Wohnungsmarkt

Mieter mit Schulden finden kaum noch eine neue Wohnung

Bei Neuvermietungen wird vielfach eine Bonitätsauskunft der Schufa verlangt. Wer Schulden hat, scheitert oft.

Bei Neuvermietungen wird vielfach eine Bonitätsauskunft der Schufa verlangt. Wer Schulden hat, scheitert oft.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Bochum.   Wer einen negativen Schufa-Eintrag hat, ist bei der Suche nach einer Wohnung zunehmend chancenlos. Das beklagt die Bochumer Verbraucherberatung.

Immer mehr Bochumer finden keine neue Wohnung, weil sie einen negativen Schufa-Eintrag haben. „Für Mieter mit Schulden wird die Wohnungssuche zunehmend zum Albtraum“, sagt Kim Redtka von der Verbraucherberatung, während der Mieterverein an Vermieter appelliert, nicht roten Zahlen, sondern „ihrer Menschenkenntnis zu vertrauen“.

In Bochum fehlen preiswerte Wohnungen. „Eklatant“ sei der der Mangel an bezahlbaren Bleiben, warnte Michael Wenzel, Geschäftsführer des Mietervereins, zuletzt im Mai beim WAZ-Forum Politik. Stadtbaurat Markus Bradtke konstatiert „Versäumnisse der Vergangenheit“. Über 50.000 Sozialwohnungen gab es einst in Bochum. 12.700 sind übrig geblieben.

Über 50 Absagen wegen 65.000 Euro Schulden

Was das bedeutet, erlebt Judith Reko. Die 64-Jährige, seit fast vier Jahrzehnten im NRW-Innenministerium beschäftigt, wechselt demnächst in den Ruhestand. Ein Wohnungsbrand sowie langwierige psychische und körperliche Erkrankungen hätten sie vor einigen Jahren in eine dramatische finanzielle Schieflage gebracht, erzählt die Eppendorferin im WAZ-Gespräch. 65.000 Euro Schulden haben sich angehäuft. Zeitweise habe sie die Raten nicht zahlen können.

Ihre Schulden kann sie als künftige Rentnerin nur mit einem Umzug in eine kleinere Wohnung abstottern. „Doch eher bekomme ich eine Audienz beim Papst“, lacht Judith Reko bitter. Über 50 Absagen habe sie in den vergangenen Monaten kassiert: von privaten Vermietern ebenso wie von Wohnungsgesellschaften. Überall verlange man eine Bonitätsauskunft. Ihr Eintrag bei der Schufa („Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung“) ist negativ. „Für mich heißt das: Niemand will mich als Mieterin. Neulich wurde mir gesagt: ,So was wie Sie hole ich mir doch nicht ins Haus!’“

Schufa-Auskunft ist bei Neuvermietungen Standard

Kein Einzelfall, beobachtet die Verbraucherzentrale. „Eine Schufa-Selbstauskunft ist bei Neuvermietungen inzwischen Standard“, so Kim Redtka. Sie spricht von „Missbrauch und Stigmatisierung“. Denn: „Ein negativer Eintrag beinhaltet ja nicht, dass Mietzahlungen unterlassen wurden. Die spielen bei der Schufa meist gar keine Rolle.“ Die Folgen seien für die Betroffenen gleichwohl „verheerend“ – gerade auf dem umkämpften preiswerteren Wohnungsmarkt. „Mit negativer Schufa hat man da keine Chance“, weiß Kim Redtka.

Als Miet-Interessent habe man kaum ein Handhabe, die Schufa-Auskunft zu verweigern, schildert auch Aichard Hoffmann, Sprecher des Mietervereins. Sein Appell richtet sich daher an die Vermieter. Ein negativer Schufa-Eintrag allein dürfe nicht ausschlaggebend sein. „Nutzen Sie Ihren Menschenverstand, machen Sie sich einen persönlichen Eindruck! Viele Menschen sind unverschuldet in Not geraten. Geben Sie auch ihnen eine Chance.“

Oft kommt es noch nicht einmal zu einem Gespräch

Darauf hofft auch Judith Reko. „Ich habe eine anständige Rente und bin willens und in der Lage, meine Miete zuverlässig zu zahlen“, sagt sie. Dazu müsse es aber erst einmal zu einem Gespräch mit einem Vermieter kommen. „Doch schon daran scheitert es meistens. Man fühlt sich als Mensch zweiter Klasse.“

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