100 Jahre Bottrop

Bottroper lesen 100 Geschichten zum 100. Stadtgeburtstag vor

Die Koordinatorinnen des Literaturprojektes „100 Jahre - 100 Geschichten“: Sandra Urban, Daniela von Bremen, Gabriele Kühlkamp, Dietlinde Kamp-Kalus, Dagmar Kaplan, Monika Liebl und Eveline Siegert (von links)

Die Koordinatorinnen des Literaturprojektes „100 Jahre - 100 Geschichten“: Sandra Urban, Daniela von Bremen, Gabriele Kühlkamp, Dietlinde Kamp-Kalus, Dagmar Kaplan, Monika Liebl und Eveline Siegert (von links)

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Die Bottroper Lesepatinnen gehen zum Vorlesen auch an Orte, an denen nicht jeder sofort an Literatur denkt. Was sie damit erreichen möchten.

100 Geschichten lesen die Bottroper Lesepatinnen und Lesepaten vor, und das in einer Woche. Wenn da nicht das versprochene Vorlese-Fieber ausbricht in den sechs Tagen von Montag, 4. November bis einschließlich Samstag, 9. November, wann dann? „Coole Orte“ haben sich die Paten für ihre konzertierte Aktion aus Anlass des 100-jährigen Bestehens der Stadt ausgewählt, erklärt Koordinatorin Eveline Siegert, jedenfalls lesen sie ihre 100 Geschichten für Kinder und Erwachsene auch an solchen Orten vor, an denen das Lesen sonst nicht im Vordergrund steht. Der Eintritt zu allen öffentlichen Lesungen ist frei.

So werden etwa im Sonnenstudio Sun King an der Gladbecker Straße, im Geschäft von Bomm-Radsport an der Johannesstraße oder auch im Gartencenter Hoeren an der Hegestraße Lesungen stattfinden. Zweck des Unterfangens ist es, das Interesse am Lesen zu steigern. „Wir gehen auch an fürs Lesen eher außergewöhnliche Orte, um Leute zu gewinnen, die vielleicht nicht sofort den Bezug zum Lesen haben, die aber die Orte gut kennen“, erklärt Eveline Siegert. Selbstverständlich suchen die Lesepaten aber auch Orte auf, in denen Kunst und Kultur eine Rolle spielen: etwa im Kinderwelt-Raum der Lebendigen Bibliothek oder in der Galerie 7 an der Böckenhoffstraße.

Wilsberg-Autor bringt mörderische Geschichten mit

Hier gibt es mehr Artikel, Bilder und Videos aus Bottrop Beginnen wird die Vorlesereihe am Montag, 4. November, um 19 Uhr mit einem Festakt für geladene Gäste im Kammerkonzertsaal des August-Everding-Zentrums. Der Bottroper Schauspieler und Hörbuchsprecher Daniel Drewes wird durch den Abend führen. Die Lesung wird das erfolgreiche Krimiautoren-Ehepaar Sandra Lüpkes und Jürgen Kehrer bestreiten. Unter dem Titel „Was sich liebt, das killt sich“ erzählen sie mörderische Geschichten, auch Kehrers Fernsehserienheld Wilsberg kommt dabei womöglich vor. Vorher wird die Dortmunder Literaturwissenschaftlerin Gudrun Marci-Boehnke in ihrem Vortrag erklären, warum Vorlesen mehr ist, als Geschichten hörbar zu machen.

Auch Oberbürgermeister Bernd Tischler wird zu dem Festakt erwartet. Er möchte den Lesepatinnen und Lesepaten für deren Engagement danken. „Im Stillen leisten sie großartige Arbeit, die das soziale Miteinander stärkt und wichtige Werte vermittelt“, hebt der Oberbürgermeister in seinem Grußwort zu der Vorlesewoche hervor. Gerade das Vorlesen für Kinder sei ein besonders wichtiger Faktor beim Erlernen von Sprache sowie bei der Förderung der Lesefreude, hält Bernd Tischler fest.

Ein Bottroper und die furchtlosen Zwei von Bahnsteig 3

Die Lesepatinnen in den Blickpunkt zu rücken, ist auch ein weiteres Ziel der konzertierten Vorleseaktion. Mehr als 90 Lesepaten bringen sich ein, die älteste Patin ist Mitte Achtzig, die jüngste 23 Jahre alt. Auch Teenager lesen schon mal vor, aber nur zu Sonderveranstaltungen. „Wer weiß das schon in Bottrop? Wir haben alle das gleiche Ziel: Durch Vorlesen neue Welten zu erschließen“, sagt Koordinatorin Gabriele Kühlkamp. Über die Schulen und Kindergärten, in denen die vielen Patinnen vorlesen, hinaus sei das Engagement nicht sonderlich bekannt, erklärt auch ihre Kollegin Dietlinde Kamp-Kalus. Außer für die Lebendige Bibliothek bringen sich Lesepatinnen während der Aktionswoche auch für die Ehrenamtsagentur, den Sieben-Freunde-Verein, den mobilen Leseclub des Spielmobils und der Integrationsagentur ein.

In der Broschüre, die die Stadt zu dem Literaturprojekt zum Stadtjubiläum herausgibt, sind daher auch alle Lesepatinnen von A wie Erika Arendsen bis Z wie Annegret Zeiger aufgeführt. Die elf Männer im Kreis der Lesepatinnen sind eine ziemlich kleine Minderheit, in der Vorlesewoche bringt sich aber zum Beispiel auch der Bottroper Kinderbuchautor Joachim Friedrich ein. Er liest am Freitag, 8. November, ab 10.30 Uhr im Kinderwelt-Raum der Lebendigen Bibliothek. Joachim Friedrich stellt dann Billy und seinen Kumpel Pommes vor. Im Titel seines Buches nennt er sie auch „die furchtlosen Zwei von Bahnsteig drei“.

Weitere Lesepaten sind übrigens sehr gefragt. „Manchmal muss der Held einfach ein Mann sein“, sagt Gabriele Kühlkamp dazu. Also nur zu, meine Herren, wenn das keine Perspektiven sind.

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