Bildung

Grundschüler verfolgen Experimente an der Hochschule

Prof. Dr. François Deuber zeigt den Kindern Experimente. Hier bereitet er sich darauf vor, mit Brausepulver eine Kerze zu löschen.

Prof. Dr. François Deuber zeigt den Kindern Experimente. Hier bereitet er sich darauf vor, mit Brausepulver eine Kerze zu löschen.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  120 Grundschüler besuchen Vorlesungen und Workshops an der HRW. Die Macher haben sich einiges einfallen lassen, um sie zu beeindrucken.

Eigentlich ist vorlesungsfreie Zeit an der Hochschule Ruhr West (HRW), aber der Hörsaal Nummer vier ist voll besetzt. Drei Dozenten halten nacheinander jeweils fünfzehnminütige Vorträge zu verschiedenen Themen. Die Jungen und Mädchen im Plenum lauschen gespannt oder stellen neugierige Fragen. Was ist da los am Campus Bottrop? Die Antwort: 120 Dritt- und Viertklässler sind zu Gast und erleben hautnah auf spielerische Weise die zweite Auflage der Kinderuni.

Die Premiere im Vorjahr war ein Erfolg. Eine Fortsetzung deshalb nur die logische Konsequenz. „Wir möchten Berührungsängste abbauen und bei den Kindern schon früh, die Begeisterung für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (Mint) wecken“, erklärt Beatrice Liebeheim, Mitarbeiterin im Hochschulmarketing.

Anhand von drei Vorlesungen und an sechs Stationen, an den sie selbstständig kleinere Experimente durchführen können, erfahren sie kindgerecht, was es heißt, ein Mint-Fach zu studieren. Zum Beispiel versuchen sie mit einem Multimeter die Spannung einer Kartoffel zu messen oder erkunden mit einer Wärmebildkamera die elektrischen Geräte in der Mensa.

Große Nachfrage der Grundschulen

Am Hochschulstandort Mülheim wird seit 2017 das Format „HRW Kids“ für Grundschulen aus den genannten Jahrgangsstufen angeboten. Die Teilnahme ist kostenlos, eine Anmeldung vorab erforderlich. Allerdings sei die Nachfrage laut Beatrice Liebeheim groß. Um den Schulen möglichst gerecht zu werden, darf eine Klasse nur einmal teilnehmen. Und damit der Hörsaal nicht aus allen Nähten platzt, ist die Teilnehmerzahl an der Kinderuni begrenzt.


Die Cyriakusschule an der Böckenhoffstraße ist an diesem Tag mit rund 30 Schülern aus den Klassen 4a und 4b anwesend. Zu Fuß ging es morgens vom Treffpunkt an der Schule zum Hörsaal. „Alle waren gespannt und haben sich richtig gefreut“, sagt Claudia Raddatz. Wie die Lehrerin betont, werden zum Unterricht bereits beispielsweise eine Naturwissenschaft AG und eine Experiment AG angeboten. Allerdings stößt die Schule bei bestimmten Versuchen an die Grenzen ihrer Möglichkeiten. Da passt ein solches Angebot von der Hochschule mit der Kinderuni perfekt in den Sachunterricht.

Feuer löschen mit Brausepulver

François Deuber, Professor für Naturwissenschaft an der HRW, zeigt anschaulich wie interessant und aufregend Experimente für Grundschüler sein können. Der Titel seiner Vorlesung lautet: „Feuer löschen mit Brausepulver“. Hierfür benötigt er eine Kerze, ein Päckchen Brausepulver, Wasser, ein Becherglas und ein Stabfeuerzeug. Er vermischt Brausepulver und Wasser im Glas. Dann macht er den Deckel drauf und schüttelt das Gefäß. Anschließend öffnet er den Deckel und hält das Glas in die Nähe der angezündeten Kerze, die auf dem Tisch steht. Und die Flamme geht schlagartig aus.

„Hääää?“, schallt es staunend aus dem Plenum. Das Brausewasser ist jedenfalls mit keinem Tropfen verschüttet worden. Die Lösung des Experiments: Wenn es sprudelt, kommt Kohlensäure in Form von Kohlendioxid aus dem Wasser. „Das Gas kommt wie eine Wolke aus dem Gefäß und legt sich über die Kerze und verdrängt den Sauerstoff“, erklärt Deuber. Die Flamme erlischt.

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