Krebs

Bochum: Selbsthilfegruppe für Krebskranke bittet um Hilfe

Sorgenvoll blicken die Vorsitzende Maria Jann-Paul (re.) und Sozialarbeiterin Monika Drobeck drein. Die Bochumer Selbsthilfegruppe für Krebsbetroffene ist aktuell selbst auf Hilfe angewiesen.

Sorgenvoll blicken die Vorsitzende Maria Jann-Paul (re.) und Sozialarbeiterin Monika Drobeck drein. Die Bochumer Selbsthilfegruppe für Krebsbetroffene ist aktuell selbst auf Hilfe angewiesen.

Foto: Olaf Ziegler / FUNKE Foto Services

Bochum.  Die Bochumer Beratungsstelle für Krebspatienten ist jetzt selbst auf Hilfe angewiesen. Spenden sollen eine finanzielle Durststrecke überbrücken.

Im November wurde Bettina Fritzsche beigesetzt: bei einer Waldbestattung in Herten. Die 30-jährige Mutter aus Laer hatte den Kampf gegen den Hautkrebs verloren. Halt gab ihr bis zuletzt die Selbsthilfegruppe für Krebsbetroffene. Die ist nun selbst auf Hilfe angewiesen. „Wir brauchen dringend Spenden“, sagt die langjährige Vorsitzende Maria Jann-Paul.

Einzel- und Gruppengespräche, Unterstützung im Alltag und bei Behörden, psychosoziale und psychoonkologische Begleitung, Kreativ- und Sportangebote (u.a. Schwimmen im Bergmannsheil): Seit 40 Jahren ist die Selbsthilfegruppe für Bochumer da, die nach einer Krebsdiagnose in ein tiefes Loch fallen. „Von jetzt auf gleich wird alles anders, familiär, beruflich. 1000 Fragen, 1000 Probleme stellen sich – und das in einer Zeit, in der man sich selbst oft hilf- und hoffnungslos fühlt und nicht selten in eine Depression fällt“, weiß Maria Jann-Paul.

Bochumer Berater: „Die Menschen sind dankbar“

Die Selbsthilfegruppe und deren Beratungsstelle am Westring mit einer Sozialarbeiterin, einer Psychologin, einer Reha-Pädagogin sowie mehreren Ehrenamtlern setzen ein Licht am dunkel erscheinenden Horizont. Mehr als 550 Sozialberatungen und 2000 Gesprächskontakte allein in diesem Jahr dokumentieren, wie groß der Bedarf an Unterstützung und Zuwendung ist. Nicht nur bei den Erkrankten, deren Zahl stetig steigt, sondern vielfach auch bei deren Angehörigen. „Die Menschen“, sagt Maria Jann-Paul, „sind dankbar, dass es uns gibt.“

Das war auch Bettina Fritzsche. Im August berichtete die WAZ über die tapfere Bochumerin. Unter dem Dach der Selbsthilfegruppe hatte sie kurz zuvor eine eigene Gruppe für Hautkrebs-Patienten ins Leben gerufen: noch voller Zuversicht, ihre eigene, weit fortgeschrittene Erkrankung möglicherweise doch noch zu besiegen. Sich gegenseitig stärken, informieren, beistehen: Das sollte die Gruppe mit dem Namen „Sichtbar“ leisten. Nur drei Monate später starb Bettina Fritzsche. Sie hinterlässt eine zweijährige Tochter.

Stadt zahlt jährlich 75.000 Euro

Maria Jann-Paul kommen Tränen, wenn sie an das Schicksal der jungen Mutter denkt. Doch Sterben: Auch das ist bitterer Alltag der Berater, die nun ihrerseits auf die Solidarität der Bochumer angewiesen sind. „Wir stehen im Moment finanziell nicht gut da“, schildert die Vorsitzende. Zwar wird die Beratungsstelle von der Stadt mit jährlich 75.000 Euro gefördert, hinzu kommen Zuschüsse des Landes. Mit den Geldern sei aber erst mit nächsten Jahres zu rechnen.

Derweil blieben Spenden (im Vorjahr überschaubare 6000 Euro) zunehmend aus. Konsequenz: eine „Durststrecke“ mit erheblichen Problemen, die laufenden Kosten und Rechnungen zu begleichen, immer verbunden mit der bangen Frage: „Können wir 2020 im jetzigen Rahmen weiterarbeiten?“ Dazu bedürfe es zusätzlicher Spenden, auf die das Team am Westring „inständig hofft“.

SPD-Politikerin sagt Unterstützung zu

SPD-Ratsmitglied Gabriela Schäfer, stellvertretende Vorsitzende des Sozialausschusses, sichert der Selbsthilfegruppe im WAZ-Gespräch ihre Unterstützung zu: „Sie liegt mir sehr am Herzen.“ In der Januar-Sitzung des Sozialausschusses werde man sorgfältig prüfen, wie es um die aktuelle Situation bestellt ist und ob und wo die Politik helfen kann. Sicher sei aber schon: Im aktuellen Haushalt 2020 wird es bei der städtischen Förderung von 75.000 Euro bleiben.

Derweil unternimmt die Beratungsstelle einen Vorstoß, um mittelfristig Planungssicherheit zu erlangen. Sie beantragt, den Zuschuss der Stadt ab 2021 auf 97.500 Euro zu erhöhen: „damit wir auch weiterhin eine Hilfe für diejenigen sein können, denen durch ihre schwere Erkrankung der Boden unter den Füßen weggezogen wird“, wie es in einer Erklärung heißt.

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