Ortsgeschichte

Bottrop: Hobbyhistoriker erinnert an Geschäfte in Alt-Ebel

Das Foto zeigt den alten Konsum Bohls an der Hafenstraße 53. Zu sehen sind Verkäuferin Henni Lamers und Maria Brus mit Klein-Helmut beim Einkauf im Jahr 1955.

Das Foto zeigt den alten Konsum Bohls an der Hafenstraße 53. Zu sehen sind Verkäuferin Henni Lamers und Maria Brus mit Klein-Helmut beim Einkauf im Jahr 1955.

Foto: Sammlung Helmut Brus

Bottrop.  Helmut Brus führt im Matthiashaus in Wort und Bild durch das einst pulsierende Wirtschafts- und Dienstleistungsleben in der alten Prosperkolonie.

Geschäfte, Kneipen, Handwerk und Dienstleister in der 120 Jahre alten Prosperkolonie Ebel: Darum geht es in dieser Woche in einem Vortrag im Matthiashaus. Wer kennt noch den Konsum Bohlmann, die Bäckerei Rotthäuser und den Metzger und Wirt Rössler? Bekanntlich wurde Ebel als Arbeiterkolonie für die Zeche Prosper I in den Jahren 1899 und 1900 geschaffen. Bauherrin war damals die „Arenberg’sche Actien-Gesellschaft für Bergbau und Hüttenbetrieb“, die Besitzerin aller Prosper-Zechen von 1856 bis 1922.

Vortrag schließt Gaststätten und öffentliche Einrichtungen ein

Der in Ebel geborene Hobbyhistoriker Helmut Brus hat auf Wunsch der Vorsitzenden des Fördervereins Ebel, Ratsfrau Gabriele Sobetzko, eine Recherche zu den Geschäftsaktivitäten in Ebel seit der Zeit ihrer Errichtung vor 120 Jahren durchgeführt.

Herausgekommen ist ein Vortrag, in dem über Gaststätten, Trinkhallen, Geschäfte, medizinische Angebote, Handwerk, Dienstleistungen, öffentliche Einrichtungen und Industrie in Ebel erzählt wird, von denen es in Ebels Vergangenheit über 60 Einrichtungen gab. Helmut Brus wird in seinem Vortrag detailliert die Geschichte der Lokalversorgung der Bergleute der Zeche Prosper I beleuchten, die für den Alltag in der Bergarbeitersiedlung Ebel lebenswichtig war.

So gab es in der Zeit seit 1900 in Ebel zum Beispiel vier Gaststätten, fünf Trinkhallen, sieben Lebensmittelgeschäfte, vier Metzger, je drei Bäcker, Friseure, Schneider, Schuster, drei Industrieunternehmen sowie 17 öffentliche Einrichtungen. Die Beispiele zeigen anschaulich, wie sehr eine einzige Industrieanlage nicht nur Umwelt und Bevölkerungsstruktur veränderte. Auch die gesamte Infrastruktur wurde in den nachfolgenden Jahren nicht etwa primär den Bedürfnissen der Menschen, sondern der ständig wachsenden Industrie angepasst. Selbst die öffentlichen Verkehrsmittel dienten damals vor allem dazu, die Arbeiter auf die Zechen oder zu den Werken zu bringen, nicht etwa, um Freizeitgestaltung oder den Einkaufsbummel in den Innenstädten zu ermöglichen.

Fotos und Dokumente runden Vortrag ab

Die Kolonien wie Ebel entwickelten ein Eigenleben, eine fast dörfliche Struktur, in dem die Bewohner (fast) alles hatten, was sie zum alltäglichen Leben brauchten. Zu allen Geschäften werden im Vortrag auch aktuelle Fotos der ehemaligen Standorte gezeigt, so dass auch jüngere Besucher erfahren können, wo sich die Einrichtungen einmal befanden. Die zahlreichen Fotos und Dokumente des Vortrags stammen vor allem aus den Archiven der Stadt Bottrop, der Stadt Essen und des Kultur-Historischen Vereins Borbeck. Bekanntlich gehörte Ebel bis 1915 zur Gemeinde Borbeck, dann bis 1929 zu Essen. Erst mit der Umgemeindung 1929 kam Ebel als jüngster Stadtteil zu Bottrop.

Der Vortrag unter der Schirmherrschaft des Fördervereins Ebel e. V. beginnt am Freitag, 28. Februar, um 19 Uhr im Matthiashaus, Hafenstraße 78a. Eintritt ist frei.

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