Kultur

Plagiats-Streit um Kunstwerk in Bochum verschärft sich

Das Kopf-Stein-Pflaster von Christof Werdelmann in der Dorfkirche Stiepel.

Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Das Kopf-Stein-Pflaster von Christof Werdelmann in der Dorfkirche Stiepel. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum.   Nachdem Jochem Ahmann öffentliche Kritik an dem Kunstwerk Kopf-Stein-Pflaster von Christof Werdelmann geübt hatte, bekräftigt Künstlerkollege Timm Ulrichs die Plagiatsvorwürfe. Die Behauptung von Werdelmann, nichts von vorherigen Werken gewusst zu haben, bezeichnet der Künstler als Ausreden.

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Mit drastisch formulierter Kritik meldet sich Timm Ulrichs, renommierter, 1940 geborener „Totalkünstler“ und emeritierter Professor der Kunst-Akademie in Münster, zu Wort. In einem Brief, der der WAZ zur Veröffentlichung vorliegt, springt er seinem Künstlerkollegen Jochem Ahmann bei, der öffentliche Kritik an einer Installation von Christoph Werdelmann geübt hatte.

Der im Raum stehende Vorwurf ist, dass es sich bei Werdelmanns 2012 im Stiepeler Kirchhof aufgestellten Plastik „Kopf-Stein-Pflaster“ um ein Plagiat jenes Werkes handelt, das erstmals 1980 von Ulrichs präsentiert worden war und seither an verschiedenen Standorten im öffentlichen Raum zu sehen ist. Werdelmann bestritt, dieses Werk gekannt zu haben, ebenso Bernd Figgemeier, der verantwortliche Kurator.

"Reflexartige Schutzbehauptungen und Ausreden"

Im Brief stellt Ulrichs zunächst eine allgemeine Gegenwarts-Diagnose: Der Wert künstlerischer Ideen und geistigen Eigentums werde unterschätzt, ein laxer Umgang damit sei „eine Strategie, Formen der Ausbeutung zu legitimieren. “Ganz konkret greift er dann die Reaktionen auf Ahmanns Kritik an: „Fast reflexartige Schutzbehauptungen und Ausreden, wie ich sie in etlichen anderen ‘Fällen’ schon erlebt habe“. Ahmann habe als „Überbringer der schlechten Nachricht die umgeleitete fehlgeleitete Prügel bezogen (...).“

Den „anderen Ansatz“, den Werdelmann zur Verteidigung seines Werkes angeführt hatte, lässt Ulrichs nicht gelten. Sowohl Name, wie Produktionsart („Man sehe sich die Gussnähte des Betons an“) seien identisch.

"Blamiert wie alle anderen"

Bezüglich des Statements von Museumsleiter Dr. Hans Günter Golinski kritisiert Ulrichs ironisch dessen Forderung nach „öffentlichen Beweisen“ und fragt, „Liegen die nicht vor?“. Schließlich habe er, Ulrichs, „das materialisierte Wortbild, das zu seiner etymologischen Quelle zurückkehrt“ nun mal erfunden.

Sehr streng geht der Münsteraner mit dem Kurator ins Gericht. Der habe sich „blamiert wie alle anderen“. Ihm attestiert er gar „Infamie“, wenn dieser behaupte: „Aber so wichtig ist besagte Arbeit Ulrichs nicht.“ Ulrich fragt dazu: „Wenn meine Skulptur nicht wichtig ist - wie soll es dann die von Christoph Werdelmann sein?“ Den Verteidigern der Stiepeler Arbeit bescheinigt er „Beweisnot“ und „Vorwärtsverteidigung“. Er, Ulrichs, könne, wenn ein Fehler nicht eingestanden würde, nicht stillschweigend durchgehen lassen, dass „Ignoranz“ und „Dreistigkeit“ sich paarten.

Podiumsdiskussion am 28. August

Professor Ulrichs ist ferner bereit, in der nächsten Woche nach Bochum zu kommen, um zu diskutieren. Als Termin ist der Mittwoch, 28. August, geplant. In einer öffentlichen Podiumsdiskussion, deren Teilnehmer naturgemäß noch nicht feststehen, solle aber nicht nur der konkrete Vorgang, sondern eine allgemeine Diskussion über geistiges Eigentum und den Umgang damit geführt werden.

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