Dreharbeiten

Dieser Partykeller aus Bottrop ist reif fürs Fernsehen

Rainer Neuwirth am Herzstück seines Partykellers. Das ist natürlich die Theke.

Rainer Neuwirth am Herzstück seines Partykellers. Das ist natürlich die Theke.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Ein Fernsehteam drehte für eine ZDF-Dokumentation bei Rainer Neuwirth in Bottrop. Sein Partykeller gleicht einer Kneipe aus den 1970er-Jahren

Rainer Neuwirth hat den schönsten Partykeller von Bottrop, wenn nicht sogar von Deutschland. Dieses Schmuckstück von 25 Quadratmetern kommt bald für eine Dokumentation über deutsche Partykeller ins Fernsehen. Am Samstag drehte ein TV-Team für das ZDF zunächst mit ihm ein Interview und abends noch im Partykeller das Klassentreffen seines Abschlussjahrgangs der Jungen-Realschule, heute Gustav-Heinemann-Realschule, von 1974.

Der Dreh beginnt um 9.30 Uhr. Im Keller am Nibelungenweg ist das TV-Team mit Kameramann, Tonfrau und Interviewerin einsatzbereit. Entspannt sitzt der 61-Jährige auf einem seiner Barhocker und erzählt episodenreiche Geschichten. Er erinnert sich an viele Partys in den 70er- und 80er-Jahren und an ebenso viele gesellige Abende. In jener Zeit hat man sich noch bei Gesellschaftsspielen miteinander vergnügt. „Es war teilweise echt unsinniges Zeug, aber nach ein paar Bierchen und Schnäpschen machten die Spiele irgendwie Sinn“, erzählt er lächelnd.

Partygäste halfen beim Aufräumen

Wer bei ihm im Keller feierte, bewies Ausdauer, Stehvermögen und kam mit Freude wieder. „Das Schöne war“, sagt Neuwirth, „wenn die Gäste um 3 Uhr gingen, standen sie um 10 Uhr wieder alle auf der Matte und haben beim Aufräumen geholfen.“ Bei der Hilfe sollte es jedoch nicht bleiben. Die Party ging in die Verlängerung. „Auch die Reste vom Vorabend wurden gegessen und getrunken.“ Diese Zeiten seien allerdings lange vorbei.

Eine der besten Partys ereignete sich Anfang der 80er-Jahre. An diesen Tag, es war eine Rosenmontagsparty, würden sich seiner Meinung nach noch immer alle erinnern, die dabei waren. Die Stimmung war ausgelassen. Ein anwesendes Pärchen konnte nicht die Finger voneinander lassen. Weiterer und engerer Körperkontakt nicht ausgeschlossen. „Wir hatten schon Sorge, dass die hier irgendwo auf der Sitzbank landen“, scherzt Neuwirth.

Jungs flirteten mit den Mädchen aus der Nachbarschaft

Über Jahre hinweg wird die Nacht zum Tag gemacht. Die Jungs flirteten im Überschwang der Gefühle mit Mädchen aus der Nachbarschaft. Zu den Klängen von Rock- und Popmusik wurden flotte Sohlen auf dem Tanzboden hingelegt. Damals sah der Partykeller noch anders aus. Die Wandverkleidung bestand aus Paneelen in einem Farbton aus Eichenholz. Oberhalb waren Blenden befestigt, dahinter befanden sich Neonröhren. „Der ganze Raum war völlig gleichmäßig mit Neonröhren ausgeleuchtet“, sagt Neuwirth. „Das war schrecklich.“

Also musste eine Veränderung her. Mit Ehefrau Mechthild, Nachbarn und Freunden machte er sich ans Werk, um den Partykeller, den einst seine (Schwieger-)Eltern dekoriert und ausgestattet hatten, aus dem Dornröschenschlaf zu wecken. „Wir haben den Raum nach und nach aufgepäppelt im Stil einer Kneipe in den 70er-Jahren“, erklärt Neuwirth. Alles ist echte Handarbeit. Die Wandverkleidung wirkt mit dem Holzfarbton Erle deutlich heller. „Wir wollten einen gemütlichen Raum mit warmen Farben schaffen.“ An den Wänden hängen Barspiegel, Schallplatten, Bilder von Musikern wie den Beatles. Bunte Lichtkugeln an der Decke sorgen wenn nötig für Disco-Stimmung.

„Neuwirths Light Rock Café“

Mit viel Liebe zum Detail wurde der Partykeller eingerichtet. Links auf dem Tresen steht sogar ein schwarzes Telefon aus Bakelit mit Wählscheibe, Kabel und Hörer. Der Gast weiß sofort, wo er sich befindet. Über der Theke hängt ein Schild mit der Aufschrift „Neuwirths Light Rock Café“. Eine Jukebox liefert hierfür die richtige Musik. „Rock und Pop der 60er- und 70er-Jahre“, sagt der gebürtige Bottroper. Für den kleinen Hunger gibt es einen Automaten, gefüllt mit Erdnüssen. Und in einer Ecke steht ein Flipperautomat.

Der Lieblingsplatz der Gäste, nämlich die gemauerte Theke, erfüllt noch immer ihren Zweck. „Das Herzstück des Partykellers“, wie Neuwirth betont. Am Abend steigt die große Party zum Klassentreffen mit „15 bis 16 Jungs um die 60“, wie der 61-Jährige voller Vorfreude sagt. So viel Auswahl an Speisen und Getränken wie einst als Jugendlicher in den 70er-und 80er-Jahren kommen nicht auf den Tisch. „Keine Mixgetränke, keine Salate, keine Nudeln. Nur Pizzas und ein paar Kisten Bier. Mehr nicht.“

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