Lebensfreude

Diagnose Leukämie: Sina macht Tausenden auf Instagram Mut

Vor zwei Jahren hat Sina die Diagnose chronische Leukämie bekommen.

Vor zwei Jahren hat Sina die Diagnose chronische Leukämie bekommen.

Foto: Sina Suchopar

Bochum.   Sina (20) hat 2016 die Diagnose Leukämie bekommen. Ihre Lebensfreude lässt sie sich nicht nehmen – und macht tausenden Nutzern auf Instagram Mut.

Dutzende Sommersprossen sprenkeln ihre Wangen, in der Sonne leuchten sie auf der blassen Haut wie kleine Schokotropfen. Die 20-jährige Sina Suchopar trägt ein pink-gemustertes Tuch, gebunden oberhalb der Stirn, darunter keine Haare. Die Chemotherapie hat sie ihr genommen.

Es beginnt vor knapp zwei Jahren: Fünf bis sechsmal am Tag blutet ihre Nase, irgendwann kommt ihr das Blut aus den Ohren. Die Ärzte diagnostizieren Thrombozytopie, zu wenige Blutplättchen fließen durch Sinas Venen. Aber zu viel Blut läuft weiter aus ihren Nasenlöchern und Ohren. Eisenmangel kommt hinzu. Die Ärzte machen eine Knochenmarkpunktion und stellen fest: Sina hat chronische Leukämie. Blutkrebs.

Sechs Wochen Pause, sechs Wochen Chemotherapie

„Ich hatte das Gefühl, die ganze Welt hasst mich. Ich habe mich gefragt, warum bin ich jetzt diejenige, die krank ist“, sagt Sina. Sie nippt an ihrem Granatapfel-Blaubeer-Eistee. Während jetzt bei jedem Satz, den sie sagt, die wimpernlosen Augen strahlen, kann man sich kaum vorstellen, wie es Sina vor zwei Jahren ging. „Ich war nicht immer die Glückliche, die mit einem Lächeln durch die Welt läuft.“

Die Diagnose, die ausfallenden Haare – Sina belastet das sehr. Zwei Jahre zuvor hat sie angefangen zu tanzen, machte mit beim Zirkus Schnick-Schnack in Herne.

„Ich hatte anfangs Angst, dass das gar nicht mehr geht.“ Auch die Schule, die sie unbedingt fertigmachen möchte, sieht sie in Gefahr. Aber zusammen mit den Ärzten schafft sie es, ihren Alltag aufrechtzuerhalten. Sechs Wochen Pause, sechs Wochen Chemotherapie ist nun ihr Rhythmus – so lange sich die Werte nicht verschlechtern.

„Ich will fit sein fürs Wochenende, dann klappt das auch“

Die Chemo bekommt sie in den Ferien mittwochs, sieben Stunden ist sie im Krankenhaus, übergibt sich den ganzen Tag, ruht sich am Donnerstag aus und geht am Freitag zum Training. Freitags und Samstags tanzen, montags und dienstags Zirkus. Einer Gruppe von Kindern gibt sie Training. „Ich will fit sein fürs Wochenende und dann klappt das auch“, sagt die 20-Jährige voller Ehrgeiz und findet wieder etwas Positives an ihrer Krankheit: „Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich nicht die ganze Zeit im Krankenhaus verbringen muss.“

Sina lebt in Herne, erholt sich nach der Therapie aber bei ihrer „Zweitfamilie“ in Bochum, den Eltern ihrer besten Freundin Sophia.

Nach den Sommerferien hat Sina eine Kinderpflegeausbildung begonnen. Ihre Klassenkameraden an der Berufsschule kennen ihre Krankengeschichte. Wie ein rohes Ei will sie deshalb nicht behandelt werden. Aber wenn jemand krank ist, sagt er ihr Bescheid, dann kommt sie mit Mundschutz.

Den mag sie allerdings gar nicht, ebenso wenig mittlerweile die Perücke, die ihr Tanzkollegen geschenkt haben. Anfangs hat sie ihre Glatze unter dem künstlichen Blond versteckt, nun trägt sie mit Stolz die nackte Kopfhaut. „Ach ja, stimmt, ich habe ja keine Haare“, denkt sie manchmal, wenn die Leute sie auf der Straße angucken.

Sina bekommt am Tag 100 Nachrichten über Instagram

Neben dem Sport zieht Sina ihre Kraft aus Instagram. In dem sozialen Netzwerk postet sie Fotos, kleine Videos, erzählt von ihrem Alltag mit der Krankheit.

Sie hat selbst Mut gefunden, als sie vor zwei Jahren den Blog eines Mädchens las, das an Leukämie leidet. Über 10.000 Menschen folgen Sina auf Instagram, jeden Tag erreichen sie rund 100 Nachrichten – und sie versucht, alle zu beantworten.

Dass sie ihr zu nah kommen, sie beengen, davor hat sie keine Angst. „Es ist einfach mega schön, was die Leute unter meine Bilder schreiben.“ Sie hat gemerkt, wer wirklich ihre Freunde sind – digital und im realen Leben. Und wieder strotzt sie vor Optimismus: „Der Krebs hat mir gezeigt, wie wertvoll das Leben überhaupt ist.“

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