24-Stunden-Serie

12 Uhr: Mittagspause bei der Feuerwehr in Dinslaken

Markus Haag ist der „Chefkoch“ bei der Feuerwehr und koordiniert die Zubereitung. Hier brät er gerade das Hackfleisch für die Bolognese an.

Foto: Markus Weißenfels

Markus Haag ist der „Chefkoch“ bei der Feuerwehr und koordiniert die Zubereitung. Hier brät er gerade das Hackfleisch für die Bolognese an.

Dinslaken.   Auf der Rettungs- und Feuerwache in Dinslaken-Lohberg kochen und essen die Einsatzkräfte seit jeher gemeinsam Mittag – solange kein Gong ertönt.

Arne Kupper hat die schwere Feuerschutztür kaum einen Spaltbreit geöffnet, schon dringt der Duft frischer Zwiebeln heraus. „Oh!“, sagt der heutige Wachabteilungsleiter bei der Feuerwehr Dinslaken. „Scheinbar haben die Anderen schon angefangen.“ Die Anderen, das sind seine Kollegen, Hauptamtliche Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr Dinslaken. Schon angefangen haben sie um Punkt 12 Uhr damit, Mittagessen für sich und ihre Kollegen zuzubereiten.

Denn so ist es in der Feuer- und Rettungswache an der Hünxer Straße in Lohberg seit jeher Tradition – bis zu 20 Feuerwehrkräfte kochen und essen hier jeden Mittag gemeinsam.

Heute kommt ein Klassiker auf den Teller

Den Kochhut auf hat heute Markus Haag: Er koordiniert die Vorbereitungen für das Mittagessen. „Heute gibt es was ganz Klassisches“, sagt Haag. „Spaghetti Bolognese.“ Er steht vor einem großen metallenen Behälter, aus dem es zischt und dampft. Darin: Die von weitem bereits zu riechenden Zwiebeln und das Hackfleisch. Mit einer großen Kelle verrührt Haag die Zwiebeln und das Hack sowie ein paar Sekunden später auch die passierten Tomaten, deren Verpackungen sein Kollege Lukas Johann aufgeschnitten hat und nun in den Behälter füllt.

Es ist 12.21 Uhr – so langsam füllen sich die Küche und der offen daran angrenzende Essensraum. Während einige Einsatzkräfte die ersten Minuten ihrer Mittagspause dazu nutzen, frische Luft auf dem angrenzenden Balkon zu sammeln, tauschen andere sich über die bisherigen Geschehnisse des Tages aus.

Was gekocht wird, entscheiden alle zusammen

Immer wieder landen Zwei-Euro-Münzen auf einer Ablage – soviel zahlt jeder der Einsatzkräfte für das Gericht. Das, erklärt Wachabteilungsleiter Kupper, sei jeden Tag ein anderes. „Wir versuchen abwechslungsreich und vor allem gesund zu kochen“, sagt er. Wildgerichte, Rouladen oder auch mal ein frischer Salat mit Hähnchen landeten gerne auf dem Teller, seltener mal orderten die Feuerwehrkräfte auch Currywust-Pommes oder Pizza. Wie das Mittagessen ausfalle, hänge auch immer von den anwesenden Kollegen und ihren Wünschen ab. „Es gibt manche, die hier wirklich zaubern“, sagt Kupper und verweist mit einem Lachen auf den heutigen „Chefkoch“ Markus Haag.

Der hat mittlerweile eine großen Topf mit Wasser auf dem Herd aufgestellt, die Flüssigkeit blubbert längst. Viereinhalb Kilo Spaghetti landen in dem brodelnden Topf. Es essen ja auch 20 hungrige Leute mit. . .

Einsätze gehen vor, die Bolognese muss warten

Um 12.32 Uhr ertönt ein Gong. Eine Durchsage. Der Rettungswagen 1 wird angefordert, auf der Bahnstraße hat es einen Unfall gegeben. Einige der Rettungskräfte mit den weißen Shirts stehen auf: Für sie ist nun Pause von der Pause, Menschen helfen geht schließlich immer vor. Um 12.34 Uhr ertönt der Gong ein weiteres Mal. Werden noch weitere Kräfte in der Innenstadt benötigt? Nein. „Das Essen ist fertig, das Essen ist fertig“ heißt es nur. Um 12.36 Uhr trudeln die ersten Hungrigen ein, befüllen ihre Teller und nehmen Platz. Manche von ihnen allerdings nur drei Minuten lang: Um 12.39 Uhr nämlich ertönt ein weiterer Gong – die Rettungswagen 2 und 3 werden doch nachgeordert. Die betroffenen Einsatzkräfte decken ihre Teller ab: Für sie geht es zurück an die Arbeit – die Bolognese muss warten.

Die Dagebliebenen genießen hingegen ihre Auszeit: Es herrscht gefräßige Stille. „Wenn keiner was sagt, dann ist es gut“, sagt „Chefkoch“ Markus Haag und lacht. Und als würden sie seine Worte unterstreichen wollen, stehen zwei Kollegen auf, um Nachschub zu holen.

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