Auseinandersetzung

Bettler liefern sich in Bottroper Kirche Revierkämpfe

Bettler haben sich bei einem  Gottesdienst in einer Bottroper Kirche regelrechte Revierkämpfe geleifert. (Symbolbild)

Bettler haben sich bei einem Gottesdienst in einer Bottroper Kirche regelrechte Revierkämpfe geleifert. (Symbolbild)

Foto: dpa

Bottrop.  In einer Bottroper Kirche kam es zu unschönen Szenen während eines Gottesdienstes. Anschließend bedrängten Bettler die Kirchenbesucher massiv.

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Verteilungskämpfe in der Kirche? Nein, dieses Mal geht es nicht um die Verteilung knapper werdender Kirchensteuermittel auf die einzelnen Gemeinden, oft bis hin zur Schließung und Abriss von Kirchenbauten. Jetzt geht es um vier Bettler, die sich regelrechte Revierkämpfe beim Eröffnungsgottesdienst des Festivals Orgel Plus mit Bischof und Domsingknaben in der bis auf den letzten Platz besetzten Cyriakuskirche lieferten.

Erst einer, dann zwei, dann drei - anscheinend besonders bedürftige - Männer und schließlich noch eine Frau mit roter Nase und einem riesigen Stoffschaf im Arm stellen während Liturgie, Musik und Bischofspredigt ihre eigene Inszenierung auf die Beine. Zur linken Tür rein, zur rechten wieder raus. dann bekommen Besucher, die hinten nur Stehplätze ergattert haben, einen Coffee-to-go-Becher unter die Nase gehalten.

Dann sind auch die Besucher in den hinteren Bänken dran. Die Geste ist eindeutig: Man erwartet milde Gaben. Einige schauen hilflos, andere pikiert. Manche Gottesdienstteilnehmer fühlen sich offensichtlich gestört, andere blicken starr nach vorn.

„Ihr macht uns das Geschäft kaputt“

Bislang erlebte man Bettler nur vor den Kirchentüren. Gut, das gibt es, seit es Kirche gibt - und damit auch die Kontroverse um den richtigen Umgang. Denn schon der Apostel Paulus schreibt ja im Korintherbrief: „Wollt ihr jene demütigen, die nichts haben?“

Der mit dem Coffee-to-go-Becher wird angesprochen. Eine bekannte Bottroper Politikerin raunt ihm zu, er könne ja betteln, aber nicht die Leute bei der Feier stören. Er dürfe das, das habe ihm der Pfarrer erlaubt. Aber wohl nicht in der Kirche, beharrt die Politikerin.

Ein anderer, offensichtlich noch „fertig“ vom Vortag, stützt sich auf ein Pult unter der Orgelbühne. Er schnupft erstmal tief durch. Dann blickt er suchend umher. Er scheint zur Frau mit dem Stoffschaf zu gehören. Blickkontakt, rein, raus durch die Schwingtüren. Ruhe kommt keine auf, wenigstens nicht hinten in der Kirche.

„Wenn ihr nichts gebt, machen wir euch Christen einen Kopf kürzer“

Kurz darauf geht ein anderer mit Rucksack den Coffee-to-go-Mann aggressiv an. Laute Worte, Handgemenge. Ein Mann versucht, die beiden zu trennen oder wenigstens dazu zu bewegen, im Vorraum der Kirche zu bleiben. Zwecklos. Das Hin- und Her geht weiter. Die Kollekte wird gesammelt.

Bei der Türkollekte für die Musik am Ende kommt es zum Zusammenstoß: „Ihr macht uns das Geschäft kaputt. Wenn ihr nichts gebt, machen wir euch Christen einen Kopf kürzer!“, so ein Mann mit grüner (!) Kopfbedeckung. Besucher sind empört, verunsichert. Was ist zu tun? Kann man vorne Barmherzigkeit predigen und hinten Bettler rauswerfen? Man schluckt, wohlwissend, dass im Sozialstaat niemand aufs Betteln zur Existenzsicherung angewiesen ist.

Mittlerweile ist in vielen Städten aggressives, organisiertes Betteln verboten, das „stille“ Betteln geduldet. Aber bitte nur draußen.

So verhält sich die Propsteipfarrei

Es scheint ein aggressiver Kampf, teilweise durch organisierte Leute von außen zu geben, so Martin Oppermann, 2. Vorsitzender des Kirchenvorstands. Betteln in der Kirche soll auf jeden Fall untersagt werden.

Dagegen will die Pfarrei angehen, vielleicht mit einer Ordnungspartnerschaft von Kirche, Stadt und Polizei. Die hiesigen Bettler seien bislang nicht durch aggressives Verhalten aufgefallen.

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