Hochschule in Bottrop

Junge Hochschule wirkt auf Wirtschaft, Nachwuchs und Stadt

Der Neubau der Hochschule Ruhr West an der Ecke Hans-Sachs-Straße /Lützowstraße in Bottrop wurde am 24. Oktober 2014 offiziell eingeweiht.

Der Neubau der Hochschule Ruhr West an der Ecke Hans-Sachs-Straße /Lützowstraße in Bottrop wurde am 24. Oktober 2014 offiziell eingeweiht.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Bottrop.  Fünf Jahre nach Einweihung des Hochschulneubaus in Bottrop blicken Dekan und Wirtschaftsförderin auf die Effekte der HRW auf die Stadt.

Vor fünf Jahren war er noch ein ungewohnter Blickfang: Der Neubau der Hochschule Ruhr West, damals frisch errichtet an der innerstädtischen Verkehrsachse Hans-Sachs-Straße Ecke Lützowstraße, drei moderne Stockwerke hoch und verkleidet mit markanter Kupferfassade. Durch ihn wurde die HRW, bereits vor zehn Jahren gegründet, in der Stadt erst richtig sichtbar, sagt Sabine Wißmann, Leiterin der Wirtschaftsförderung. Zum runden Geburtstag blickt sie mit Dekan Prof. Uwe Handmann darauf, welche Effekte die immer noch junge Hochschule auf die Stadt Bottrop hat.

Spricht Sabine Wißmann über die HRW, fällt gerne auch das Wort Glück. „Vor rund zehn Jahren gab es die Ausstiegsbeschlüsse zur Steinkohle“, daran erinnert die Wirtschaftsförderin zunächst. „Das war für uns in der Stadt der Punkt zu sagen: Jetzt müssen wir in die Hände spucken.“ Um vorbereitet zu sein auf das Bottroper Zechenende.

„Zwei Glücksmomente“: Innovation City und HRW

„Zwei Glücksmomente fielen uns dann in die Hände: der Innovation City Wettbewerb und dass das Land Hochschulstandorte ausgeschrieben hat.“ In beiden Fällen erhielt Bottrop bekanntlich den Zuschlag. In Sachen HRW „kamen wir gut mit Mülheim als größerem Standort zusammen. Bis heute ist das nur noch eine Erfolgsgeschichte.“ Aktuell sind in beiden Städten mehr als 6500 Studierende eingeschrieben; der Bottroper Standort mache ungefähr ein Drittel der Gesamthochschule aus. Eine Erweiterung ist ins Auge gefasst.

Energie und Informatik als relevante Themen

Die Themen am Campus Bottrop – (erneuerbare) Energie, Informatik, Digitalisierung, Künstliche Intelligenz – ziehen nicht nur Studierende und Forschungsprojekte an. Sie entsprächen auch der Geschichte Bottrops und dem Innovation-City-Gedanken. „Es passt zur Stadt“, fasst Handmann zusammen. Bottrop steht aus seiner Sicht heute für Innovation, Dynamik und Moderne. Gemeinsam wirkten Stadt und Hochschule positiv aufs Selbstbewusstsein der Stadtgesellschaft. Das sei ein Prozess.

Der Informatik-Professor ist bis heute froh, dass die Wissenschaftler in die Planung des Neubaus, realisiert vom Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB), eingebunden waren. Das 600 m2 große Technikum zu bekommen, dabei hätte geholfen, von Anfang an Kooperationspartner in der Wirtschaft zu haben. Die Zusammenarbeit mit Autotuner Brabus und Software-Entwickler Celano etwa trage bis heute, betont Handmann.

Kooperationen mit Unternehmen aus der Region

Und die Kooperationen mit Unternehmen aus der Region, etwa bei Praktika, Bachelorarbeiten oder Dualen Studiengängen, sind vorteilhaft für die Wirtschaft vor Ort. „Das hilft, Nachwuchskräfte zu binden“, weiß Handmann. Die Betriebe könnten zudem mit der Hochschule problemlösungsorientiert arbeiten. „Wir ermuntern die Unternehmen immer, Kontakt mit der Hochschule aufzunehmen. Auch die Handwerksbetriebe“, sagt Wißmann, die da noch Potenzial sieht: „Viele nutzen das auch, aber lange noch nicht alle.“

Auch die Schüler können ihren Vorteil aus der Hochschule mit dem am Campus angesiedelten zdi-Zentrum (Zukunft durch Innovation) ziehen. Nicht nur, weil bei entsprechender Neigung das Studium in der eigenen Stadt realisiert werden kann. „Wir haben von Anfang an für uns definiert, dass wir Schülern perspektivisch aufzeigen, wo es langgehen kann“, so Handmann. Und: „Wir aktivieren Potenziale, die wir in den Schulen haben.“ Pro Jahr kämen allein bis zu 3000 Schüler aus der Region an den Standort.

Studierende aus ganz Deutschland

Und was die Studierenden angeht, kämen auch immer mehr aus ganz Deutschland. „Das ist ein zusätzlicher Impuls, der Bottrop gut tut: Dass wir Menschen ausbilden, die herkommen – und nicht weggehen“, findet Handmann. „Was heißt denn Innovation City und Hochschulstandort? Das heißt: Wir sind am Puls der Zeit und attraktiv für von außen Hinzukommende.“ Punktuell seien die Früchte schon zu ernten. In der Informatik zum Beispiel habe sich die Erstsemesterzahl vervierfacht.

Nach außen hin sei die HRW ein „enormer Imageträger für die Stadt“, betont Wißmann. „Auf der Immobilienmesse Expo-Real war ein Interessent, der sich explizit für den Hochschulstandort interessiert hat“, nennt sie ein Beispiel. Und nicht zuletzt sei ja auch die Stadt selbst in Projekten mit der HRW verbandelt, wie beim Prosperkolleg auf Prosper III oder dem Projekt „Emscher-Lippe hoch vier“ für Anwendungen von Digitalisierung in der Arbeitswelt.

Übrigens sehen beide auch die Entwicklung der Gastromeile mit Blick auf die Hochschule.

Studium Generale und Mensa sind für alle offen

Über das Studium Generale, die öffentliche Mensa und Führungen wird zudem versucht, die Stadtgesellschaft mitzunehmen. Handmann: „Bei den Rundgängen gibt es immer mal jemanden, der sagt: Ich wusste gar nicht, dass Bottrop eine Hochschule hat. Aber die Campusführungen sind immer voll. Dass lässt mich schon sicher sein, dass wir wirken in die Stadtgesellschaft. Vielleicht noch nicht in jeden Winkel. Aber es findet sich in Bottroper immer stärker diese Aufbruchstimmung.“

Und Bottroper, die schon ganz selbstverständlich von „unserer Hochschule“ sprechen, wie Wißmann erlebt.

Mindestens einen Wunsch hat die Wirtschaftsförderung aber noch: Ein deutlich sichtbares Schild oder Logo, das die HRW von außen gleich erkennbar macht.

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