Beruf

Bottrop: Fernando trotzt Handicap und findet den Traumjob

Fernando ist Dank der Diakonie-Bildungswerkstatt und dem Fachdienst für berufliche Inklusion jetzt bei dem Garten- und Landschaftsbaubetrieb Wieschenkämper sozialversicherungspflichtig angestellt.

Fernando ist Dank der Diakonie-Bildungswerkstatt und dem Fachdienst für berufliche Inklusion jetzt bei dem Garten- und Landschaftsbaubetrieb Wieschenkämper sozialversicherungspflichtig angestellt.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  So hat es der 24-Jährige nach vorherigen gescheiterten Bemühungen mit Hilfe der Diakonie-Bildungswerkstatt zu einer festen Anstellung gebracht.

„Ich habe viel erlebt, es war ein schwerer Weg“, sagt Fernando (24). Ein schwerer Weg hin zu seinem Traumarbeitsplatz in einem Garten- und Landschaftsbaubetrieb, in Vollzeit und mit sozialversicherungspflichtiger Anstellung. Eine richtige Arbeit, Normalität im Berufsleben – für den jungen Mann, der seinen Nachnamen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, schien dies aufgrund eines psychischen Handicaps lange keine Option zu sein. Erst über die Bildungswerkstatt (Biwe) der Bottroper Diakonie-Werkstätten fand er den für ihn richtigen Weg.

In der Biwe werden aktuell 25 Menschen mit einer psychischen Erkrankung und weitere 25 mit einer geistigen Einschränkung an drei Standorten (Rheinbabenwerkstatt, Rotthofs Hof, Blankenfeld) in verschiedenen Feldern qualifiziert.

Für Fernando, den die Arbeitsagentur nach ersten Erfahrungen des Scheiterns im Berufsleben schließlich zur Biwe vermittelt hatte, war gleich zu Beginn klar: Es soll die Garten- und Landschaftspflege sein. Und er möchte einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt.

Gute Arbeitsebene gefunden

Dass es tatsächlich so gekommen ist, liegt sicher auch an Garten- und Landschaftsbauer Thomas Wieschenkämper und seinen Vorarbeiter Peter Lemm, die mit Fernando eine gute Arbeitsebene fanden. Dort konnte der junge Mann ein Praktikum machen, und im Anschluss an die Qualifizierung im Berufsbildungsbereich der Biwe fand er bei Wieschenkämper einen betreuten Außenarbeitsplatz. Schließlich bot ihm der Chef, dessen Betrieb insgesamt 13 Mitarbeiter zählt, im September 2019 eine reguläre Arbeitsstelle an.

„Im Praktikum habe ich mich erst ein bisschen reingetastet“, erzählt Fernando. „Alle haben Rücksicht genommen, ich durfte Fragen stellen, keiner war genervt.“ Die Vertrauensbasis sei gleich gut gewesen. Und: „Ich wurde nicht auf mein Handicap angesprochen.“ Anfangs hatte Fernando wöchentlich mit Thomas Pozniak vom Fachdienst Berufliche Inklusion Kontakt, wurde bei Schwierigkeiten unterstützt.

Fernando kennt seine Schwächen: „Ich habe Schwierigkeiten, Nein zu sagen oder das Gespräch zu suchen.“ Auch in Situationen, wo er sich eigentlich überfordert fühle. Das bestätigt Martina Thiele, Biwe-Bereichsleiterin. „Fernando war immer arbeitsfähig und leistungsbereit.“ Trotzdem seien erste Praktika gescheitert. „Wir haben relativ lange gebraucht, bis wir verstanden haben, worum es geht. Dass er nämliche Probleme nicht gut benennen kann; mehr wollte als er machen konnte. Die Aufgabe des Fachdienstes ist dann, dies dem Unternehmen zu vermitteln.“ Thomas Wieschenkämper spricht von „Tiefen“, die sich aber auf vernünftige Weise haben regeln lassen können.

Gelungene Integration in den ersten Arbeitsmarkt

Inzwischen hat Fernando verschiedene Weiterqualifizierungen absolviert (wie Lkw-Führerschein, Motorsägen-Schein), und sein Arbeitgeber zählt nur zu gerne seine Stärken auf: „Er ist sehr fleißig, arbeitet akkurat, denkt im Voraus mit, hat gute Umgangsformen im Gespräch mit Kunden.“ Vorarbeiter und Fernandos erster Ansprechpartner Peter Lemm ergänzt: „Er ist sehr verlässlich.“

Fernandos Beispiel steht für eine gelungene Integration in den ersten Arbeitsmarkt durch die Unterstützung der Bildungswerkstatt. Das muss aber nicht immer am Ende der 27 Monate in der Biwe stehen. „Viele kommen in die Biwe mit Geschichten, die mit Enttäuschungen verbunden sind“, sagt Diakonie-Sprecher Michael Horst. Die Biwe sei dann oft ein Wendepunkt für sie, und zwar in unterschiedliche Richtungen. „Das kann auch sein, dass es zwar mit dem ersten Arbeitsmarkt nicht klappt, aber die Teilnehmer dann Ruhe für sich finden, von Druck befreit werden.“

Martina Thiele ergänzt: „Wir versuchen einen Weg zu finden, der zu beruflicher Zufriedenheit führt.“ Das kann zum Beispiel auch ein Außenarbeitsplatz mit unterstützender Werkstattanbindung sein.

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