Beschwerden

Ärger über Fluglärm - Hünxer Bürger scheitern an Rechtslage

Einige Bürger in Hünxe stören sich an dem Kunstflugbetrieb über dem Flugplatz Schwarze Heide.

Einige Bürger in Hünxe stören sich an dem Kunstflugbetrieb über dem Flugplatz Schwarze Heide.

Foto: Volker Hartmann / FFS

Hünxe.  Bürger klagen über Kunstflieger am Flugplatz Schwarze Heide. Weder Hünxe noch Bezirksregierung oder Flugsicherung können etwas unternehmen.

Die Manöver der Kunstflieger an der Schwarzen Heide sind spektakulär anzusehen – aber Georg Schmidt schaut nicht mehr hin. Ihm genügt, was er hört. Als „Pearl Harbour-Effekt“ beschreibt er den Lärm der durchstartenden Kunstflieger des Flugplatzes, der auch im Gemeindegebiet zu hören sei. Gemeinsam mit weiteren Bürgern möchte Georg Schmidt erreichen, dass der Kunstflug an der Schwarzen Heide reduziert wird. Und läuft mit seinem Anliegen gegen Wände.

Das ist das Problem

Das Problem ist, so Georg Schmidt, dass es sich bei dem Lärm der Kunstflieger nicht um ein gleichbleibendes Geräusch handele, sondern um das ständige Aufheulen der Motoren, einen an- und abschwellenden Ton „an sieben Tagen in der Woche, zum Teil über Stunden“, erklärt er.

Ihm sei bewusst, dass der Flugplatz ein Wirtschaftsfaktor sei, so der 63-Jährige. Und dass der dort ansässige, weltweit führende Flugzeugbauer „Extra“ seine Modelle vorführen müsse. Darüber hinaus aber würden Flieger aus ganz Deutschland Kunstflug-Stunden über der Schwarzen Heide buchen, zudem fänden Schulungen statt. Der Lärm durch die Kunstflieger nehme beständig zu, ist der Eindruck von Georg Schmidt. Er spricht von „extremen und weitreichenden Lärmbelastungen durch die Kunstflugzeuge“ für Bürger und Natur. Immerhin befinde sich der Flugplatz in der Nachbarschaft von Naturschutzgebieten. „Ich will ja nicht, dass der Kunstflug ganz eingestellt wird. Aber dass er reduziert wird“, sagt er.

Gespräch beim Bürgermeister

Die Bürger haben Politik, Bürgermeister, Flugplatz und Bezirksregierung angeschrieben. Zuletzt gab es ein Gespräch mit Vertretern der Bezirksregierung, des Flugplatzes und der Politik beim Bürgermeister. Ergebnis: Die Kunstflieger würden nicht gegen Gesetze verstoßen, da könne man nichts machen. Der Vertreter der Bezirksregierung habe deutlich gemacht, „dass das ärgerlich ist, aber es gibt keine gesetzliche Handhabe das zu unterbinden“, so Bürgermeister Dirk Buschmann. Für die Kunstflieger gebe es zwar Zeitbeschränkungen aber keine Lärmbeschränkung. Für den Flugplatz Schwarze Heide, so machte die Bezirksregierung deutlich, liege eine genehmigte Lärmberechnung vor – diese beziehe den Kunstflug aber nicht ein, weil dieser nur „mittelbar“ mit dem Flugbetrieb dort zusammenhänge. Allerdings würden die Flugkorridore täglich wechseln, sagt Buschmann, der auch Verständnis für den Flugzeugbauer hat, der nun einmal seine Kunden Probe fliegen lassen müsse.

Das sagt das Gesetz

Für Kunstflieger, so die Bezirksregierung auf NRZ-Anfrage, sei eine Mindesthöhe von 450 Metern vorgeschrieben. Zudem dürfen die meisten Flieger laut Lärmschutz-Verordnung wochentags nur zwischen 7 und 13 Uhr sowie von 15 Uhr bis Sonnenuntergang und am Wochenende zwischen 9 und 13 Uhr abheben. An der Schwarzen Heide, so betonte deren Geschäftsführer André Hümpel in dem Gespräch, würden Kunstflüge erst nach 9 Uhr starten. Die Kunstflugausbildung sei mittlerweile Teil der Berufspilotenausbildung, die von den Flugschulen an der Schwarzen Heide angeboten werde. Daher komme es dort vermehrt zu Kunstflügen. Insgesamt gebe es 50.000 Flugbewegungen am Flugplatz, der Anteil der Kunstflüge werde nicht erfasst.

Die Bezirksregierung überprüft einmal monatlich, ob die Vorgaben eingehalten werden. Dabei geht es auch um die Frage, ob die vorgeschriebene Flughöhe eingehalten werde. Das lässt sich mit einem ins Flugzeug eingebauten Transponder ermitteln – diesen würden 98 Prozent der Piloten auch einschalten.

Die Freigabe für die Kunstflüge erteile allerdings nicht die Bezirksregierung, sondern die Deutsche Flugsicherung (DFS). Diese prüfe aber „lediglich die Verkehrssituation bezüglich anderer Luftraumnutzer, bevor die Freigabe erteilt wird.“ Und sie dürfe eine „Freigabe für Kunstflüge nicht verweigern, wenn die für die Flugsicherung einschlägigen Regeln des Luftverkehrsgesetzes eingehalten werden.“

Initiative ist gescheitert

Mehrere Länder haben 2015 eine Änderung dieses Luftverkehrsgesetzes im Bundesrat beantragt. Danach sollte Kunstflug wegen der Lärmbelästigung nur über 600 Metern erlaubt sein. Der federführende Verkehrs- sowie der Wirtschaftsausschuss stimmten dagegen. Das Thema wurde von der Tagesordnung des Bundesrats genommen.

DFS: Lärm ist relativ

Von „unzumutbarem“ Fluglärm durch Kunstflieger könne zudem laut DFS keine Rede sein. Für dessen Feststellung dürften keine subjektiven Empfindungen herangezogen werden. „Vielmehr ist zur Bestimmung des Vorliegens von unzumutbarem Fluglärm ein objektiver Nachweis - beispielsweise in Form eines Lärmgutachtens - erforderlich.“

Es gebe zwar Vorgaben zum Lärmausstoß der Flugzeuge, so Buschmann. Diese beziehen sich aber auf eine Entfernung von fünf Metern. Den Lärm der Flieger in der Luft zu messen sei schwierig, weil er nur schwer von anderen Lärmquellen am Boden zu trennen sei.

So geht es weiter

Nun sollen Gespräche mit Flugschulen und Flugzeugbauer über eine Verminderung der Belastung geführt werden und der Vertreter der Gemeinde soll das Problem im Lärmbeirat des Flugplatzes vortragen.

>>Hintergrund

Der Verkehrslandeplatz Schwarze Heide wird seit 1996 zu unterschiedlichen Anteilen von Bottrop, Hünxe, Dinslaken, Voerde und dem Kreis Wesel betrieben und erhält von diesen einen jährlichen Betriebskostenzuschuss.

Die Unternehmen am Flugplatz bieten private Rundflüge, Geschäftsflüge und Schulungen an. Am bekanntesten ist der weltweit führende Kunstflieger-Hersteller Extra Aircraft. Auch sind hier sieben Vereine ansässig.

Die Landeb ahn wurde im Jahr 2010 von 900 auf 1500 Meter verlängert. Im vergangenen Jahr wurde eine neue Tankstelle und eine zweite Rundhalle für Flugzeuge gebaut.

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