Gesundheit

Wie Mediziner helfen, wenn der Darm verrückt spielt

Dr. Markus Peuckert, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie am Marienhospital, gehörte zu den Experten zum Thema Darm beim WAZ-Medizinforum.

Dr. Markus Peuckert, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie am Marienhospital, gehörte zu den Experten zum Thema Darm beim WAZ-Medizinforum.

Foto: Thomas Gödde / FUNKE Foto Services

Bottrop.  Bauchschmerzen und Blut im Stuhl sind nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Darmerkrankungen waren das Thema beim WAZ-Medizinforum in Bottrop

„Wenn der Darm verrückt spielt“ hieß es diesmal beim WAZ-Medizinforum im Marienhospital. Gründe für Beschwerden können vielfältig sein, „vom harmlosen Infekt bis zum Tumor.“ Dass dieses Thema jeden etwas angeht, zeigte der Besucherandrang.

Ein Anzeichen für einen verrückt spielenden Darm können Bauchschmerzen sein. Dr. Markus Peuckert, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Gastroenterologie, erklärte, dass es wichtig sei festzustellen, „wo es weh tut und was die Ursachen sein können“. Der Weg zum Arzt bei Bauchschmerzen sei „unumgänglich“, erklärte Peuckert mit Nachdruck. Sie könnten zum Beispiel hindeuten auf Geschwüre,

Entzündungen oder Darmkrebs.

Erkrankungen machen sich oft auch bemerkbar durch Blut im Stuhl. „Die Ursachen hierfür können sehr unterschiedlich sein“, sagte Peuckert. Häufig komme es etwa zu Rissen im Analbereich und verletzten Polypen, aber auch blutende Tumore können der Auslöser sein. Einige Verletzungen heilen mit der Zeit von selbst, andere benötigen eine Operation.

Ballaststoffe gegen Verstopfung

Viele kennen das Problem der Verstopfung. Meist entstehe diese durch eine zu ballaststoffarme Ernährung und zu wenig Flüssigkeitsaufnahme, so Peuckert. Andere Gründe können aber auch hormonelle Umstellungen wie zum Beispiel beim weiblichen Zyklus sein. Eine Verstopfung werde mit einer Ernährungsumstellung behandelt, so dass mehr Ballaststoffe eingenommen werden. Erst wenn langfristig keine Verbesserung eintrete, würden weitere Maßnahmen ergriffen.

Das Gegenteil der Verstopfung – ist der Durchfall. Es sei wichtig zu unterscheiden, ob es sich um akuten oder chronischen Durchfall handelt, welcher mehr als vier Wochen anhält. Denn der akute Durchfall ist meist erregerbedingt und bedarf höchstens einer Behandlung mit Antibiotika, erklärte der Chefarzt der Inneren. Der chronische Durchfall ist meist das Symptom von Krankheiten wie der Glutenunverträglichkeit Zöliakie, einer Laktoseunverträglichkeit oder der chronisch-entzündlichen Darmkrankheit Morbus Crohn.

Laserchirurgie bei Analfisteln

Unter anderem bei Morbus Crohn kommt es häufig zu einer Fistelbildung im Darm und Analbereich, welche zu großen Beschwerden führen können und geschlossen werden müssen. Denn „unbehandelt können Fisteln besonders gefährlich werden, wenn es zur Verbindung von Darm und Harnblase kommt“, erläuterte Olaf Lantermann, Facharzt für Chirurgie und Oberarzt am Marienhospital.

Mit der Laserchirurgie stellte Lantermann eine spezielle Behandlungsmethode vor, durch welche der Schließmuskel nicht beschädigt wird. Denn in der Vergangenheit sei es bei der Behandlung von Fisteln im Analbereich zum Verlust von Muskulatur gekommen, wodurch es in fast jedem Fall zu einer Inkontinenz kam. Olaf Lantermann stellte die Technik vor, durch welche die Fisteln in einer zweiseitigen Operation geschlossen werden und der Schließmuskel geschont wird.

Schlüsselloch-Verfahren ersetzt großen Bauchschnitt

Der dritte Referent des Abends war Dr. Andreas Gonzales-Abel, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie samt Koloproktologie und Leiter des Darmzentrums am Marienhospital. Dort arbeitet er eng mit Dr. Markus Peuckert zusammen. Gonzalez-Abel erklärte unter anderem die technischen Möglichkeiten bei der Entfernung von Teilen des Darms. Diese werde zum Beispiel nötig bei Fällen immer wiederkehrender Divertikulitis, also einer entzündlichen Ausstülpung der Darmschleimhaut. Ein großer Vorteil für diese Operationen ist die Schlüssellochchirurgie, durch welche nur minimale Schnitte gemacht werden müssen.

Muss der komplette Dickdarm entfernt werden, versuchen die Experten gerade bei jungen Patienten zunehmend, den Dünndarm mit dem Anus zu verbinden. Dadurch wird der Darminhalt des Dünndarms gesammelt und somit die direkte Darmentleerung herausgezögert. Diese Technik vermeidet die Verwendung eines dauerhaften künstlichen Darmausgangs.

Die Ärzte richteten noch einen eindringlichen Appell an alle Besucher, die Vorsorgetermine zur Darmkrebsfrüherkennung wahrzunehmen. Die Krankenkasse zahlt die Untersuchungen für Männer ab dem 50. und für Frauen ab dem 55. Lebensjahr.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben