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328 352 Kilometer: Dinslakener kauften einstiges Polizeiauto

Im Freundeskreis von Peter Weiß brach keine Begeisterung aus, als er erzählte, dass er sich ein ehemaliges Polizeiauto gekauft hatte.

Foto: Heiko Kempken

Im Freundeskreis von Peter Weiß brach keine Begeisterung aus, als er erzählte, dass er sich ein ehemaliges Polizeiauto gekauft hatte. Foto: Heiko Kempken

Dinslaken.   Vor 13 Jahren kauften sich Peter und Barbara Weiß den VW Passat. Die Besitzer möchten mit ihm gerne die 400 000-Kilometer-Grenze überfahren.

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Zu einer rasanten Verbrecherjagd taugt der VW Passat heute bestimmt nicht mehr. 328 352 Kilometer hat der metallic-silber-farbene Diesel mit Automatikgetriebe aktuell auf dem Tacho. „Aber bei jeder etwas weiteren Strecke fährt jetzt die Angst mit, wann er endgültig den Geist aufgibt“, gesteht Peter Weiß.

Dabei wäre es durchaus möglich, dass der Wagen früher tatsächlich bei der ein oder anderen Verfolgungsjagd im Einsatz war: „Denn bevor wir ihn 2005 von einem Händler in Rheinhausen kauften, war es ein Polizeiauto bei der Polizei Siegburg“, weiß der 69-Jährige. „Mit einem Kilometerstand von 52 799 hatte der Wagen, Baujahr 2002, dort aber bereits ausgedient.“

Polizist im Bekanntenkreis sprach von „Fehlkauf“

Bei Familie Weiß in Hiesfeld fand der Kombi dann ein neues Zuhause. Hier ersetzte er einen Opel Omega – „nach 13 Jahren mit 268 000 gefahrenen Kilometern.“ Im Freundeskreis brach allerdings keine Begeisterung über den neuen, fahrbaren Untersatz zum Schnäppchenpreis von 14 900 Euro aus. „Wir haben einen Polizisten im Bekanntenkreis, der meinte, dass ein Polizeiauto ein Fehlkauf sei, denn das sei sicher schon zigmal die Bordsteine rauf und runter gebrettert“, erzählt Peter Weiß. Doch der Hiesfelder ließ das Auto in der Werkstatt prüfen „und da war alles absolut in Ordnung dran“.

Mit dem schicken – und vor allem im Vergleich zum Vorgänger viel sparsameren – neuen Wagen fuhr dann auch mal Ehefrau Barbara Weiß, die eigentlich keine begeisterte Autofahrerin ist. Selbst am Steuer ging’s zum nächsten Familientreffen. „Aber von den Verwandten wurden wir bei der Anreise zunächst gar nicht wahrgenommen. Mit meiner Frau auf dem Fahrersitz des modernen VW Passats haben sie uns glatt nicht erkannt“, erinnert sich Peter Weiß an eine lustige Anekdote mit dem neuen Auto.

Fast täglich nach Gelsenkirchen und in den Urlaub

13 Jahre ist das nun her. Und in all der Zeit leistete der gebrauchte, neue Wagen Familie Weiß zuverlässige Dienste: „Früher bin ich an sechs Tagen in der Woche nach Gelsenkirchen zur Arbeit gefahren“, sagt der heutige Ruheständler. Aber auch auf Urlaubsfahrten, wie beispielsweise sechs Mal nach Norwegen, aber auch nach Schweden, Polen und vielfach in die Beneluxländer „war das Auto immer ein treuer Gefährte“, so der Hiesfelder.

„Doch es ist kein Wunderauto. Es ist ein Gebrauchsauto, das natürlich auch mal liegengeblieben ist, obwohl es regelmäßig gewartet wurde: einmal war etwas mit der Technik und einmal ist mir die Unterbodenschürze auf die Straße gefallen“, erinnert er sich. Auch eine neue Batterie, zwei neue Windschutzscheiben und eine neue Heckscheibe sowie weitere Verschleißteile hätten während der rund 276 000 Kilometer Eigenfahrleistung von Familie Weiß – zu 95 Prozent von Peter Weiß – bereits erneuert werden müssen. „Aber das ist ja normal“, findet der Passat-Fahrer.

Maikäfer am Getränkehalter

Über ein neues Auto denkt er aktuell übrigens noch nicht nach. „Wir hoffen jetzt erstmal darauf, noch die 333 333 Kilometer zu schaffen“, gibt er das nächste Etappenziel preis. „Ich würde gerne auch noch 400 000 gefahrene Kilometer mit dem Wagen erreichen, denn man liebt das Gefährt schon, das einem so treue Dienste geleistet hat.“

Dass er dem VW Passat Kombi mit dem Angelverein-Aufkleber auf dem Heck, dem Holz-Schutzengel am Rückspiegel und dem vergilbten Maikäfer am Getränkehalter nach einer längeren Strecke, wie kürzlich noch nach Ameland, über die Armatur streichelt und „gut gemacht, Alter“, sagt, bevor er ihn in die Garage fährt, ist für Peter Weiß selbstverständlich. „Das Auto hat auch eine Seele“, sagt er. „Aber das darf man auch nicht überbewerten: wenn es irgendwann mal vorbei ist, ist es eben vorbei.“ Wann es soweit sein wird, wisse man nie.

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