Krebs-Skandal

Bottroper Apothekeropfer können auf Entschädigung hoffen

Heike Benedetti (r.) hat einen offenen Brief an die Fraktionen im Bundestag geschrieben. Sie will erreichen, dass das Soziale Entschädigungsrecht geändert wird und auch Opfer des Bottroper Apothekerskandals oder ähnlich gelagerter Fälle da abgedeckt sind. Unterstützt wird sie von Ilona Strunk.

Heike Benedetti (r.) hat einen offenen Brief an die Fraktionen im Bundestag geschrieben. Sie will erreichen, dass das Soziale Entschädigungsrecht geändert wird und auch Opfer des Bottroper Apothekerskandals oder ähnlich gelagerter Fälle da abgedeckt sind. Unterstützt wird sie von Ilona Strunk.

Foto: Matthias Düngelhoff

Bottrop.  Die Opfer des Bottroper Apothekers können auf staatliche Entschädigung hoffen. Fraktionen in Berlin reagieren auf offenen Brief der Betroffenen.

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„Nach 100 E-Mails eine etwas positive Antwort.“ So reagiert Heike Benedetti auf die Schreiben der Bundestagsfraktionen von Grünen und CDU. Beide Gruppen haben auf den offenen Brief der Bottroperin reagiert. Darin hatte sie gemeinsam mit ihrer Mitstreiterin Ilona Strunk gefordert, dass das Soziale Entschädigungsrecht so verändert wird, dass auch die Bottroper Apothekeropfer ein Anrecht auf staatliche Entschädigung haben. Und es deutet sich tatsächlich eine positive Entwicklung an.

Die Grünen verweisen in ihrem Schreiben auf eine Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Fraktion. Die Parlamentarier hatten die Bundesregierung gefragt, welche Entschädigungsmöglichkeiten sie im Falle des Medizinskandals in der Alten Apotheke in Bottrop sieht. Zwar äußere sich die Bundesregierung nicht zu konkreten Einzelfällen, doch weiter heißt es in der Antwort auf die kleine Anfrage: „Losgelöst vom Einzelfall könnte es sich bei der bewussten Veränderung der Zusammensetzung eine Medikaments durch einen Apotheker und dem anschließenden Verkauf des veränderten Medikaments um eine vorsätzliche Beibringung von Gift im Sinne des Opferentschädigungsgesetzes handeln.“

Bottroperinnen bedanken sich bei der Grünen-Fraktion

Genau das war ja eine Forderung, die Heike Benedetti und Ilona Strunk in ihrem Brief erhoben hatten. Und so sehen sie die Antwort der Bundesregierung als einen Erfolg und einen Ansporn, weiter zu kämpfen. Denn: „Hier wurden Krebskranke um Lebenszeit betrogen“, schildern sie ihre Motivation im WAZ-Gespräch. Die Antwort nun sei also „so schlecht nicht“, freut sich Heike Benedetti und bedankt sich ausdrücklich bei den Grünen im Bundestag für die Mühe, die sie sich gemacht haben.

Neben den Grünen hat auch die CDU reagiert. Auch sie verweist in ihrem Schreiben auf die Antwort der Bundesregierung auf die Grünen-Anfrage. Außerdem, so heißt es in dem Schreiben, würden die Anregungen aus Bottrop den Fachgremien der Fraktion, die sich mit der Neufassung des Sozialen Entschädigungsrechts befassen, zur Verfügung gestellt. Die beiden Bottroper Frauen sind froh, dass wenigstens zwei Fraktionen im Bundestag auf ihren Brief reagiert haben.

Richter sprach in der Urteilsbegründung von „Behördenversagen“

Doch wie geht es nun weiter? Heike Benedetti sieht nun das Land in der Verantwortung, hat die Antwort der Fraktionen und den Verweis auf die Einschätzung der Bundesregierung ans Düsseldorfer Sozialministerium weiter geleitet. Sie hofft, dass dort nun Bewegung in die Sache kommt und die Bottroper Opfer Hilfe und Entschädigung vom Land erhalten. Denn schon mehrmals hat Heike Benedetti deutlich gemacht, dass sie auch die öffentliche Hand in der Verantwortung sieht, weil staatliche Kontrollen keine Wirkung gezeigt hätten. In der Urteilsbegründung hatte Richter Johannes Hidding dann auch von „Behördenversagen“ gesprochen.

Indem sich die Bottroper mit den neuen Informationen nun erneut ans Land wenden, folgen sie auch dem Rat der Grünen. Die haben empfohlen, die Antwort der Regierung im behördlichen Verfahren mit anzubringen. Denn, auch das geht aus der Antwort der Grünen an die beiden Bottroperinnen hervor: „Auf Bundesebene haben wir leider nicht viel mehr weitere Handhabe.“ Aus ihrer Sicht sollten die Bottroper Opfer weiter auch öffentlich Druck aufbauen und Gespräche mit lokalen Abgeordneten und auch dem Opferschutzbeauftragten des Landes zu suchen. Sie verweisen auf „grob vergleichbare“ Fälle in der Vergangenheit, „wo es doch Fonds oder Unterstützung von staatlicher Seite gegeben hat, zum Beispiel die Errichtung der Stiftung Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen“.

Apothekeropfer wollen ihren Kampf fortsetzen

Heike Benedetti jedenfalls nimmt das zum Anlass, ihren Kampf fortzusetzen. Das mache sie ja eben nicht nur für sich, sondern auch für ihre Onko-Mädels. So nannte sich eine Gruppe der Krebspatientinnen, die gemeinsam in Therapie waren und ihre Krebsmedikamente aus der Bottroper Apotheke erhalten haben. Inzwischen sind einige der Frauen aus der Gruppe verstorben. „Mich hält dieser Kampf aufrecht. Das tue ich auch für meine Mädels, die gestorben sind, und für deren Angehörige“, sagt Heike Benedetti.

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