Krebsmittel-Prozess

Finanzermittler listet Vermögenswerte des Apothekers auf

Am 21. Verhandlungstag gegen den Bottroper Apotheker ging es um sichergestellte Vermögenswerte und um medizinische Gutachten, die die Verteidiger von Peter Stadtmann anzweifeln. Unser Bild zeigt den Angeklagten im Kreis seiner Anwälte an einem Prozesstag Anfang Dezember.

Foto: Lars Heidrich

Am 21. Verhandlungstag gegen den Bottroper Apotheker ging es um sichergestellte Vermögenswerte und um medizinische Gutachten, die die Verteidiger von Peter Stadtmann anzweifeln. Unser Bild zeigt den Angeklagten im Kreis seiner Anwälte an einem Prozesstag Anfang Dezember. Foto: Lars Heidrich

Essen / Bottrop.   Am 21. Verhandlungstag gegen den Bottroper ging es nicht nur um Finanzen. Seine Verteidiger zweifeln Gutachten an, wollen weitere Experten hören.

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Nüchterne Zahlen über das Vermögen des angeklagten Apothekers Peter Stadtmann sollte der Finanzermittler der Kripo liefern, aber dann rutschte es dem 52-Jährigen doch heraus: „Sehr imposant.“ Er meinte die Eisenbahnanlage im Keller der Millionen schweren Villa in Kirchhellen mit Nachbau von Tetraeder und Skihalle. „Alles computergesteuert.“

Es ging aber am 21. Verhandlungstag im Prozess um die gestreckten Krebsmedikamente nicht um Sozialneid gegen den Angeklagten, sondern um die Vermögenswerte, die von der Justiz gesichert wurden. Damit sollen später die mutmaßlichen Opfer finanziell entschädigt werden.

Ein Dutzend Bilder von Udo Lindenberg

An zwei Durchsuchungen in der Villa des Apothekers nahm der Kripo-Beamte teil. Er erzählt vor der XXI. Essener Wirtschaftsstrafkammer von der Wasserrutsche, die vom Badezimmer im Obergeschoss in den tiefer liegenden Swimmingpool führte.

Von Plastiken renommierter Künstler spricht er, auch von einem Dutzend Bilder Udo Lindenbergs. Und von einem Fitnessraum mit hochwertigen Geräten: „Ein Stepper für dreieinhalbtausend Euro.“

Die Eltern kümmern sich um sein Haus

Während Stadtmann in Untersuchungshaft sitzt, verkommt die Villa keineswegs, sagt der Ermittler: „Seine Eltern kümmern sich seit der Inhaftierung um das Haus.“

Stadtmann steht im Verdacht, teure Krebsmedikamente „aus Geldgier“ unterdosiert zu haben. Als finanziell Hauptgeschädigte gelten die Krankenkassen. Die Anklage schätzt den Schaden auf rund 56 Millionen Euro.

Verteidiger sehen den Beweis für die Unterdosierung als nicht erbracht an

Für die Verteidiger des Apothekers ist der Beweis für die Unterdosierung nicht erbracht. Sie zweifeln zwei bereits erstattete Gutachten an, die mutmaßlich von Stadtmann hergestellte Chemotherapien analysiert und dabei zu wenig Wirkstoffe festgestellt hatten. Jetzt fordert Verteidiger Peter Strüwe die Vernehmung der Pharma-Experten Henning Blume und Fritz Sörgel. Diese werde beweisen, dass die bisherigen Gutachter Analysefehler gemacht hätten. Ob das Gericht dem Antrag nachkommt, wird sich erst später entscheiden.

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