Gerichtsurteil

Messerattacke auf Ehemann: Vier Jahre Haft für Bottroperin

Der Bottroper Rechtsanwalt Thorsten Rühl mit der Angeklagten zum Prozessauftakt. Die 55-Jährige muss nach der Messerattacke auf ihren Ehemann vier Jahre in Haft.

Der Bottroper Rechtsanwalt Thorsten Rühl mit der Angeklagten zum Prozessauftakt. Die 55-Jährige muss nach der Messerattacke auf ihren Ehemann vier Jahre in Haft.

Foto: Jörn Hartwich

Bottrop / Essen.  Nach 34 Ehejahren geht eine Frau aus Bottrop-Kirchhellen mit einem Messer auf ihren Mann los. Sie muss ins Gefängnis, entscheidet das Gericht.

Nach einer lebensgefährlichen Messerattacke ist eine Frau aus Bottrop-Kirchhellen am Mittwoch zu vier Jahren Haft verurteilt worden. Die 55-Jährige war im Streit auf ihren Ehemann losgegangen. Dass der Mann überlebt hat, war Glück.

Hintergrund der Bluttat war eine Ehe, die – wenn überhaupt – nur in den Anfangsjahren glücklich war. Zweimal hatte die Angeklagte schon die Scheidung eingereicht und war ausgezogen, dann aber doch immer wieder zu ihrem Mann zurückgekehrt. „Sie konnten nicht miteinander, aber auch nicht ohne einander“, sagte Richter Wolfgang Schmitt in der Urteilsbegründung des Essener Schwurgerichts.

Entwürdigende Taten: Katzenkot in den Mund gestopft

Beleidigungen, Alkohol und Gewalt: Es war eine unglückselige Mischung, die zu einem immer größeren Problem wurde, bis hin zu entwürdigenden Taten. Die Angeklagte hatte im Prozess erzählt, dass ihr Mann ihr einmal sogar Katzenkot in den Mund gestopft habe. Das hat auch die Richter „entsetzt“.

Es war die Nacht auf den 2. März 2019, als die Situation schließlich völlig dem Ruder lief. „Da haben Sie komplett die Nerven verloren“, so Richter Schmitt. Es hatte wieder einmal Streit beim Online-Poker gegeben, der Lieblingsbeschäftigung des Paares, das in seiner Freizeit ständig in die virtuelle Welt des Internets abgetaucht ist. „Das Online-Poker wurde zum Lebensmittelpunkt“, hieß es im Prozess.

Die Situation beim Online-Poker eskaliert

Der Ehemann fühlte sich offenbar provoziert, reagierte mit wüsten Beleidigungen. Dann stach die 55-Jährige zu. Zweimal direkt in den Rücken. „Damit endlich Ruhe ist“, wie es vor Gericht hieß. Die Lunge des Opfers kollabierte: Lebensgefahr, Not-Operation.

Dem ersten Entsetzen folgte pure Erleichterung. Auf der Wache hatte die Angeklagte sogar Schlagerlieder gesungen. Kurz vor der Urteilsverkündung stellte sie zwar klar, dass sie sehr bereue, was passiert ist, sagte in Richtung ihres anwesenden Noch-Ehemanns aber auch: „Ich werde nie wieder zu Dir zurückkommen.“ Genau das will der 62-Jährige aber offenbar nicht akzeptieren. Er hatte im Prozess gleich mehrfach klargemacht, dass er seine Frau zurückhaben wolle. Während des Plädoyers der Staatsanwaltschaft weinte er sogar.

Frau muss einen Teil der Strafe in Therapie-Einrichtung verbringen

Die Staatsanwaltschaft hatte die Tat ursprünglich als Mordversuch angeklagt, war davon am Ende aber abgerückt. Das Urteil lautete schließlich auf gefährliche Körperverletzung. Wegen ihrer Alkoholerkrankung muss die Angeklagte einen Teil der Strafe in einer geschlossenen Therapie-Einrichtung verbringen. Frühere Versuche, selbst vom Alkohol loszukommen, waren fehlgeschlagen.

Vorbericht: Mordversuch: Frau sticht Ehemann Küchenmesser in den Rücken

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