Wirtschaft

Unternehmer aus dem Dorf machen Karriere und bleiben Freunde

Die Sandkastenfreund Lars Fiele (rechts) und Dominik Burziwoda vor dem Stremmer-Sitz an der Raiffeisenstraße.

Die Sandkastenfreund Lars Fiele (rechts) und Dominik Burziwoda vor dem Stremmer-Sitz an der Raiffeisenstraße.

Foto: OLaf Fuhrmann / FUNKE Foto Services

Kirchhellen.  Dominik Burziwoda und Lars Fiele sind gemeinsam an der Horsthofstraße aufgewachsen. Heute führen sie sehr unterschiedliche Unternehmen.

Bei ihrer Geburt trennten sie im Jahr 1982 20 Minuten und zwei Hauswände. Lars Fiele und Dominik Burziwoda sind an der Horsthofstraße aufgewachsen und seit dem Sandkastenalter dicke Freunde. Bis heute hat die Freundschaft gehalten.

Lars Fiele ist heute in dritter Generation Chef eines mittelständischen Familienbetriebes. Dominik Burziwoda startet gerade im Netz durch mit einer personalisierten Ernährungsberatung, in der eine App eine zentrale Rolle spielt. Unterschiedlicher können Unternehmer kaum aufgestellt sein, oder? Kommt auf die Sichtweise an, sagen beide. Und Lars Fiele sagt: „Unser gemeinsamer Nenner ist Nachhaltigkeit.“

Sie kennen die Kaplan-Xanten-Straße noch als Bolzplatz

Davon später. Zuerst der Rückblick: Fiele und Burziwoda sind an der Johannesschule zur Grundschule gegangen und später zum Vestischen. Sie kennen die Straße An der Sandgrube noch als Sandgrube, das Schwimmbad Am alten Sägewerk und die spätere Kaplan-Xanten-Straße als riesigen Bolzplatz, auf dem die beiden Jungs große Teile ihrer Samstage verbracht haben.

Das Brauhaus kennen sie noch als Bernd-Schnock-Sporthalle mit angeschlossenem Skaterpark. Aus ihrer Handballmannschaft bei der TSG Kirchhellen hat sich ein fester Freundeskreis entwickelt, der sich gegenseitig Trauzeuge und Kindspate steht. Und, auch eine Form von Nachhaltigkeit: „Die Nachkommen der Kaulquappen, die wir in unsere Gartenteiche geschmuggelt haben, quaken da heute noch.“

Banklehre und kaufmännische Ausbildung

„Eigentlich wussten wir beide immer, was wir werden wollten“, sagt Fiele. „Du wolltest Bankkaufmann werden, ich wollte raus in die Welt.“ Folgerichtig hat Burziwoda 2003 eine Ausbildung bei der Sparkasse Essen begonnen, Fiele hat nach einem sehr kurzen Zwischenspiel an der Bochumer Ruhr-Uni seine Diplomkaufmann gemacht an der International School of Management. Damals galt als Erfolgsformel fürs Betriebswirtschafts-Studium: „Kurze Studienzeit und möglichst viele und hochwertige Praktika“, erinnert sich Fiele. Und er hat sich umgesehen in der Welt: Madrid, New York, Indien, Australien.

Auch Kumpel Burziwoda hat auf die Bankausbildung erstmals ein Praktikum in San Francisco draufgesetzt, es folgten Praktika in großen deutschen Unternehmen. Große Unternehmen waren für beide auch bevorzugte Anlaufstellen nach dem Studium: Fiele war Projektmanager für Eon Ruhrgas in London, Burziwoda für die RWE-Tochter Innogy.

Rückkehr in den Familienbetrieb

Lars Fiele kehrte 2010/11 zurück in den Kirchhellener Familienbetrieb Stremmer Sand und Kies, wurde dort 2013 Mitglied der Geschäftsleitung und ist seit September 2017 geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens. Politisch ist Fiele gut vernetzt in der CDU: seit 2015 als Landesvorsitzender des Jungen Wirtschaftsrates und seit 2018 als Sprecher der Sektion Bottrop des Wirtschaftsrates. Zur Feier des 80-jährigen Firmenbestehens kam NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst in Miermanns Scheune.

„Ich hatte im Abi eine Drei Minus und Mathe, aber mit Zahlen umgehen konnte ich immer gut“, sagt Burziwoda (und würdigt Sandra Neumanns Verdienste um diese Abinote). Deshalb wurde er auch Logistik-Chef eines E-Commerce-Unternehmens und machte sich Ende 2016 selbstständig mit seinem E-Health-Unternehmen Perfood. Sein Thema beim Projekt „Million Friends“: personalisierte Ernährungsberatung auf der Basis von Statistiken, Studien und Messungen. Und da kommt die Nachhaltigkeit ins Spiel.

Megaschwarm der Gesundheits-Apps

„Es gibt in Deutschland 35.000 Gesundheits-Apps“, sagt Burziwoda. Wer aus diesem Megaschwarm herausstechen will, muss überprüfbare und nachhaltige Erfolge vorweisen können: „Digitale Gesundheitslösungen müssen messbar und dauerhaft sein.“

Nachhaltigkeit ist auch großes Thema bei einem Familienbetrieb, der sichtbar Einfluss nimmt auf das Lebensumfeld im Dorf, weiß Fiele. „Wir stehen viel mehr im Fokus der Öffentlichkeit.“ Das erzwingt Transparenz und macht Engagement sinnvoll: „Für uns ist es selbstverständlich, dass wir die Vereine vor Ort unterstützen“, zum Beispiel die Werbegemeinschaft beim 2018 neu aufgelegten Dorffest.

Trotz der Unterschiedlichkeit ihrer Unternehmen können die Sandkastenfreunde sich gegenseitig helfen. Fiele berichtet über Mitarbeiterführung, Burziwoda schärft Fieles Blick für die Möglichkeiten in den sozialen Netzwerken und neue Geschäftsmodelle. Was unterscheidet die beiden Freunde? „Dominik ist noch ein Stück analytischer als ich“, sagt Fiele. Und Burziwoda? „Lars trägt viel mehr Verantwortung als ich. Wenn’s bei mir schief geht, mach ich nichts kaputt, was andere Leute über Generationen aufgebaut haben.“

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