Ernährung

Geschäftsidee funktioniert: Süßer Genuss ohne Beschwerden

Kristoffer Schmidt und seine Mutter Vera Schmidt aus Kirchhellen produzieren und verkaufen fructosefreie Lebensmittel.

Kristoffer Schmidt und seine Mutter Vera Schmidt aus Kirchhellen produzieren und verkaufen fructosefreie Lebensmittel.

Foto: Oliver Mengedoht / FUNKE Foto Services

Kirchhellen/Gladbeck.  Die Manufaktur „Tom Krissi’s“ produziert fruktosefreie Lebensmittel für Menschen mit Unverträglichkeit. Der Inhaber kommt aus Kirchhellen.

In Obst, Gemüse, Süßigkeiten und vielen Fertigprodukten steckt Fruchtzucker. Es gibt aber Menschen, deren Darm ab einer bestimmten Menge Fruchtzucker schmerzhaft reagiert und im schlimmsten Fall rebelliert. Kristoffer Schmidt kann ein Lied davon singen. Bei ihm wurde einst eine Fruktose-Unverträglichkeit festgestellt. Vor zwei Jahren gründete er deshalb mit einem Schulfreund das Start-up-Unternehmen „Tom Krissi’s“.

Seit Anfang 2018 produziert er mit seiner Mutter Vera verschiedene Lebensmittel mit wenig oder gar keiner Fruktose und ist mit der Geschäftsidee in eine Marktlücke gestoßen. Fünf verschiedene Fruchtaufstriche (Aprikose, Erdbeere, Pflaume, Schwarze Johannisbeere und Himbeere) sind erhältlich. Eine sechste, nämlich Orange-Limette, ist zurzeit in der Produktion und soll demnächst das Angebot ergänzen.

„Erdbeere ist der Klassiker“

„Erdbeere ist der Klassiker und sehr beliebt“, sagt Vera Schmidt. Verführerisch klingen die gebackenen Küchlein in Gläsern. Kristoffer Schmidt hat sie auf Namen wie Schokomania und Vanilla-Dream getauft. Dazu gesellt sich Mallorquina, ein Mandelkuchen. Keksliebhaber kommen in den Genuss von italienischen Cantuccini, Sandplätzchen, American Cookies oder klassischem Spritzgebäck.

Für die süße Note wird Traubenzucker verwendet. Dieser ist im Geschmack nicht annähernd so süß wie Fruchtzucker, der zumeist in der Lebensmittelindustrie eingesetzt wird.

Der Firmensitz von „Tom Krissi’s ist in Kirchhellen. Aber produziert wird in einem Ladenlokal an der Horster Straße 187 in Gladbeck. Jedoch angefangen hat alles in der Restaurantküche eines befreundeten Kochs. Früh morgens, spät abends oder bei geschlossenem Restaurant durften beide die Küche für ihre Zwecke nutzen. Zunächst kein Problem. Aber mit den Aufträgen wuchsen die Aufgaben. Es gab nicht genügend Platz, um die Zutaten und Produkte zu lagern. „Das war nicht wirklich zielführend“, sagt Vera Schmidt. Danach folgt der Standortwechsel.

2018 kommt der Online-Shop

2018 wird der Online-Shop aus der Taufe gehoben. Nur nach telefonischer Vereinbarung werden die Produkte am Ladenlokal verkauft. Ansonsten läuft das Geschäft über den Shop. „Wir haben Kunden aus Deutschland, Österreich, Niederlande und aus Spanien“, sagt Kristoffer Schmidt.

Die Geschichte des 21-Jährigen als Unternehmer ist noch jung, seine Leidensgeschichte liegt dagegen schon einige Zeit zurück. Ab dem 13. Lebensjahr quält er sich mit den Symptomen herum und kämpft mit den Beschwerden. Mutter Vera geht mit ihm von Arzt zu Arzt. Erst ein Test beim Gastroenterologen bringt die Gewissheit und die Diagnose: Fruktose-Unverträglichkeit. Zu diesem Zeitpunkt ist er 16 Jahre alt.

Fade Alternativen

„Die Alternativprodukte, die auf dem Markt verfügbar sind, hatten einen faden Geschmack“, erinnert sich Kristoffer Schmidt. Nachdem die Köchin des Vertrauens, nämlich seine Mutter, erfolgreich für ihn fruktosefrei gebacken und gekocht hat, reifte in ihm die Idee, anderen Leidensgenossen zu helfen und entschloss sich das Unternehmen zu gründen.

Seit Mai dieses Jahres haben sich Kristoffer und Vera Schmidt an der Horster Straße in den Räumen einer ehemaligen Metzgerei ein eigenes kleines Reich geschaffen. In der Küche verbringen sie beinahe jede freie Minute ihrer Freizeit. Denn beide üben diese Tätigkeit nur nebenberuflich aus. Sie ist selbstständige Unternehmerin, er studiert Betriebswirtschaftslehre an der Uni Duisburg-Essen. Alles wird in Eigenregie übernommen. Eine echte Manufaktur, denn die Herstellung der Fruchtaufstriche und Kekse sowie die Gestaltung und Etikettierung der Gläser, Vertrieb und die Betreuung des Online-Shops – alle Aufgaben teilen sich Mutter und Sohn auf.

Weitere Produkte sind in Arbeit. „Geplant ist die Herstellung von Ketchup. Zurzeit sind wir in der Rezeptentwicklung“, verrät Kristoffer Schmidt. Denn neben Tomaten ist Zucker die Hauptzutat von Ketchup. Ein großes Ziel für die nahe Zukunft: die Belieferung für den Einzelhandel.

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