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Bottroperin Vanessa Vohs berichtet von ihrem Israel-Semester

Vanessa Vohs (rechts) mit ihrer jüdischen Freundin Omer. Mit ihr unternahm die Bottroperin zahlreiche Ausflüge. Omer lud Vanessa sogar zu einer Sabbatfeier bei ihrer Familie ein. Im Sommer dieses Jahres möchte Omer nach Deutschland kommen und die Heimat von Vanessa kennen lernen.

Vanessa Vohs (rechts) mit ihrer jüdischen Freundin Omer. Mit ihr unternahm die Bottroperin zahlreiche Ausflüge. Omer lud Vanessa sogar zu einer Sabbatfeier bei ihrer Familie ein. Im Sommer dieses Jahres möchte Omer nach Deutschland kommen und die Heimat von Vanessa kennen lernen.

Foto: Repro: Heinrich Jung

Bottrop.  Ihr Freiwilliges soziales Jahr verbrachte Vanessa Vohs in Südamerika. Jetzt kehrte sie zurück von einem Auslandssemester in Israel.

Wer an das Westjordanland oder an den Gazastreifen denkt, hat sofort Bilder im Kopf. Bilder von Raketen, Luftangriffen, Verletzten und Toten beherrschen die Schlagzeilen. Nach Jahrzehnten ist der Konflikt zwischen Israel und Palästina weiterhin ungelöst. Die Bottroperin Vanessa Vohs war bis vor wenigen Tagen im Nahen Osten und absolvierte an der Hebräischen Universität in Jerusalem ein Auslandssemester.

Zurück in Deutschland macht sie einen kurzen Besuch in der Heimat, um Familie und Freunde zu treffen. Bevor es wieder zum Studium an die Technische Universität Dresden geht. Der Pflichtbestandteil ihres Studiengangs „Internationale Beziehungen“ beinhaltete ein Semester im Ausland. Ganz bewusst entschied sie sich für Israel und für die Partneruniversität in Jerusalem. Fernab von Medienberichten wollte sie sich selbst ein Bild vor Ort machen. „Ich habe versucht, die Komplexität dieses Konflikts zu verstehen“, sagt Vanessa Vohs.

Zusammenleben von Christen, Juden und Moslems

Von Oktober bis Anfang Februar lernte sie die Region hautnah kennen, sprach mit vielen Menschen und tauchte ein in die Kultur und das Zusammenleben von Christen, Juden und Moslems. Jerusalem spielt hierbei eine zentrale Rolle. Gläubige dreier Weltreligionen leben dort Tür an Tür. Jerusalem wird sowohl von Israel als auch von den Palästinensern als Hauptstadt eines möglichen künftigen Staates beansprucht.

Vanessa Vohs wohnte während ihres Aufenthalts in einem Studentenwohnheim, nur 15 Minuten zu Fuß vom Campus entfernt. Sie berichtet von strengen Sicherheitskontrollen beim Zugang auf das Gelände. „Rucksäcke wurden kontrolliert und der Studierendenausweis musste vorgezeigt werden“, sagt sie. Als „aufgeschlossen, hilfsbereit und freundlich“ bezeichnet sie die Bevölkerung. Nahezu niemand hätte Vorurteile gegenüber ihrer deutschen Herkunft gehabt.

Die einzige Ausländerin im Team

Sie knüpft schnell Kontakte zu Kommilitonen. Bei der SGS Essen spielte sie früher Fußball im Verein, an der Universität trifft sie auf eine Futsal-Mannschaft. „Ich war die einzige Ausländerin im Team“, sagt Vanessa Vohs lächelnd. Auch neben dem Platz trifft sie Menschen, mit denen sie auch nach ihrer Rückkehr nach Deutschland weiterhin Kontakt hält. Ihre jüdische Freundin Omer lädt sie sogar zu sich und ihrer Familie zu einer Sabbatfeier ein. Diese Gastfreundlichkeit hinterlässt Spuren. Denn für Mai dieses Jahres ist der Gegenbesuch geplant. Omer möchte nach Deutschland kommen und Vanessas Heimat kennen lernen.

Neben ihren Kursen an der Universität bleibt Zeit, das Land zu bereisen - abseits von touristischen Pfaden, manchmal auf eigene Faust oder mit Freunden. Ohne Reiseführer macht sie sich auf den Weg. Vielmehr lässt sie sich treiben von den Eindrücken und Begegnungen. Rückblickend beschreibt sie ein wunderschönes Land mit jahrhundertealter und bewegter Geschichte. So begab sie sich zum Beispiel auf den Jesus Trail, einem Pilger- und Wanderweg zwischen Nazareth und dem See Genezareth.

Plötzlich flogen Steine

Nur einmal habe sie die Auseinandersetzungen zwischen Israelis und Palästinensern gespürt. Es war auf der Rückfahrt von Nablus am Stadteingang von Ramallah im Westjordanland. Beide Städte befinden sich in den Palästinensischen Autonomiegebieten. US-Präsident Donald Trump hatte zuvor mit dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu einen neuen Nahostplan vorgelegt, den die Palästinenserführung wütend ablehnte. Dadurch wurden die Spannungen in der Region noch einmal verschärft. Militär war auf den Straßen unterwegs.

Vanessa Vohs saß in einem Bus, als es passierte: „Plötzlich wurden israelische Soldaten von Palästinensern mit Steinen beworfen“. Sie selbst sah den Angriff aus dem Fenster, habe die Situation aber nicht genau einschätzen können und sei im Bus weiter vorbeigefahren. „Das war der einzige richtige Konflikt, den ich während der Zeit erlebt habe“. Ansonsten habe sie sich sehr sicher gefühlt, teilweise sogar sicherer als in Deutschland.

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