Religion

Coronavirus: Bischof feiert Messe im menschenleeren Dom

Bischof Felix Genn feiert Gottesdienst im leeren St.-Paulus-Dom.

Bischof Felix Genn feiert Gottesdienst im leeren St.-Paulus-Dom.

Foto: Ann-Christin Lademann

Münster.  In St. Johannes fallen die Gottesdienste aus. Deshalb überträgt das Bistum Münster jeden Morgen eine Messe aus dem Paulusdom in Münster.

Zum ersten Mal in seiner Zeit als Bischof feiert Genn die Eucharistie im menschenleeren Paulusdom. „Da muss man sich erst einmal dran gewöhnen“, gibt der Bischof zu. Gottesdienste ohne Gläubige sind in diesen Tagen eine Vorsichtsmaßnahme. Zu viele Menschen, zu dicht aufeinander – das soll zur Eindämmung des Coronavirus vermieden werden. Deshalb überträgt das Bistum montags bis samstags um 8 Uhr die Heilige Messe aus dem Paulusdom in Münster und sonntags um 11 Uhr das Hochamt.

Jeden Tag feiert Bischof Genn so wie jeder Priester die Messe. Doch selbst in seiner privaten Hauskapelle ist er fast nie alleine. „Irgendjemand ist immer dabei, ob die Ordensschwestern, die mit mir zusammen im Haus leben, der Kaplan oder Gäste“, sagt Genn. Doch auch wenn im St.-Paulus-Dom fast niemand physisch anwesend ist: Bischof Genn weiß, dass er nicht allein ist. „Die moderne Technik macht es möglich“, ist er dafür dankbar. Seit Montag wird täglich der 8-Uhr-Gottesdienst aus dem Dom im Internet und auf den Social-Media-Kanälen des Bistums übertragen. „Ich spreche nicht in den leeren Kirchenraum, ich bete und singe in Gedanken mit den Gläubigen Zuhause“, betont er. Denn gemeinsam und füreinander beten, gerade in schwierigen Tagen, sei seit frühesten Zeiten ein Grundvollzug des christlichen Glaubens.

Das neue Streaming-Team

Den nötigen Sicherheitsabstand zum Bischof in Zeiten von Corona wahren Johannes Grohs und Jakob Kuhn. Etliche Meter Flur trennen den Abiturienten und den Studenten aus Münster vom Geschehen im Dom. Hoch über der Sakristei sitzen sie vor vier Monitoren, zwei Mischpulten und diversen anderen technischen Geräten. Die beiden jungen Männer gehören zum Streaming-Team des Bistums, das in der Corona-Krise für die Übertragungen aus dem Dom eingerichtet wurde. Auch jetzt, während Bischof Genn im Dom Brot und Wein wandelt, übernehmen sie die Fernsteuerung der vier Kameras, entwerfen Infotafeln und Bauchbinden. „Wir verzeichnen seit Montag deutlich mehr Abrufe als sonst“, sagt Kuhn.

„Bleiben Sie gesund!“

Ein Stockwerk tiefer geht der Gottesdienst zu Ende. Begleitet von einer festlichen Melodie zieht der Bischof aus. „Ohne die Musik würde noch mehr fehlen“, ist sich Genn sicher. Dankbar ist er darum, dass Domkantor Alexander Lauer den Gesang durchs Mikrophon verstärkt hat – auch, um die übers Internetzugeschalteten Gläubigen zum Beten und Singen einzuladen.„Bleiben Sie gesund“, ruft der Bischof Küsterin Gertrude Tiemann beim Abschied in der Sakristei zu.

Küsterin ist auch Messdienerin und Lektorin

Außergewöhnliche Situationen erfordern außergewöhnliche Maßnahmen – auch bei der Küsterin. Sie hat an diesem Morgen den Gottesdienst nicht nur vorbereitet, sondern gleichzeitig die Aufgaben von Messdienerin und Lektorin übernommen. Um die Ausbreitung des Corona-Virus zu verlangsamen und so wenig Leute wie möglich in die Messe einzubeziehen,macht sie das gerne. Aber es fällt ihr nicht leicht, Menschen, die kurz vor 8 Uhr an der Hintertür des Domes klingeln und an der Eucharistiefeier teilnehmen wollen, abweisen zu müssen. „Ich habe schon einige verzweifelte Personen erlebt, die unbedingt in den Dom wollten.“ Gertrude Tiemann verweist dann darauf, dass sie den Dom unmittelbar nach dem Gottesdienst für das persönliche Gebet aufschließt. „Es ist berührend zu sehen, wie viele das Angebot nutzen.“ Und noch während sie den Schlüssel im Schloss herumdreht, weiß sie,dass sie auch heute wieder einigen Betern begegnen wird.

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