Gedenken an Nazi-Opfer

Gemeinde erinnert an von den Nazis ermordeten Priester

100 Jahre St. Joseph: Am Sonntag gedenkt die Gemeinde des von den Nazis getöteten Kaplans Bernhard Poether, der vor 80 Jahren aus dem Pfarrhaus ganz in der Nähe verschleppt wurde.

100 Jahre St. Joseph: Am Sonntag gedenkt die Gemeinde des von den Nazis getöteten Kaplans Bernhard Poether, der vor 80 Jahren aus dem Pfarrhaus ganz in der Nähe verschleppt wurde.

Foto: Hans Blossey

Bottrop.  Vor 80 Jahren wurde Kaplan Poether von der Gestapo im Pfarrhaus von St. Joseph verhaftet und starb im KZ. Sonntag Gedenkfeier in Bottrop.

Als Kaplan Bernhard Poether am 22. September vor 80 Jahren von der Gestapo aus dem Pfarrhaus von St. Joseph verschleppt wird, ist er noch nicht einmal ein halbes Jahr in der Gemeinde tätig. Seine Seelsorgearbeit für die polnischen Christen ist den nationalsozialistischen Machthabern ein Dorn im Auge, vor allem nach dem Überfall auf Polen, mit dem am 1. September 1939 der zweite Weltkrieg begonnen hat. Damit beginnt der Leidensweg des Priesters, der nur das ausführte, wozu der Bischof von Münster, Clemens-August von Galen, ihn nach Bottrop geschickt hatte.

Wenn sich am Sonntag der Tag der Verhaftung jährt, lädt die Gemeinde von St. Joseph zu einer Gedenkmesse an ihren früheren Priester ein und macht sich danach auch noch einmal auf den Weg zu dem alten Pfarrhaus wo das dreijährige Martyrium des Geistlichen begann. Seit zwölf Jahren erinnert dort auch ein so genannter Stolperstein des Künstlers Gunter Demnig an den Kaplan. „Wir sehen uns heute in der Verantwortung, die Erinnerung an Bernhard Poether in Bottrop aufrecht zu halten, auch das gehört zur Geschichte der Pfarrei, die in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen feiert“, sagt Roberto Giavarra vom Gemeinderat.

Arbeitskreis setzt sich für Seligsprechung ein

Bernhard Poether ist 1939 nur kurz im Bottroper Polizeigefängnis, wo er bereits misshandelt und gedemütigt wird. Danach deportiert ihn das Regime zunächst ins Konzentrationslager Sachsenhausen, wo er bis 1941 in strenger Einzelhaft bleibt. Schließlich kommt er in den so genannten „Priesterblock“ des Konzentrationslagers Dachau bei München, wo er schließlich am 5. August 1942 an den Folgen der Folter und Unterernährung stirbt. Die Urne mit seiner Asche gelangt 1992 in seine Heimatpfarrei St. Clemens in Hiltrup bei Münster. Dort wird er seither besonders verehrt und man setzt sich auch für dessen Seligsprechung ein. Hohes Ansehen für seinen Einsatz für die Ruhrpolen genießt Poether auch im Nachbarland Polen und Papst Johannes Paul II. veranlasst seine Aufnahme in das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts.

Die Feier am Sonntag in St. Joseph gliedert sich in drei Teile. Nach der Messe, die Pfarrer Ewald Spieker aus Hiltrup zelebriert, folgt ein kurzes Orgelkonzert mit dem Osnabrücker Kirchenmusikdirektor Martin Tigges.

Zeitzeugin wird erwartet

Anschließend ziehen die Teilnehmer zum alten Pfarrhhaus von St. Joseph. „Wir freuen uns, dass die alte Dame ihr Kommen zugesagt hat, die als Jugendliche vor 80 Jahren der Gestapo die Tür geöffnet hat und miterleben musste, wie ,ihr’ Kaplan von den Schergen aus dem Pfarrhaus geholt wurde“, sagt Roberto Giavarra. Und ganz sicher wird Ewald Spieker in St. Joseph auch an die Inschrift des Kelches erinnern, den Bernhard Poether bei seiner ersten Messe als Neupriester gebrauchte: „Am Altare muss der Priester stehen, der nicht mit Worten allein, sondern durch die Tat das Volk ermahnt, zu bekennen und Zeugnis anzulegen.“ Spieker setzt sich mit einem Arbeitskreis in Hiltrup für die Seligsprechung Bernhard Poethers ein.

In Batenbrock erinnert nicht nur der Stolperstein an den Geistlichen. Nach ihm ist auch ganz in der Nähe der Bernhard-Poether-Weg benannt.

Der Ablauf am Sonntag

Die Gedenkmesse für Bernhard Poether beginnt am Sonntag, 22. September, um 11.30 Uhr in St. Joseph am Förenkamp in Bottrop-Batenbrock. Es zelebriert Ewald Spieker, Pfarrer von Poethers Heimatgemeinde Hiltrup bei Münster.

Anschließend gibt Kirchenmusikdirektor Martin Tigges (Osnabrück) ein kurzes Orgelkonzert. Danach ziehen alle zum alten Pfarrhaus von St. Joseph, aus dem Bernhard Poether an diesem Tag vor 80 Jahren von den Nationalsozialisten verschleppt wurde.

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