Zweiter Weltkrieg

Als die Voerder Rheindörfer unter Beschuss standen

Die Amerikaner bei der Rheinüberquerung 1945 zwischen Wallach und Ork.

Die Amerikaner bei der Rheinüberquerung 1945 zwischen Wallach und Ork.

Foto: Privat / PR

Voerde.  In der letzten Märzwoche 1945 querten die Alliierten den Rhein. Die Bevölkerung hatte zuvor bereits unter verstärkten Bombenangriffen gelitten.

In der letzten Märzwoche vor 75 Jahren endete für die Voerder und auch für die Dinslakener Bevölkerung faktisch der Zweite Weltkrieg, dessen Ende in Europa mit der Kapitulation der Deutschen am 8. Mai offiziell besiegelt wurde. Monate zuvor bereits litt auch die Bevölkerung am Niederrhein unter verstärkten Bombenangriffen. Heute ist bekannt, dass die Bombardierung Dinslakens am 23. März 1945 und der Artilleriebeschuss unter anderem auf die Voerder Rheindörfer nur ein Ziel hatten: die Vorbereitung des Rheinübergangs. Der Übermacht der Alliierten stand auf deutscher Seite nur eine zahlenmäßig kleine und geschwächte Verteidigungsgruppe gegenüber.

Am 9. März hatte Feldmarschall Bernard Law Montgomery seine ersten Anweisungen für den Rheinübergang herausgegeben und den 23. März als ersten Angriffstag festgesetzt. Eine nicht gerade leichte Aufgabe, denn „der Rhein war ein schreckliches militärisches Hindernis, besonders was seine nördlichsten Teile angeht“, schrieb der damalige Oberkommandierende der alliierten Streitkräfte und spätere Präsident der Vereinigten Staaten, Dwight D. Eisenhower, in seinem Buch „Kreuzzug in Europa“. Eine sorgfältige Vorbereitung erfolgte in den Wochen vor dem Übergang.

Für Eisenhower stellte die Rheinüberquerung die größte und schwierigste Operation seit der Landung an der Küste der Normandie dar. Lange vor der Invasion hatten Soldaten an Flüssen in Großbritannien umfassende Versuche angestellt, um herauszufinden, welche Art von Landungsbooten am geeignetesten wären und welche Lasten sie befördern könnten. Kurz vor dem Angriff wurde selbst an der Maas in den Niederlanden noch geübt.

Granate fegte Zwiebelturm von Haus Wohnung hinweg

Zu einer letzten Besprechung trafen sich Montgomery, Eisenhower und der britische Premierminister Winston Churchill in Walbeck. Man schrieb den 15. März 1945, der Angriff sollte in der Nacht zum 24. März geschehen. Von all den Vorbereitungen ahnten die Volkssturmleute und Fallschirmjäger in Walsum, Götterswickerhamm und Mehrum nichts. Sehen konnten sie ebenfalls nicht, was am anderen Ufer vor sich ging. Wenn jedoch einmal die künstliche Nebelwand aufriss, konnte man schon mit bloßem Auge seltsame Fahrzeuge und große Munitionsstapel am anderen Ufer erkennen. Einer der Beobachtungsposten, Peter R., konnte die Abschüsse der Artillerie beobachten, wie der verstorbene Dinslakener Heimatforscher Willi Dittgen in seinem Buch „Der Übergang“ schrieb. Peter R. saß in einer Turmluke von Haus Wohnung in Möllen. Als die ersten Geschosse an seinem Beobachtungsposten vorbeiflogen, verließ er schnurstracks seinen Posten. Nur wenige Augenblicke später fegte eine andere Granate den Zwiebelturm hinweg. Weitere Treffer beschädigten Haus Wohnung, später auch Haus Ahr erheblich.

Um 2 Uhr nachts, oder anders ausgedrückt, in den frühen Nachtstunden des 24. März, stieg in der Höhe von Mehrum die 30. Division der Amerikaner mit einem Filmteam in die Boote. Schütze Malcolm B. Buchanan war einer von ihnen. „Ich hoffte nur, lebend aus der ganzen Sache herauszukommen“, gestand er später. Ein Mann vom Filmteam soll ihn getröstet haben: „Schau mal, Du wirst der erste Mann sein, der das Ufer betritt.“ Nicht wirklich ein beruhigende Gedanke für den Schützen. Und obgleich die Überfahrt nur vier Minuten dauerte, erschien es ihm, wie er später sagte, wie eine Stunde.

>>Info: Rheinfähre stellte am 5. März den Betrieb ein

Bereits am Montag, 5. März 1945, hatte gegen Mittag die Rheinfähre Walsum-Orsoy den Betrieb eingestellt, als amerikanische Panzer am Westrand von Orsoy erschienen. Tag und Nacht hatte man zuvor flüchtende Soldaten und Zivilisten vom linken Rheinufer herübergeholt. Immer noch tauchten letzte Versprengte am linken Rheinufer auf, versuchten verzweifelt, das rechte Ufer zu erreichen. Walsumer und Spellener unternahmen das Wagnis, diese Menschen in Sicherheit zu bringen, berichtet der verstorbene Dinslakener Heimatforscher Willi Dittgen in seinen Schriften.

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