140 Jahre Kolpingsfamilie

Kolpingsfamilie: Frauen dürfen erst seit 53 Jahren eintreten

Margit Jung (Sprecherin des Leitungsteams, l.) und Mechtild Grüter (ehemalige Vorsitzende) in der Ausstellung, die die 140-jährige Geschichte der Kolpingsfamilie Bottrop-Mitte Revue passieren lässt.

Margit Jung (Sprecherin des Leitungsteams, l.) und Mechtild Grüter (ehemalige Vorsitzende) in der Ausstellung, die die 140-jährige Geschichte der Kolpingsfamilie Bottrop-Mitte Revue passieren lässt.

Foto: Michael Korte / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Beim Klön-Nachmittag standen 140 Jahre Geschichte der Kolpingsfamilie Bottrop-Mitte im Zentrum. Ausstellung ist Sonntag in Herz Jesu zu sehen.

Die Klön-Nachmittage der Kolpingsfamilie Bottrop-Mitte sind keine lapidaren Plauderstündchen - darauf legt Organisatorin Mechtild Grüter wert. „Für Kaffee, Kuchen und den Austausch von Neuigkeiten gibt es es 20 Minuten, dann geht es zur Sache“, sagt die immer noch resolute ehemalige Vorsitzende der Kolpingsfamilie Mitte. Aktuelle Stadtpolitik, manchmal auch die wirklich große Politik, wechseln sich ab mit Themen, die Kirche und Gesellschaft bewegen. Mit Vorträgen und Diskussionen liegen die Klön-Nachmittage normalerweise ganz auf der Kolping-Linie, die von Anfang an immer auch einen Schwerpunkt auf Bildung setzte - in Bottrop-Mitte nun seit 140 Jahren.

So lange gibt die Kolpingsfamilie Mitte bereits und das wird in dieser Woche besonders gefeiert. Da geht man auch schon mal den Klön-Nachmittag entspannter an. „Erinnerungs-Café“ haben Mechtild Grüter und das Vorstandsteam um Margit Jung und Thomas Wurm den Nachmittag genannt. Und die Seniorenbegegnungsstätte St. Cyriakus ist zur besten Kaffeezeit bestens gefüllt. In Dauerschleife flimmern alte Dias über die Wand. Das Vereinsleben von damals, als man noch katholischer Gesellenverein hieß, steht im Mittelpunkt. Wallfahrten, Ausflüge und Reminiszenzen an unzählige Feiern von Karneval über Nikolaus bis Weihnachten im alten Kolpinghaus. Nostalgie liegt in der Luft.

Seit 53 Jahren werden Frauen aufgenommen

Aber auch die Erinnerung an eine große Zeit katholischen Verbandslebens, das noch bis in die 80er Jahre eine starke Säule in Pfarrei aber auch Kommune war, die damals niemand unterschätzte. Von weit über 400 Mitgliedern in den 50er Jahren - damals nur Männer - sind heute noch 70 aktiv. Zum Klönnachmittag haben sich auch Alwine Kleine-Wilde, Liesel Schweizer, Elsbeth Dohle und Doris Konkel eingefunden. Sie gehörten zu den ersten Frauen, die vor 53 Jahren offiziell Mitglied in der einstigen Männerdomäne werden durften. Damals haben die Männer auf der Würzburger Zentralversammlung die Mitgliedertür für Frauen geöffnet, die oft genug auch ihre eigenen waren.

Das wurde auch Zeit, ist zu hören, als die Damen unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Erinnerungs-Cafés fürs Foto gesucht werden. An die alte Männerherrlichkeit erinnern heute nur noch Fotos, die die Kolpingsbrüder und -schwestern für die kleine Ausstellung zusammengetragen haben, die auch am kommenden Sonntag nach der Jubiläumsmesse um 9.30 Uhr in Herz Jesu zu sehen ist.

Kreditvertrag von 1913

Zu den ältesten Stücken, das Margit Jung aus den Exponaten herausfischt, gehört der Vertrag über einen Kredit von 60.000 Reichsmark, die die Bottroperin Maria Heiermann 1913 dem Gesellenverein geliehen hat. Das schlichte Blatt in Sütterlinschrift trägt die Unterschrift des damaligen Präses Kaplan Kaup. „Der Zinssatz betrug vier Prozent pro Jahr“, entziffert Mechtild Grüter. Heute wäre das super.

Die Wände der Begegnungsstätte bedecken Fotos von Reisen und Wallfahrten der Kolpingsfamilie Mitte aus den letzten Jahrzehnten. Für ältere Bottroper der ehemaligen Innenstadtpfarreien eine Fundgrube für Erinnerungen. Zwischendurch kommen immer wieder ältere Herrschaften herein, die Fotos oder andere Erinnerungsstücke an die alte Kolpingszeit beisteuern.

Bei manchen klingt aber auch das Konzert des Propsteichores vom Sonntag nach, das die Kolpingsfamilie mit ermöglicht hat. Beeindruckend, ergreifend, so das Fazit einiger Besucher (siehe auch Kritik auf waz.de/bottrop). Auch Präses und Propst a.D. Paul Neumann steckt die Aufführung noch in den Knochen. Er hat ausnahmsweise im Projektchor mitgesungen und obwohl er das Stück in vielen Proben in- und auswendig kennengelernt hat, ist ihm die Begeisterung des Auftakts zum Kolpingsjubiläum noch anzumerken.

Neu: Bücher zum Ausleihen

Übrigens: In der Seniorenbegegnungsstätte St. Cyriakus, Paßstraße 2b, organisierte Mechtild Grüter von der Kolpingsfamilie jetzt auch einen Bücherschrank.

Dort können montags, dienstags und donnerstags von 15 bis 18 Uhr Bücher gespendet oder ausgeliehen werden. Bis jetzt wurde das Angebot schon gut angenommen.

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