Stadtgeschichte

Als der „Schwarze Tod“ auch in Bottrop wütete

Das Pestkreuz an der Gladbecker Straße in der Nähe des Eigener Marktes erinnert an den letzten Ausbruch der Seuche in Bottrop 1676.

Das Pestkreuz an der Gladbecker Straße in der Nähe des Eigener Marktes erinnert an den letzten Ausbruch der Seuche in Bottrop 1676.

Foto: Heinrich Jung

Bottrop.  In einer Ausstellung im LWL-Museum Herne geht es um den „Schwarzen Tod“. Die letzte Pest suchte Bottrop 1676 heim. Ein Kreuz erinnert daran.

Dem berüchtigten „Schwarzen Tod“ widmet des LWL-Museum für Archäologie in Herne jetzt eine Sonderausstellung. Verschiedenste Aspekte der Seuche, die seit dem Mittelalter Synonym für verheerende Epidemien ist und Millionen Tote forderte, werden vom 20. September bis 10. Mai dort präsentiert.

Auf rund 800 Quadratmetern Fläche greift die „Pest“ um sich: Gezeigt werden rund 300 archäologische und kulturgeschichtliche Exponate, über 200 Abbildungen und Grafiken, elf pädagogische Stationen und drei Filme rund um die Seuche, an der im 14. Jahrhundert fast ein Viertel der europäischen Bevölkerung starb.

Die Pest bedeutete auch wirtschaftlichen Niedergang

Die Krankheit bedeutete damals nicht nur Tod, sondern oft genug auch wirtschaftlichen Niedergang ganzer Landstriche. An die letzte große Pestepidemie in Bottrop im Jahr 1676 erinnert bis heute das Pestkreuz auf der Gladbecker Straße, fast in Höhe des Eigener Marktes. Der Ausbruch der Seuche hatte für die damaligen Menschen viele Gründe und Krankheit jeglicher Art wurde oft genug als Strafe Gottes angesehen.

Mit einer großen Prozession baten die Bottroper um Schutz vor der Seuche

Als 1676 die Seuche erneut in Bottrop aufflackerte, meinte man rasch, die Ursache dafür gefunden zu haben: Die Gemeinde hatte einige Zeit zuvor die zwölfstündige große Prozession, die traditionell am zweiten Pfingsttag gehalten wurde, abgeschafft – oder derart verkürzt, dass von „groß“ keine Rede mehr sein konnte. Als man die Prozession wieder in alter Größe abhielt, wich die Pest. Der Streit um die Größe der Prozession ging allerdings weiter und eskalierte im Prozessionsstreit 1683. Später gab die Obrigkeit dem Drängen der Bauern nach und ordnete den großen Weg an – eine Tradition, die bis ins frühe 20. Jahrhundert erhalten blieb.

Die Pestkapelle wurde abgerissen - heute erinnert nur noch das Kreuz an den Glauben der Vorfahren

Das Pestkreuz stand zunächst vor der Pestkapelle an der Aegidistraße, bis 1907 vor dem Gasthaus Große-Beck und wurde dann an die heutige Stelle an der Gladbecker Straße versetzt.

Mehr Infos zur kommenden Ausstellung gibt es auf: www.lwl-landesmuseum-herne.de

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