Doppelausstellung

Eine Hommage an die Weisheit der Hochbetagten

Ausstellung „Jahrhundert-Menschen“ zum 100-jährigen Stadtjubiläum im Kulturzentrum. Auf den Fotos von Petra Lamers und Angelika Schilling sind zu sehen (v.l.): Anna Krüger, Anna Eichmann und Maria Knaup.

Ausstellung „Jahrhundert-Menschen“ zum 100-jährigen Stadtjubiläum im Kulturzentrum. Auf den Fotos von Petra Lamers und Angelika Schilling sind zu sehen (v.l.): Anna Krüger, Anna Eichmann und Maria Knaup.

Foto: Joachim Kleine-Büning

Bottrop.  Mit „Jahrhundert-Menschen“ und „Bottrop im Detail“ zeigt das Kulturzentrum zwei besondere Perspektiven auf das Stadtjubiläum 100 Jahre Bottrop.

Bottroperinnen, die so alt sind wie ihre Stadt, zum Teil sogar etwas älter: Zwölf dieser hochbetagten Frauen, die zwischen 1912 und 1919, dem Jahr der Stadtwerdung Bottrops, geboren wurden, widmet die Stadt jetzt eine Ausstellung zum gleichnamigen Projekt „jahrhundert.menschen.bottrop“. Sie ist derzeit im Kulturzentrum zu sehen.

Zwölf unterschiedliche Lebenswege in einem Jahrhundert

Über mehrere Monate haben sich Autoren Mechtild Gabel, Gudrun Potysch-Wieczorek und Robert Walter und die Fotografinnen Petra Lamers und Kulturpreisträgerin Angelika Schilling mit diesen Zeitzeuginnen intensiv auseinandergesetzt. Am Ende dieses ursprünglich vom Stadtarchiv initiierten Projekts steht das, was Bürgermeisterin Monika Budke jetzt bei der Besichtigung „eine Hommage an die Weisheit der Hochbetagten“ nannte: „Hochinteressante Lebensgeschichten und sensible Porträts“. Die Teilnehmerinnen erlebten die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert in all ihren Facetten - wenngleich auch im Mikrokosmos der eigenen Familie und ihrer jeweiligen Wohnorte. Denn nicht alle Frauen wurden, wie die 100-jährige Maria Bergmann, in Bottrop geboren. Sie alle erlebten aber Beginn und Ende der Weimarer Republik, die NS-Diktatur, die ihr Land später in den Weltkrieg trieb. Maria Bergmann erinnert sich an Bombennächte in Bottrop, die sie mit zwei kleinen Töchtern zwischen Trümmern und Bunkern erlebte.

Die 100-jährige Anna Krüger erzählt im Interview ihre Fluchtgeschichte, die sie nach dem Krieg nach Bottrop führte, zunächst in ein Auffanglager. Sie erinnert aber auch an den nachfolgenden Aufschwung und wie ihr Bottrop seither zur Heimat wurde.

Vier Teilnehmerinnen sind kurz nach Beendigung des Projekts verstorben. Ihre Erinnerungen bleiben aber in dem schön gestalteten Katalog und den eindringlichen Schwarzweißfotos von Petra Lamers und Angelika Schilling lebendig.

Farbig wird es in der parallel dazu im Kulturzentrum gezeigten Fotoschau „Bottrop im Detail“.

Farbiges Kontrastprogramm

Zu sehen sind alle 218 Fotos, die 91 Teilnehmer für die große Panorama-Ausstellung am Bunker Eigen eingereicht haben. Was in luftiger Höhe über dem Ortsteil schwebt, lässt sich in der Ausstellung im Kleinformat noch einmal aus der Nähe betrachten.

Selbst eingefleischten Bottroperinnen und Bottropern wird sich dabei so manches Stadträtsel auftun. Denn nicht immer lassen sich die Details so leicht zuordnen, wie die auf dem Rücken gefalteten Hände der Bronzefigur von „Knubbel Postberg“, die blumengleichen Gewölbekappen der Batenbrocker Josephskirche oder eine Gesichtshälfte der neuen Humboldt-Büste im Stadtgarten.

Beide Ausstellungen rücken so noch einmal auf ganz unterschiedliche Weise das Jubiläum 100 Jahre Stadt Bottrop ins Bewusstsein.

Dauer und Öffnungszeiten

Die Doppelausstellung in der Städtischen Galerie im Kulturzentrum August Everding, Blumenstraße 12-14, 46236 Bottrop, ist bis Samstag, 19. Oktober, zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag, 9 bis 20 Uhr und samstags von 9 bis 12 Uhr. Der Eintritt zu beiden Ausstellungen ist frei.

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