Weltmeisterschaft

Bottroperin tritt an bei der WM im Unterwasser-Rugby

Das Anschwimmen, sozusagen der Anstoß im Unterwasser-Rugby. Die Bottroperin Lisa Morawietz trägt die Nummer 4 auf dem Badeanzug.

Das Anschwimmen, sozusagen der Anstoß im Unterwasser-Rugby. Die Bottroperin Lisa Morawietz trägt die Nummer 4 auf dem Badeanzug.

Foto: Jörg Oertel

Bottrop.  Lisa Morawietz gehört zum deutschen Unterwasser-Rugby-Team. Das will in Graz seinen Titel verteidigen. Die Bottroperin hat sich viel vorgenommen.

Wenn alles gut läuft kommt Lisa Morawietz übersät mit blauen Flecken und einer Goldmedaille aus Graz zurück. Denn dort in der steirischen Landeshauptstadt beginnt am Freitag die Weltmeisterschaft im Unterwasser-Rugby, und die Bottroperin Lisa Morawietz gehört zum deutschen Frauen-Team. Die Goldmedaille wäre am Ende der Lohn für die Titelverteidigung der deutschen Damen. Die blauen Flecken dagegen wären ein Zeichen dafür, dass die Bottroperin möglichst viel Unterwasserzeit gesammelt hat. Denn auch wenn die 29-Jährige sagt, dass beim Unterwasser-Rugby gar nicht so viele Verletzungen passieren, blaue Flecken und Ratscher gehören dazu. Das hat zu Schulzeiten sogar schon zu Missverständnissen geführt.

„Ich hatte einen Sportlehrer, der hat die vielen blauen Flecken auf den Armen gesehen und gefragt, ob zu Hause alles in Ordnung sei.“ Das konnte Lisa Morawietz damals ohne Weiteres bejahen und für die vielen Male eine gute Erklärung liefern. „Ich fand es ja auch echt gut, dass er gefragt hat“, sagt die Mitarbeiterin der Kulturwerkstatt. Doch richtig schwere Verletzungen kämen eher selten vor. „Ich habe vorher Handball gespielt, da passiert mehr.“

Der Vater hat sie zum Unterwasser-Rugby gebracht

Seit 15 Jahren spielt sie inzwischen Unterwasser-Rugby, ihr Vater hat sie dazu gebracht, er spielt schon lange beim DUC Bottrop. „Ich war dann schon als Kind regelmäßig mit beim Training, habe Schwimmen gelernt und meinen Tauchschein gemacht. Und irgendwann wollte ich nicht mehr nur Fische beobachten.“ Also ist sie mit ins Becken gestiegen und spielt seither im gemischten Team des DUC Bottrop in der zweiten Liga und tritt für den FS-Duisburg – ein reines Frauen-Team – in der Bundesliga an. Und nun folgen in Graz hoffentlich viele Spiele in der Nationalmannschaft. Für die ehrgeizige Bottroperin erfüllt sich damit ein lang angestrebtes Ziel.

Bei der letzten WM in Kolumbien ist sie noch knapp an der Nominierung gescheitert, den Titel holten die Frauen damals noch ohne Lisa Morawietz. 15 Frauen hat der Trainer damals nominiert, die Bottroperin lag auf Rang 16. „Da hatte ich dran zu knabbern, weil man ja für so einen Traum alles gibt und auch viel Freizeit und Geld für den Sport opfert.“ Am Ende aber siegte der Ehrgeiz und nun steht die Abreise nach Graz bevor. Am Mittwoch geht es los.

Die eigene Ausrüstung kommt mit nach Graz

„Ich habe schon angefangen zu packen.“ In Gedanken gehe sie auch immer wieder die Packliste durch, schließlich muss vor allem die Ausrüstung mit – also die eigenen Flossen und die Tauchermaske. Während für Anfänger ein einfaches Paar Taucherflossen ausreicht, setzen die Wettkämpfer auf Flossen aus Glasfasern. Da kostet ein Paar dann auch mindestens das Dreifache. Geld, das die Sportlerinnen selbst aufbringen müssen, denn Sponsoren gibt es kaum. Es sei sogar jetzt noch nicht einmal klar, ob die Spielerinnen nicht auch noch bei der WM Geld mitbringen müssen. Noch sei nämlich nicht geklärt, wer die Kappen zahlt, sagt Lisa Morawietz.

Vier Meter tief ist das Becken, in dem die Wettkämpfe stattfinden, immer sechs Spielerinnen sind im Wasser, auf der Bank sitzen noch einmal so viele. Sie müssen den Ball – er ist gefüllt mit Salzwasser und sinkt im Becken – in den Korb des Gegners befördern. Das ist Lisa Morawietz’ Hauptaufgabe, sie spielt im Sturm. „Wir sind aber auch die ersten, die den Gegner bei Ballbesitz angreifen.“ Gespielt wird über zweimal 15 Minuten.

Unterwasser-Rugby wird im Raum gespielt

Die besondere Schwierigkeit ist eben, dass Unterwasser-Rugby quasi im Raum gespielt wird, dreidimensional. Der Gegner kann also aus allen Richtungen kommen. Doch auch wenn es für Außenstehende nicht so leicht erkennbar ist, auch beim Unterwasser-Rugby gelten Regeln. So darf nicht an Ausrüstung und Kleidung gezerrt werden. Darüber wachen zwei Schiedsrichter – die tragen Sauerstoffflaschen, während die Spieler durch einen Schnorchel atmen.

Lisa Morawietz hofft nun, dass alles glatt geht und die Titelverteidigung, die sich das Team vorgenommen hat, auch gelingt. Samstagmorgen um 10 Uhr steigt das erste Spiel der deutschen Damen gegen Spanien. Unterstützt wird sie vor Ort von der Familie und ihrem Freund. Und anders etwa als in Bottrop, wo Zuschauer bei Spielen tatsächlich selbst auch tauchen müssten, können die Schlachtenbummler die WM-Spiele im Bad auf Großleinwänden verfolgen, außerdem werden sie im Internet übertragen.

Mehr Infos zur WM und die Live-Spiele auf: www.worldchampionship2019.com

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