Ev. Kirche Dinslaken

100 Jahre Betsaal Bruch: Jubiläum in herausfordernder Zeit

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Auch die neue Bürgermeisterin Michaela Eislöffel sprach ein Grußwort im Rahmen des Festgottesdienstes zur Feier von 100 Jahre Betsaal Bruch.

Auch die neue Bürgermeisterin Michaela Eislöffel sprach ein Grußwort im Rahmen des Festgottesdienstes zur Feier von 100 Jahre Betsaal Bruch.

Foto: Gerd Hermann / FUNKE Foto Services

Dinslaken.  Mit zwei Festgottesdiensten und einer Ausstellung wurden „100 Jahre Betsaal Bruch“ gefeiert. Auch die neue Bürgermeisterin sprach ein Grußwort.

Sich nicht vom Bösen unterkriegen lassen, sondern das Böse mit dem Guten überwinden – mit einem Zitat aus dem Römerbrief, das in der heutigen Zeit aktueller denn je zu sein scheint, begrüßte Presbyter Christoph Laszlob gestern Morgen die Gemeindeglieder zum ersten von zwei Festgottesdiensten, die an diesem Sonntag anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Betsaals Bruch an der Wilhelminenstraße gefeiert wurden.

Die herzliche Erwiderung der Gemeinde auf sein „Guten Morgen“ zeigte schon: Hier ist die Verbundenheit der Menschen untereinander groß. Das war auch in den Anfängen des Betsaals vor hundert Jahren so, wie Pfarrer i.R. Karl-Heinz Tackenberg später bei seinem Rückblick zeigte. Und noch eine Gemeinsamkeit gibt es: Sowohl die Anfänge als auch das Jubiläum fanden in herausfordernden Zeiten statt.

Orgelspiel und Bläserkreis

Während die Erbauung nach der Grundsteinlegung 1914 durch den Ersten Weltkrieg unterbrochen wurde, wirbelt hundert Jahre später die Corona-Pandemie alle Planungen durcheinander. Unter Einhaltung der erforderlichen Schutzmaßnahmen war es dennoch möglich, das Jubiläum in einem kleinen Rahmen zu würdigen – und das auf stimmungsvolle Weise, denn neben dem Orgelspiel sorgte auch der Bläserkreis, der aus dem hinteren Raum sozusagen aus dem Off heraus spielte, für die musikalische Gestaltung und den feierlichen Rahmen des Gottesdienstes. Doch nicht nur die Musik, auch die Worte von Pfarrerin Kirsten-Luisa Wegmann und Karl-Heinz Tackenberg hatten zugleich etwas Tröstliches und Mut machendes und schlugen eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart.

„Hundert Jahre und noch immer so lebendig.“ So beschrieb Pfarrer i.R. Karl-Heinz Tackenberg, der 25 Jahre am Betsaal wirkte, das Haus und seine Gemeinde. In einem kurzen Einblick in die Geschichte des Betsaals zeigte er beispielhaft auf, wie diese Lebendigkeit und das Miteinander bis heute aussehen. Die Menschen außerhalb der Innenstadt „wollten wahrgenommen werden“, daher hätten sie sich für ein eigenes Haus, in dem sie Gottesdienst feiern konnten, engagiert. Während des Zweiten Weltkrieges stellte sich die Gemeinde vor ihren damaligen Pfarrer Hanns Meyer und sorgte dafür, dass er seine Pfarrstelle behalten konnte. Die lebendige Gemeindearbeit habe auch dafür gesorgt, dass der Anbau entstehen konnte. Der Betsaal sei ein „Stück Heimat für alle Generationen“, so Tackenberg mit Blick auf die vielen verschiedenen Gruppierungen der Gemeinde. Dies sei mit dem Respekt und der Achtung vor der Tradition und dem Mut, Neues zu wagen, möglich.

„Segen bringen für den Stadtteil“

Daran knüpfte Pfarrerin Kirsten-Luisa Wegmann in ihrer Predigt an. Neues wagen mit dem Versprechen „Gott ist bei euch“, in neuen Gegenden heimisch werden, sich einbringen und eine Zukunft für die Kinder gestalten – so wie Jeremia es in seinem „Brief an die Verbannten“, dem Predigttext am Sonntag, schreibt – solche Gedanken dürften auch die Menschen bewegt haben, als der Betsaal entstanden sei. „Der Betsaal war und ist ein Raum für neue Ideen“, sagte die Pfarrerin, und viele Gemeindemitglieder begleite er über die verschiedenen Stationen des Lebens hinweg. Das Haus und seine Menschen „bringen Segen für den Stadtteil“, so die Pfarrerin. Hoffnungsfroh und hoffnungsvoll in die Zukunft zu schauen, sich einzubringen sei gerade heute wichtig.

Den Zuspruch und die Gewissheit, nicht allein zu sein, konnten die Gottesdienstbesucher in Form von Postkarten und kleinen Segensbotschaften, die in den Gemeindegruppen gestalteten worden sind, auch mit nach Hause nehmen und an einen lieben Menschen verschicken.

Segensreiche Worte gab es auch noch vor Ort in Form von Grußworten. Superintendent Friedhelm Waldhausen würdigte den Betsaal als einen „christlichen Ort des Trostes und der Lebendigkeit“ und wünschte der Gemeinde, dass ihr Haus in den herausfordernden Zeiten – angesichts der Corona-Pandemie und der sinkenden Mitgliederzahlen der Kirchen – eine lebendige Gemeinschaft bleibe. Auch Michael van Meerbeck, der von der katholischen Kirchengemeinde gratulierte, betonte den christlichen Zusammenhalt und die Nächstenliebe, die im Betsaal spürbar sei.

Ein Ort der Nachhaltigkeit

Für die neue Bürgermeisterin Michaela Eislöffel war der gestrige Sonntag nicht nur wegen des 100-jährigen Jubiläums des Betsaals ein besonderer Tag – sondern auch ganz persönlich, denn es war ihr erster Termin als Bürgermeisterin. Daher sei sie auch etwas aufgeregt, wie sie gestand, denn „ich war ja noch nicht einmal im Rathaus“, sagte sie mit Blick auf ihre Vereidigung am Dienstag. Da sie Religion studiert habe, sei es umso schöner, dass ihr erster Termin in einer Kirche stattfinde und Eislöffel ist sich sicher, dass sie diesen Gottesdienst nicht vergessen wird. Der Betsaal Bruch sei ein Ort der Nachhaltigkeit, nicht nur wegen des Repair Cafés, denn dort, wo ein Miteinander stattfinde, werde nachhaltig gearbeitet, man hinterlasse Spuren bei den Menschen. Das Miteinander stehe im Vordergrund, dies und die Menschlichkeit seien auch auf Abstand wichtig, sagte sie mit Blick auf die kommenden Wochen.

Nach dem Gottesdienst hatten die Gemeindeglieder die Möglichkeit, sich in den hinteren Räumen eine kleine Ausstellung anzusehen. Neben Orgelpfeifen der ersten Orgel oder der ersten Altarbibel waren auch Alltagsgegenstände und Bilder und Zeitungsberichte zu sehen, die das vielfältige Gemeindeleben über Jahrzehnte hinweg lebendig machten.

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