Betsaal Bruch

Dinslaken: Der Betsaal Bruch wird 100 Jahre alt

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Gemeindefest der Ev. Kirchengemeinde Dinslaken 2016 am Betsaal Bruch mit Pfarrerin Sabine Röser-Blase.

Gemeindefest der Ev. Kirchengemeinde Dinslaken 2016 am Betsaal Bruch mit Pfarrerin Sabine Röser-Blase.

Foto: Jochen Emde / Funke Medien NRW GmbH

Dinslaken.  Der Betsaal Bruch der Ev. Kirchengemeinde Dinslaken feiert am 1. November sein rundes Jubiläum mit zwei Festgottesdiensten und einer Ausstellung.

Er ist ein „Haus für die Menschen“ dieses Dinslakener Stadtteiles und ein Anlaufpunkt für alteingesessene wie neu zugezogene Bewohner von Bruch und Feldmark – in schönen und schweren Zeiten. Zahlreiche Gruppen haben hier ihr Zuhause und gestalten das Gemeindeleben: Die Musik mit Chor und Bläsern, die Angebote für Menschen allen Alters, von der Krabbelgruppe bis zum Seniorenkreis. Viele Brücher identifizieren sich stark mit „ihrem Betsaal“, durch die Generationen.

Vor 100 Jahren, am 1. November 1920, wurde der Betsaal im Bruch seiner Bestimmung übergeben. Die Gemeinde feiert das Jubiläum mit einer Reihe von Veranstaltungen: zwei Festgottesdiensten am Sonntag, 1. November 2020, um 9.30 Uhr und um 14 Uhr; einem Vortrag „100 Jahre Betsaal Bruch“ von Pfarrer i.R. Sepp Aschenbach am Donnerstag, 29. Oktober, um 19.30 Uhr, und am Montag, 2. November, um 18 Uhr (Anmeldungen sind jeweils erforderlich, s. Box), sowie einer kleinen Ausstellung mit Alltagsgegenständen, kirchlichem Schmuck, Schriften, Plakaten und Bildern aus 100 Jahren Betsaal.

Sehenswerte Festschrift zum Jubiläum

Bei einem Pressetermin stellten Pfarrer i.R. Sepp Aschenbach, Pfarrer i.R. Karl-Heinz Tackenberg (wirkte von 1982 bis 2007 am Betsaal) und Pfarrerin Kirsten-Luisa Wegmann (seit Sommer 2020 am Betsaal in Nachfolge von Pfarrerin Sabine Röser-Blase) die sehenswerte Festschrift zum Jubiläum vor. Grußworte schrieben Superintendent Friedhelm Waldhausen und Bürgermeister Michael Heidinger.

Rückblick: Seit der Gründung der beiden evangelischen Gemeinden in Dinslaken im Jahre 1611 konzentrierte sich das geistliche Leben auf die Innenstadt. Die Feldmark oder das Bruch war jahrhundertelang ein sumpfiges, unwirtliches Gelände. Nur wenige Menschen wohnten hier. Der Graf von Kleve hatte 1390 durch das sogenannte Kuhbruch eine schnurgerade Straße bauen lassen, über die man Dinslaken erreichen konnte.

Im Laufe des 19. Jahrhunderts siedelten sich hier einige Bürger an. Als durch die Industrie und dann durch den Bergbau in Dinslaken viele neue Arbeitsplätze entstanden, wuchs hier ein neuer Stadtteil. Die meisten Neubürger waren evangelisch. Sie feierten zunächst im Saal der Gaststätte Platt ihren Gottesdienst, dann ab 1872 in der neu erbauten Bruchschule.

Der Rohbau stand sechs Jahre leer

Als es in der Schule zu eng wurde, entstand der Wunsch nach einem eigenen Betsaal für das Bruch. Das Grundstück an der Wilhelminenstraße wurde erworben und im Frühjahr 1914 begann man mit dem Bau. Doch der Rohbau stand sechs Jahre leer. Der Erste Weltkrieg verhinderte den Weiterbau. Erst am 1. November 1920 konnte das Gebäude in einem Festgottesdienst durch Generalsuperintendent Klingemann aus Koblenz eingeweiht werden.

Ab 1913 gab es im Bruch eine ständige Hilfspredigerstelle. Die Kirchengemeinde war auf 4500 Gemeindeglieder angewachsen, davon lebten 2000 im Bruch. Die Hilfspredigerstelle wurde bis 1932 durch ständig wechselnde Hilfsprediger betreut. Kaum ein Stelleninhaber blieb länger als anderthalb Jahre. Für den Gemeindeaufbau in einem wachsenden Bezirk war das keine Lösung. Nach langen Verhandlungen wurde 1932 die Hilfspredigerstelle zu einer regulären Pfarrstelle.

Hanns Meyer, der letzte Hilfsprediger, wurde erster Pfarrer im Bruch. Er führte die Gemeinde durch die schweren Jahre des Nationalsozialismus und des Krieges. Er wurde Sprecher des Bruderrates der BK (Bekennende Kirche) innerhalb der Synode Dinslaken. Die Tätigkeit von Pfarrer Hans Meyer erregte die Aufmerksamkeit der Partei und der Geheimen Staatspolizei. Fast sonntäglich sitzt ein Polizeibeamter im Kirchsaal.

Beliebte Gemeindeschwester Maria Lomberg

Kurz nach Beendigung des Krieges kehrte Pfarrer Meyer aus der Gefangenschaft zurück und führte seine Arbeit im Bezirk bis 1950 weiter. Durch seinen Dienst intensiviert sich das Gemeindeleben. Unterstützt wurde er in seiner Arbeit durch die allseits beliebte Gemeindeschwester Maria Lomberg (verstorben 1979).

Sein Nachfolger wurde Pfarrer Rolf Girardet. Schon nach wenigen Jahren, 1959, musste er aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand gehen. In seine Dienstzeit fällt der Bau der Erlöserkirche im Klarabezirk. Der alte Betsaal aus Holz an der Fröbelstraße hatte ausgedient.

Ihm folgt 1962 Pfarrer Günter Rohde. Auch er arbeitet noch zusammen mit Schwester Maria Lomberg. Er arbeitet nach Gründung der Krankenhaus GmbH im Aufsichtsrat des Krankenhauses mit. Hier ist er beteiligt bei der Planung und dem Bau des neuen Krankenhauses (1965 - 1968). Seine Frau gründet und leitet im Bruch ein Jugendorchester.

1962 erfolgt die Teilung des Bezirks Feldmark in zwei selbstständige Bezirke: Bruch und Klarabezirk (heute Erlöserkirche). Der Klarabezirk wird jetzt durch den Gemeindemissionar Gerdts betreut.

Kindergarten „Brücher Spatzennest“

1972 errichtet die Gemeinde für die Kinder des Bezirks den Kindergarten am Erikaweg. Heute nennt er sich „Brücher Spatzennest“. 1974 wechselt Pfarrer Rohde nach Mettmann. In seinem Ruhestand hält er Kontakt zu seiner ehemaligen Wirkungsstätte.

Im Dezember 1974 wurde Pfarrer Heinz Dieter Bethkowsky sein Nachfolger. In seiner Zeit feiert der Posaunenchor 1977 sein 50-jähriges Jubiläum und die Gemeinde das 60-jährige Bestehen des Betsaals.

Nach dem Weggang von Pfarrer Bethkowsky kam im November 1982 Pfarrer Karl-Heinz Tackenberg ins Bruch. Unter seiner Regie aktiviert sich das Gemeindeleben. Viele neue Gruppen entstehen, Projekte werden in Angriff genommen. Viele Menschen ziehen ins Bruch. Der Bezirk Bruch wird mit der Zeit der größte Pfarrbezirk der Gemeinde mit über 4000 Gemeindegliedern.

Erweiterung des Betsaals durch „Anbau“

Eine Erweiterung des Betsaals wird erforderlich. Verbunden mit dem alten Betsaal entsteht der sogenannte „Anbau“. Durch einen Aufzug sind alle Räume barrierefrei. Der vergrößerte Betsaal wird zu einer Begegnungsstätte für die vielen Gruppen der Gemeinde und für die Menschen aus dem Bruch. 2007 geht Pfarrer Tackenberg nach 25 Jahren im Bruch in den Ruhestand.

Zu seiner Nachfolgerin wählt das Presbyterium 2008 Pfarrerin Sabine Röser-Blase, die schon drei Jahre im Sonderdienst im Bezirk gearbeitet hat. Bis vor wenigen Monaten tat sie Dienst im Bezirk Bruch. Mit ihr zusammen arbeiteten im Bezirk Bruch noch hauptamtlich: die Jugendleiterin Sabine Fischer-Borgardts (seit über 25 Jahren im Bezirk), die Kindergartenleiterin Gabriele Dierich, die Küsterin Ursula Söker; und nebenamtlich: die Organistin Dr. Sonja Ziesmann und Chorleiterin Jutta Schmitz-Warmuth.

Für Festgottesdienste und Vorträge anmelden

Zu allen oben genannten Veranstaltungen – Festgottesdienste und Vorträge – sind Anmeldungen im Gemeindebüro unter 02064/603558 unbedingt erforderlich. Maximal 50 Personen sind im Betsaal Bruch zugelassen, es herrscht bei allen Terminen Maskenpflicht am Platz.

Der Festgottesdienst am 1. November um 9.30 Uhr mit Superintendent Friedhelm Waldhausen, Bürgermeisterin Michaela Eislöffel (ihr erster Termin!) und dem Bläserkreis unter Leitung von Ralf Baßfeld wird übrigens professionell aufgenommen und über die Homepage ins Netz gestellt. (P.N.)

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