der Erich-Kästner-Gesamtschule dauert der Schulweg künftig länger.

Tim Wolfgram links, und Ben Wenschuch stehen an der Bushaltestelle Scharpenseelstraße in Oberdahlhausen. Für die beiden Schüler der Erich-Kästner-Gesamtschule dauert der Schulweg künftig länger.

Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum.  Die Leser- und User-Reaktionen zum neuen Netz 2020 der Bogestra reißen nicht ab. Diesmal geht es erneut um die Anbindung von Bochumer Schulen.

Mit großer Überraschung und reichlich Unverständnis reagieren weitere Schulen in Bochum, betroffene Eltern und Schüler auf die Änderungen mit der Einführung des neuen Bogestra-Fahrplans 2020. Der Leiter der Erich-Kästner-Gesamtschule, die mit rund 1400 Schülerinnen und Schülern zu den größten Bochumer Schulen gehört, macht seinem Ärger Luft. „Niemand von der Bogestra hat im Vorfeld der Änderungen mit uns gesprochen. Was da passiert, ist doch skandalös. Hier wird Schulpolitik mit Hilfe der Bogestra gemacht“, sagt Ludger Jonischeit wütend.

Die eigentlich sehr zentral an der Strecke der Stadtbahnlinie U 35 liegende Gesamtschule in Querenburg wurde bislang immer mehrfach von Einsatzbussen bedient. Jonischeit sammelt bereits Dutzende Elternbeschwerden. „Es kann doch nicht sein, dass Schülerinnen und Schüler auf einmal einen Schulweg von mehr als einer Stunde haben. Und das bislang eben nicht so ist.“ Vor allem die Verbindung aus Langendreer und Dahlhausen/Oberdahlhausen habe sich massiv verschlechtert. Aus dem Bereich Dahlhausen kommen bis zu 100 Schüler und Schülerinnen.

Beispiel aus Oberdahlhausen

Unter den betroffenen Schülern der Erich-Kästner-Gesamtschule sind auch der 13-jährige Ben Wenschuch (8. Klasse) und der 16-jährige Tim Wolfgram (10. Klasse) aus Oberdahlhausen. Bisher konnten die beiden Jugendlichen, wenn sie zur ersten Stunde Schule haben, um 7 Uhr das Haus verlassen, um 7.09 Uhr den 346er Bus nehmen, der sie nonstop zur Erich-Kästner-Schule brachte. Pünktlich haben die Jungen um 7.50 Uhr zum Unterrichtsbeginn an der Schule. „Genau aus diesem Grund, wegen der guten Erreichbarkeit. haben wir uns damals die Schule ausgesucht“, so Bens Mutter Annette Wenschuch. Die Schule hatte damals versprochen, dass kein Schüler vor 7 Uhr das Haus verlassen muss.

Jetzt sieht es etwas anders aus. Zwar haben die Jugendlichen nun drei Varianten zur Auswahl, nur ein einziger Bus, ein Einsatzwagen, fährt die Strecke durch, der startet aber um 6.50 Uhr von der Haltestelle Scharpenseelstraße. Sonst bleiben zwei andere Routen, jeweils mit Umsteigesituationen. „Unter dem Strich dauert der Schulweg hin und zurück jeweils 20 Minuten länger“, so Annette Wenschuch.

Richtung Osten hat sich die Anschlusslage verschlechtert

Ortswechsel. Der Blick geht auf die Nelson-Mandela-Schule in Langendreer an der Stiftstraße. Aus dem Lehrerkollegium kümmert sich Michael Pott, didaktischer Leiter der Sekundarschule mit ihren rund 550 Schülerinnen und Schülern um das Thema Netz 2020. „Wir haben unsere Eltern in der letzten Woche informiert.“ Die Kinder dieser Schule kommen meist aus fünf Grundschulen mit sieben Standorten. „Vor allem aus Richtung Osten hat sich die Anschlusslage deutlich verschlechtert, etwa aus dem Bereich Wilhelmshöhe.“ Das Gesamtbild sei aber nicht einheitlich, räumt Pott ein. Die Anreise von drei der sieben Standorte habe sich verschlechtert, so sein Fazit. Früher sei der Bus der Linie 355 zu den Stoßzeiten oft so voll gewesen, dass die Schüler dicht gedrängt stehen mussten. Ausgerechnet dieser Bus fahre nun nicht mehr.

Lob für verkürzten Straßenbahntakt

Gleichzeitig habe sich aus Langendreer der Straßenbahntakt auf 7,5 Minuten verbessert, was die Nelson-Mandela-Schule und etliche andere ÖPNV-Nutzer begrüßen. Anwohner Adolf Mühlhof, der in der Sonnenleite wohnt, kritisiert aber die kurze Umsteigezeit an der Haltestelle Langendreer Markt, die laut neuem Fahrplan nur zwei Minuten betrage. „In dieser Zeit müssen die Fahrgäste zwei Fußgängerampeln passieren. Es ist nicht anzunehmen, dass die Ampeln für die Fahrgäste auf ‘Grüne Welle’ geschaltet werden.“ Und Mühlhof ergänzt: „Hat man an Kinderwagen, Rollstühle und Rollatoren gedacht?“

Menschen mit Frühdienst benachteiligt

In dem Zusammenhang bemängeln gleich mehrere Leserinnen und Leser, dass Busse und Bahnen erst später abfahren. Menschen, die aufgrund ihrer Arbeitssituation im Frühdienst sehr früh auf den Beinen sind, haben demnach das Nachsehen. Carsten Gailing etwa beschreibt seine Situation so: Er muss beim Frühdienst spätestens um 05.40 Uhr an der Haltestelle Bochum Bergmannsheil (auch an den Wochenenden) angekommen sein. Sein Startpunkt sei die Haltestelle Hiltrop Kirche. Bislang habe alles gut funktioniert. daher habe Gailing sich auch ein Ticket 2000 zugelegte.

Er schreibt: „Die Fahrplanänderung für Pendler, die früh losfahren müssen, haben sich massiv verschlechtert. Erste Abfahrtzeiten der Busse in Hiltrop sind später! Der Takt der Straßenbahn ist um diese Uhrzeit nicht verkürzt (auf 7 bis 8 min), sondern von 10 min auf 15 min verlängert worden. Die frühestmögliche Ankunftszeit in der Woche ist nun 20 min später, um 05.47 Uhr. Am Wochenende (Samstag) um 05.57 Uhr. Und Sonntags wurde mir vom ‘Bogestra- Resonanzmanagement’ der Nachtexpress vorgeschlagen. Dieser fährt um 04.37 Uhr los. Ankunft mit Umstieg in die Bahn ist um 06.12 Uhr. Wie gesagt, späteste Ankunft ist für mich um 05.40 Uhr. Das hat bis heute immer funktioniert.“

Wir danken allen Leserinnen und Lesern für die zahlreichen Reaktionen und setzen unsere Berichterstattung über die Netzumstellung in den nächsten Tagen fort. Anmerkungen, ganz gleich ob Lob oder Kritik am neuen Netz 2020, sind weiterhin unter unserer Mailadresse, redaktion.bochum@waz.de, möglich.

Hier finden Sie Berichte zum Fahrplanwechsel in einzelnen Städten an Rhein und Ruhr:

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