Prozess

Mutter erstochen: Frau erneut wegen Totschlags vor Gericht

In diesem Gerichtssaal wird unter Vorsitz von Richter Johannes Kirfel verhandelt.

In diesem Gerichtssaal wird unter Vorsitz von Richter Johannes Kirfel verhandelt.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Bochum.  Eine 54-jährige Frau steht wegen Tötung ihrer Mutter (83) vor Gericht. Schon zum zweiten Mal. Es ist eine schaurige Familientragödie.

Zum zweiten Mal sitzt seit Mittwoch eine 54-jährige Frau vor dem Schwurgericht, weil sie in Wattenscheid ihre 83-jährige Mutter mit einer Papierschere erstochen hatte. Der Bundesgerichtshof hatte eine erste Verurteilung wegen Totschlags wegen einiger Rechtsfehler teilweise aufgehoben. Deshalb müssen sich jetzt andere Bochumer Richter mit dem Verbrechen befassen und eine neue Strafe finden.

Der Fall ist eine schaurige Familientragödie. Mitte Oktober 2017 hatte die Angeklagte ihre Mutter in der gemeinsamen Wohnung an der Vorwärtsstraße vorsätzlich getötet, nachdem es zuvor Streit um die Rückgabe der Papierschere gegeben hatte. Die Tochter wollte sie zur eigenen Körperpflege haben, die Mutter aber nicht herausgeben.

Nach tödlichem Stich achtmal mit der Schere auf den Kopf gestochen

Wenige Momente später saß die kleine und zierliche Seniorin tot auf ihrem Wohnzimmersofa. Sie war innerlich verblutet, weil die Tochter ihr die Schere mit voller Wucht in den Brustkorb gestochen hatte. Nachher stach sie mit den Schere noch mindestens achtmal auf den Kopf der Sterbenden ein.

Bereits vorher hatte es mehrere Streitigkeiten zwischen Mutter und Tochter gegeben, die in der Wohnung zu zweit wohnten. Die Räume waren großteils vermüllt, die Hygienezustände katastrophal und bizarr. Hinzu kam, dass die Angeklagte laut dem ersten Urteil eine „chronische Psychose aus dem schizophrenen Formenkreis“ und ein „Wahn-Erleben“ hat. Sie bildete sich ein, dass die Mutter ihr schaden wolle.

Angeklagte ist vermindert schuldfähig

Nach dem tödlichen Bruststich lebte die 54-Jährige noch zwei weitere Tage in der Wohnung, obwohl ihre Mutter tot auf dem Sofa saß. „Ein bizarres Verhalten“, so der Richter in dem ersten Urteil im Mai 2018. Erst viele Tage nach der Tat fand die Polizei die teilweise bereits verweste Leiche, nachdem Nachbarn sich Sorgen gemacht hatten.

Das Schwurgericht hielt die Tochter für vermindert schuldfähig. Es verurteile sie zu vier Jahren und zehn Monaten Haft wegen Totschlags. Außerdem wiesen die Richter sie unbefristet in eine geschlossene Psychiatrie ein, weil sie für die Allgemeinheit gefährlich sei.

„Die Gefährlichkeitsprognose ist nicht tragfähig begründet worden“

Die Angeklagte bestritt eine Schuld; ihre Mutter habe sich selbst mit der Schere getötet. Sie legte Revision ein. Der Bundesgerichtshof stellte zwar fest, dass die Frau wirklich schuldig sei, kritisierte aber die Rechtsfolgen (Haft und Psychiatrie). „Die Gefährlichkeitsprognose ist nicht tragfähig begründet worden“, hieß es zum Beispiel beim 4. Strafsenat in Karlsruhe. Die rechtlichen Hürden, jemanden auf völlig unbestimmte Zeit in eine geschlossene Psychiatrie einzuweisen, sind enorm hoch. Die Angeklagte ist bisher nicht vorbestraft und trotz Erkrankung bis vor der Tötung ihrer Mutter nicht gewalttätig geworden.

Die 3. Strafkammer hat drei weitere Sitzungstage bis 25. September angesetzt. Die Angeklagte befindet sich seit fast zwei Jahren in der geschlossenen Psychiatrie.

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