Brauchtum

Wattenscheider Gänsereiter drehen Blumenschmuck für den Zug

Hoheit Christina I. Somberg und König Maximilian I. Schellhoff präsentieren einen kleinen Teil der Rosenproduktion bei den Gänsereitern in Wattenscheid-Höntrop.

Hoheit Christina I. Somberg und König Maximilian I. Schellhoff präsentieren einen kleinen Teil der Rosenproduktion bei den Gänsereitern in Wattenscheid-Höntrop.

Foto: Gero Helm / FFS

Wattenscheid-Höntrop.  Mit dem Rosendrehen bereiten die Höntroper Gänsereiter die Dekoration für die Festwagen vor. Nun geht es Schlag auf Schlag bis zum Königsreiten.

Rot und Weiß, wohin das Auge blickt, und dabei ein geschäftiges Stimmengewirr von bestimmt über 100 Frauen bei einer traditionsreichen Handarbeit: Das bedeutet den Einstieg in die heiße Phase der Karnevalszeit im Vereinsheim der Höntroper Gänsereiter. Hoheit Christina, „die Warmherzige“, hatte persönlich eingeladen. Die Damen folgten zahlreich und die Herren ließen ausnahmsweise die Blaukittel, Mützen und Stiefel zu Hause und warfen sich in Oberhemd und Krawatte. Was auch sonst: Rot und Weiß, in die Höntroper Farben, die auch den Blumenschmuck ausmachen.

Die Damen haben reichlich zu „drehen“, und die Herren bedienen sie dabei ebenso traditionell wie gerne. 2500 Krepp-Rosen entstehen an diesem Abend, den Platz hat mancher Kleingärtner nicht.

Die Höntroper schicken allerdings auch drei Motivwagen, den Königswagen, den des Kinderkönigspaares, vorne weg den Wagen mit der Riesengans „Martha“, den Straßenbahnwagen, den Frauenwagen und den Kinder-Motivwagen auf die Reise. Zu sehen sind sie am Sonntag, 23. Februar, beim großen Umzug durch Wattenscheid und am Montag beim „kleinen“ durch Höntrop und Sevinghausen. Mit dabei sind natürlich auch die Reiter, „am Montag 19“, überschlägt Oberschulte Markus Oskamp, schmunzelt, und ergänzt: „Sonntag weniger“.

Auszeichnung für Verdienste

Den Treff zum Rosendrehen nutzen die Gänsereiter gleichzeitig auch, um eigens Damen aus ihren Reihen für die Verdienste um den Club auszuzeichnen. Der Orden ging in diesem Jahr an Christine Ockun und Brigitte Mielke. Die Herren, die sich um das Vereinswesen besonders hervorgetan haben, werden bei einer „Kittelversammlung“ geehrt. Das wird am Karnevalssamstag sein und als höchst-wertige Veranstaltung im Kalender der Blaukittel auch den Abschied für den König bedeuten. Diese Ordensverleihung gehört seit 1952 fest zum Jahresablauf.

Der, Max I. Schellhoff, setzt mit seinen 26 Lenzen die Tradition der letzten Jahre im Club fort, in denen jüngere Reiter nachrücken. „Der Schnitt liegt knapp über 50“, bilanziert Oskamp, die Mitgliederzahl präsentiert sich als „stabil, wir haben keine Nachwuchssorgen. Viele Gänsereiter-Kinder treten mit 18 Jahren dem Club bei.“

„Mendoza“, „Bertha“ und „Hannelore“

Mit dem Karneval hatten die Höntroper Gänsereiter zunächst gar nichts im Sinn, der Umzug nach dem Königsreiten in Spelbergs Busch fand lediglich einfach am Rosenmontag statt, bis sich dann andere Clubs einreihten und dem bunten Marsch mit Leiterwagen durch das Dorf folgten. „In den 50er Jahren begann dann der Zug in der Innenstadt“, blickt Oskamp zurück, „und wir zogen dann noch einmal mit den Kollegen aus Sevinghausen am Montag“.

Nach der Debatte um die Sicherheit und die letztlich abgewendeten Kosten für die Vereine fasst er für den Umzug im Wattenscheider Süden nur knapp zusammen: „Für die Sicherheit wird gesorgt.“

Sicher ist auch, dass „Mendoza“ und „Bertha“, die hölzernen Gänse-Attrappen mit Reserve-Gans „Hannelore“ über dem Rund am Südpark hängen werden, und neben den Höntropern auch drei Reiter aus dem befreundeten El Carpio de Tajo in Kastilien auf farbenprächtig geschmückten Pferden dabei sein werden. Zum Jakobustag am 25. Juli starten die Höntroper dann zum Gegenbesuch nach Spanien.

Hoffentlich wird das Wetter schön

So dankbar man den Freunden vom Ländlichen Reit- und Zuchtverein für die Unterstützung im vergangenen Jahr ist, möchte Markus Oskamp aber wenn irgendmöglich auf jeden Fall im Freien reiten. „Kalt ist in Ordnung, aber trocken muss es sein.“ Eingewöhnungs-Schwierigkeiten habe es nebenbei bei der Umstellung auf die Holz-Gans vor zwei Jahren nicht gegeben: „Es ist derselbe Griff.“ Am Dienstag nach dem Königsritt sind die Blaukittel dann noch zu Fuß unterwegs, zum abschließenden Wurstsammeln.

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