Pandemie

Corona trifft Bottroper Tattoo-Studio mitten ins Herz

Achim Knoblauch, hier mit Gabriele Skock, betreibt seit 27 Jahren das Amok-Tattoo-Studio in Bottrop. Wegen der Corona-Maßnahmen musste er sein Studio im März schließen und konnte erst Ende Mai wieder öffnen.

Achim Knoblauch, hier mit Gabriele Skock, betreibt seit 27 Jahren das Amok-Tattoo-Studio in Bottrop. Wegen der Corona-Maßnahmen musste er sein Studio im März schließen und konnte erst Ende Mai wieder öffnen.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Achim Knoblauch von „Amok Tattoo“ freut sich über Wiedereröffnung, ärgert sich aber über den Umgang der Landesregierung mit seinem Berufsstand.

Achim Knoblauch darf endlich wieder tätowieren. Knapp neun Wochen war sein „Amok-Tattoo“-Studio an der Gladbecker Straße geschlossen. Der Ausbruch der Corona-Pandemie und die folgende Schließung des Geschäfts brachten ihn an den Rand der Existenz. Von heute auf morgen fehlten die Einnahmen.

Seit dem 25. Mai dürfen sich die Kunden wieder Tattoos von ihm stechen lassen – jedoch unter Auflagen. Nur alleine darf ein Kunde das Studio betreten. „Es gibt keinen Publikumsverkehr mehr. Wir holen die Leute an der Eingangstür ab“, sagt der Studio-Inhaber. Wenn der Kunde eingetreten ist, muss er sich zuerst die Hände desinfizieren. In jedem Raum befinden sich Desinfektionsspender. Es gilt Maskenpflicht.

Besucher können nicht mehr spontan vorbei kommen

Spontane Besuche von Kunden, wie sie früher üblich waren, gehören in Zeiten von Corona der Vergangenheit an. Die Sitzecke rechts vom Eingang und die Barhocker am Empfang sind gesperrt. Dafür sorgt rotweißes Absperrband. Plexiglasscheiben sind als Spuck- und Niesschutz zusätzlich am Empfang befestigt worden. Vorgespräche und Tattoo-Termine sind nur telefonisch oder über den Messenger-Dienst bei Facebook möglich. Die Kontaktdaten der Kunden (Name, Telefonnummer, Adresse, Uhrzeit des Termins) müssen dokumentiert werden.

Nach der ersten Woche der Wiedereröffnung ist bei „Amok-Tattoo“ wieder Normalität eingekehrt. Viele Termine mit Kunden stehen an. Es gibt jedoch weitere Neuerungen zu beachten: Der Kunde muss zum Tattoo-Termin einen eigenen Mund-Nase-Schutz mitbringen. Auch wenn er tätowiert wird, muss er die Maske die ganze Zeit aufbehalten. Ganz gleich, wie lange die Sitzung dauert. Knoblauch schützt sich doppelt - mit Mund-Nase-Schutz und zusätzlichem Visierschutz auf dem Kopf. „Umso besser ich mich schütze, desto besser kann ich auch den Kunden schützen.“

Angesprochen auf die NRW-Landesregierung kriegt der Bottroper einen dicken Hals

Er hat in seinem Job schon vieles erlebt und versteht sein (Kunst-) Handwerk. Seit fast 25 Jahren befindet sich sein Tattoo-Studio an der Gladbecker Straße. Als Ruhrpottler trägt er sein Herz auf der Zunge. Und deshalb bekommt er einen dicken Hals, wenn er auf die Corona-Lockerungen der NRW-Landesregierung angesprochen wird. Deren Umgang mit den Tattoo-Studios kann er, auch mit Blick auf seine Berufskollegen in Bottrop und Nordrhein-Westfalen, nicht nachvollziehen. „Was haben wir Tätowierer eigentlich verkehrt gemacht?“, fragt er verärgert. „Vielleicht mag Herr Laschet keine Tattoos.“

In allen anderen Bundesländern hatten die Studios jedenfalls früher auf. Als letztes Bundesland entschied sich Nordrhein-Westfalen für eine Wiedereröffnung. Für die NRW-Studios sollten zunächst Konzepte erarbeitet werden, um Kunden und Mitarbeiter vor einer Infektion zu schützen.

Hygienevorschriften gehörten schon vor Corona zum Arbeitsalltag im Tattoo-Studio

Richtig sauer machten ihn Bilder, die Anfang Mai genau in jener Zeit in den sozialen Netzwerken die Runde machten. Die Aufnahmen zeigten meterlange Warteschlangen bei der Wiedereröffnung der Zoom-Erlebniswelt in Gelsenkirchen. Viele der Besucher standen wartend vor dem Eingang eng beieinander und trugen teils keine Schutzmasken. „Da packe ich mich wirklich an den Kopf“, ärgert sich Knoblauch. Denn zeitgleich befanden sich er und seine Kollegen weiterhin in der beruflichen Zwangspause. Auch Friseure und Kosmetikstudios durften ihre Geschäfte eher öffnen als Tattoo-Studios.

Warum ausgerechnet Tätowierer nachsitzen mussten, bleibt für ihn ein Rätsel. Denn in seiner Branche würden schon vor dem Ausbruch der Pandemie seit Jahren hohe Hygienevorschriften gelten. „Wir haben immer steril gearbeitet“, sagt Knoblauch, der seit mehr als 25 Jahren als Tätowierer tätig ist. Einmalprodukte wie Nadeln sind grundsätzlich neu und eingeschweißt. Handschuhe werden nur einmal benutzt und Stühle müssen beim Tattoo-Termin mit Plastikfolien bedeckt werden. Und Desinfektion und Sauberkeit gehören bei jedem professionellen Tätowierer seit jeher zum Alltag.

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